Rosenheim – Am Ende herrschte Stille. Nach einem Spiel mit sieben Toren, einer fehlgeschlagenen Aufholjagd des vom Abstieg bedrohten TSV 1860 Rosenheim gegen den VfB Eichstätt, seines Zeichens Tabellenführer der Fußball-Regionalliga Bayern. Es war die letzte Szene, die Ruhe einkehren ließ. Wenige Sekunden zuvor war Hektik, weil die Sechziger beim Stand von 3:4 in der Nachspielzeit ein Handspiel der Gäste in deren Strafraum reklamierten, als ein Kopfballduell in der Eichstätter Spielhälfte alle verstummen ließ.
Rosenheims Mathias Heiß und der Eichstätter Lucas Schraufstetter krachten nach einem hohen Ball in der Luft mit den Köpfen zusammen und blieben nach dem Aufprall am Boden liegen. Während Heiß kräftig blutete, bewegte sich Schraufstetter überhaupt nicht mehr. „Die sind extrem zusammengerasselt“, beschrieb 1860-Trainer Thomas Kasparetti die Szene. „Ich glaube, unser Spieler war schon beim Runterfallen bewusstlos, weil keine Spannung mehr da war“, meinte Eichstätt-Coach Markus Mattes.
1860-Physio Markus Grundner, der Sanitätsdienst und Helfer aus dem Publikum beruhigten die Situation, ehe Schraufstetter dann per Sanka ins Rosenheimer Klinikum gebracht wurde. „Es ist schön, dass da sofort einige Leute reagiert haben“, lobte Mattes, der am nächsten Tag Entwarnung geben konnte: „Lucas hat eine Gehirnerschütterung und wohl eine dicke Beule am Kopf. Ansonsten geht es ihm gut.“ Kasparetti, dessen Spieler Heiß die Kabine dick eingebunden verließ, hatte schon nach Spielende – der Schiedsrichter hatte während der Schraufstetter-Behandlung abgepfiffen– gemeint: „Egal, wie so ein Spiel ausgeht: Über allem steht, dass es dem Burschen wieder gut geht.“
Dass es in den rund 94 Minuten davor so turbulent hergeht, hatte der Rosenheimer Trainer vielleicht gehofft, zu erwarten war es sicherlich nicht. „Über 90 Minuten hat man den Unterschied in der Tabelle nicht gesehen“, meinte Kasparetti, dessen Team zumindest bis zum Schluss auf einen überraschenden Punkt hoffen durfte. Allerdings muss man auch sagen, dass Eichstätt im zweiten Durchgang nach dem 4:2 auch mehr Tore hätte schießen können. „Wir haben das Spiel mit dem 3:1 und dem 4:2 eigentlich zweimal zugemacht. Machen es dann aber immer wieder mit Fehlern in der Defensive auf, die uns normalerweise so nicht passieren“, schimpfte Mattes.
Über die Fehler in der Defensive musste auch Kasparetti sprechen: „Entscheidend waren die Standardsituationen in der ersten Halbzeit. Wir wussten, dass Eichstätt dort Qualität hat, konnten sie aber nicht verteidigen.“ Das 0:1 fiel durch den Ex-Rosenheimer Michael Zant nach einem Eckball, beim 1:2 war Philipp Federl zur Stelle, nachdem sich die Rosenheimer in der Abwehr selbst eliminierten, und das 1:3 erzielte Benni Schmidramsl, als er sich passend positionierte und erneut einen wieder vors Tor gebrachten Ball verwertete. Gerade mit den zweiten Bällen hatten die Sechziger so ihre Schwierigkeiten. „Die Szene ist ja mit dem ersten abgewehrten Ball oft noch nicht vorbei“, merkte Kasparetti an. Weil die Rosenheimer dann aber abgeschaltet hatten, schlug Eichstätt zu.
Da half es den Gastgebern auch nichts, dass sie die Probleme in der Defensive des Spitzenreiters reichlich nutzten. Danijel Majdancevic überlupfte den VfB-Keeper mit letztem Einsatz zum Ausgleich, Markus Einsiedler traf erst technisch perfekt und dann wuchtig zum 2:3 und Luftetar Mushkolaj brachte die Kugel nach einer scharfen Hereingabe von Korbinian Linner per Hacke zum 3:4 über die Linie. Dieser Treffer fiel in der 67. Minute – es war noch lange Zeit und Kasparetti erklärte: „Wir hatten immer das Gefühl, dass wir vorne noch einmal durchkommen.“ Ein Trugschluss, denn: Klare Gelegenheiten zum Ausgleich gab es nicht mehr. Stattdessen ein Ende mit Blut und Blaulicht.