Rosenheim – Auch wenn es nach drei Spielen supergut aussah und den Starbulls nur noch ein Sieg zum von der „Eishockey-News“ getippten Weiterkommen fehlte, hieß es am Sonntag doch wieder, wenn auch elf Tage später als 2018, „same procedure as last year“ – Aus gegen die Hannover Scorpions im Viertelfinale. Doppelt ärgerlich, hätte doch in der nächsten Runde die Klassiker-Serie mit zwei sicherlich ausverkauften Heimspielen gegen Landshut auf dem Programm gestanden.
So richtig konnte man dem Kofler-Team gegen das Bomben- (oder Bombis-)Team aus Niedersachsen eigentlich nichts vorwerfen. Nicht nur, dass der Widerstand trotz des gegnerischen Heimrechts diesmal länger währte als im Vorjahr (damals nur ein Heimsieg bei drei Niederlagen, eine zu Hause, eine in der Wedemark). Diesmal schafften es Baindl & Co. sogar, eins von drei Auswärtsspielen zu gewinnen, die Heimbilanz lag wie 2018 bei eins zu eins. Grundsätzlich schuld am Aus sind vielleicht zwei Hauptaspekte. So schaffte man es nicht immer, Vorsprünge über die Zeit zu bringen. Nur in der letzten, entscheidenden Partie lagen die Starbulls zu keinem Zeitpunkt vorne, aber weder bei der ersten Niederlage (2:3 nach langer 2:0-Führung) noch bei der zweiten (dreimaliger Ein-Tore-Vorsprung) stand das Happy End am Schluss auf gegnerischer Seite. Das verdeutlichen auch folgende Zahlen: Im Anfangs- und Mittelabschnitt waren die Starbulls jeweils überlegen: 7:6 im zweiten und sogar 7:3 im ersten Drittel. Im Schlussabschnitt schossen die Scorpions dagegen zwei Tore mehr (6:4) und legten in der einzigen Overtime noch ein weiteres drauf.
Powerplay mit 30 Prozent Erfolgsquote
Der zweite Punkt ist, dass man es beim ersten „Matchball“ auf eigenem Eis nicht schaffte, den defensiven „Game Plan“ konsequent durchzuziehen. Schon im letztjährigen Play-off hatte man das torreichste Spiel (5:6) gegen die Scorpions verloren, diesmal sah es (sieht man vom Empty-net-Goal ab) wieder genauso aus. Alle Spiele gegen Essen und vier der fünf Spiele gegen Hannover waren geprägt von einer weit besseren Defensivleistung, als sie die Starbulls den Großteil der Saison über gezeigt hatten. Aber dann gab es sieben Gegentore (erst zum zweiten Mal in dieser Saison), vier davon in gut 13 Minuten innerhalb eines Spieldrittels, auch wenn man dazwischen selbst zwei Treffer erzielen konnte. Und damit sind wir bei dem alles entscheidenden Teilaspekt: dem Powerplay. Eine „mörderische“ Erfolgsquote von über 30 Prozent hatten sich die Scorpions in der Nord-Vorrunde in Überzahl „erschossen“, fast jedes dritte Powerplay war also von Erfolg gekrönt! Trotzdem kamen die Starbulls anfangs hervorragend mit dieser Hauptwaffe des Gegners zurecht. Während sie selbst in den ersten drei Spielen und dem ersten Drittel des 5:7-Matches bereits vier Überzahltore erzielen konnten (drei davon im ersten Heimspiel), hatte der Gegner, bevor der Bann brach, 13 Situationen von über 20 Minuten Gesamtlänge für lumpige zwei Törchen benötigt. Doch Anfang des zweiten Drittels am Freitag machte es plötzlich „klick“, und bis zum Serienende am Sonntag konnten Bombis, Dejdar und Co. fünf der weiteren Rosenheimer Strafen in entscheidende Treffer ummünzen!
Im Umkehrschluss: Gäbe es keine Zeitstrafen im Eishockey, wären die Starbulls jetzt im Halbfinale. Schon gegen Essen waren sie dem Gegner bei nummerischem Gleichstand haushoch überlegen gewesen (9:3 Tore), gegen die Scorpions (Gesamttorverhältnis übrigens 18:16 für Rosenheim) lautete die Bilanz dabei 12:7. Die Hannoveraner gewannen also durch ihr Powerplay (7:5) und einen Shorthander (entscheidend für den ersten Sieg), während es bei den Empty-net-Goals unentschieden 1:1 stand.
Ohne Witala-Tor
kein Sieg
Genau wie im Vorjahr endete die letzte Partie übrigens 2:1 für die Scorpions, wobei sie diesmal nicht auf ein „technisches Tor“ angewiesen waren. Die Unsitte, bei knapper Führung kurz vor Schluss bei Unterbrechungen die Uhr oft einige Sekunden weiterlaufen zu lassen, die schon im Vorjahr unliebsam aufgefallen war, dürfte wohl auch diesmal keine Folgen haben.
Überspitzt ausgedrückt könnte man sagen: Ohne Witala-Tor kein Sieg. Fünf der acht Play-off-Begegnungen gegen die Nord-Kontrahenten haben die Starbulls gewonnen, an allen war Chase Witala mit Toren beteiligt. Alle drei Begegnungen, in denen die Scorpions ihn neutralisieren konnten, gingen verloren. Trotzdem war auch die Witala/Baindl/ Höller-Reihe wieder maßgeblich an der Offensive beteiligt, Höller mit vier Toren und einem Assist, Witala mit zwei plus zwei und Kapitän Baindl mit fünf Vorlagen. Verbessert zeigte sich der Bilek/Daxlberger/Frosch- Sturm, der gegen Essen völlig wirkungslos blieb, im Viertelfinale aber acht Scorerpunkte beisteuerte. Im Aufwind aber waren Robin Slanina mit drei Treffer und besonders Michael Fröhlich (zwei plus fünf) und Verteidiger Max Vollmayer (drei plus vier), die Rosenheimer Scorerkönige der Scorpions-Serie.
Leider stand Vollmayer an der blauen Linie eher allein auf weiter Flur, da Manuel Neumann nicht so dominant auftrat wie gegen Essen und Tobias Draxinger nur selten an seine Leistungen vor seiner Operation anknüpfen konnte. Die Ausfälle von Matthias Bergmann und Niko Meier schmerzten da schon gewaltig. Bergmann hatte in der Süd-Meisterrunde immerhin die meisten Rosenheimer Verteidiger-Tore geschossen (fünf) und Meier hätte gegen die bulligen Hannoveraner Angreifer wie Bombis, Wilkins oder Blank wohl allein schon körperlich mehr dagegenhalten können als sein Vertreter Simon Heidenreich.
Schmerzhaft war natürlich auch das Fehlen von Fabian Zick (gerade in Unterzahl) und Enrico Henriquez im Angriff, sodass die Starbulls gegen Hannover nie mit vier Reihen agieren konnten. Bei den Scorpions fehlte zwar Top-Verteidiger Dennis Schütt, ansonsten konnten sie (bis auf Marius Garten im ersten Spiel) komplett antreten.
So bleibt den Starbulls Rosenheim wohl nur, dem „Same-procedure…“-Zitat ein anderes, dem Sport näheres entgegenzusetzen, nämlich eins von Sepp Herberger: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. In diesem Zusammenhang allerdings: Nach der Saison ist vor der Saison…