Schwerer Abschied für neue Ziele

von Redaktion

Eine überraschende Personalie hat es an der Spitze im deutschen Biathlon gegeben: Der Siegsdorfer Bernd Eisenbichler hat den Posten des Sportlichen Leiters übernommen.

Siegsdorf – 16 Jahre lang hatte diese Position beim Deutschen Ski-Verband (DSV) Björn Weisheit bekleidet. „Wir haben darüber in der Vergangenheit immer wieder gesprochen, im Laufe des vergangenen Jahres wurde es konkreter“, sagt Eisenbichler.

Der 43-Jährige war zuletzt über 20 Jahre im US-Biathlon tätig und zuletzt „Chief of Sport“ bei den Amerikanern. Eisenbichler hatte für das Frühjahr in diesem Jahr eine Ausstiegsklausel in seinem Vertrag und hat die Chance genutzt, beim DSV einzusteigen. „Wir haben das alles sehr professionell abgewickelt. Ich bin mir sicher, dass Biathlon in den USA auch in Zukunft gut aufgestellt und erfolgreich sein wird.“ Nachfolger des in Frasdorf lebenden Eisenbichlers wird Lowell Bailey. Er sollte nach dem Ende seiner sportlichen Karriere eh einen Posten im Verband übernehmen.

Auf seine Tätigkeit bei den amerikanischen Biathleten blickt Eisenbichler gerne zurück und spricht von einer schönen Zeit. „Nach den Erfolgen bei der Weltmeisterschaft 2017 in Hochfilzen habe ich jedoch bemerkt, dass die Zeit bald kommen würde, etwas Neues zu machen.“ Damals wurde Bailey Weltmeister und Susan Dunklee gewann Silber. Die Entscheidung die Amerikaner zu verlassen, ist ihm nicht leicht gefallen. Über Jahre hinweg hat er sein Betreuerteam komplett alleine zusammengestellt. Viele davon stammen aus dem Chiemgau. „Sie kommen insgesamt aus acht Nationen und sind absolute Experten in ihrem Bereich und super Typen. Die meisten sind zu guten Freunden geworden und wir hatten eine fantastische Atmosphäre. Es war sehr schwer, ihnen meine Entscheidung mitzuteilen, aber sie konnten es am Ende alle nachvollziehen.“

Noch im vergangenen Jahr hatte er den dreimaligen Olympiasieger Michael Greis als Trainer zu den US-Biathleten geholt. „Er hat meine Entscheidung verstanden“, sagt Eisenbichler, und fügt hinzu: „Ich habe dem US-Verband zugesichert, dass ich keinen der aktuellen Betreuer abwerben werde. Was nach 2022 passiert, wird man sehen.“

Jetzt konzentriert sich der 43-Jährige auf seine spannende neue Aufgabe. Als Sportlicher Leiter ist er für den kompletten Bereich im Biathlon des DSV verantwortlich. Heißt unter anderem: Struktur, Personal, Budget und alle DSV-Teams. Er wird seine eigene Linie durchziehen. „Im ersten Jahr werde ich vor allem sehr nah an allen Mannschaften mit Athleten und Betreuern sein, um mir ein gutes Bild zu machen. Ich will sehen, wo Verbesserungen kurz- und langfristig notwendig sind. Dazu habe ich in den ersten zwei Wochen schon viele Einzelgespräche geführt.“ Mit den Trainern und Sportlern der Nationalmannschaft will er sich regelmäßig austauschen und die Planung besprechen, was für dieses und das kommende Jahr sowie die Zukunft notwendig ist. „Den Athleten wollen wir die Rahmenbedingungen geben, die sie brauchen, um erfolgreich zu sein.“

Generationswechsel

bereits im Blick

Den erwarteten Generationenwechsel, vor allem nach den Olympischen Spielen 2022 in Peking, hat er bereits im Auge. Die Ergebnisse der sogenannten zweiten Reihe bei den Herren im Weltcup und im IBU-Cup beschreibt er als vielversprechend. „Die jüngeren Sportler haben sich schon gut bis sehr gut präsentiert. Wir werden in Zukunft darauf achten, den jungen Athleten frühzeitig die Chance auf internationale Wettkämpfe zu geben und alles etwas perspektivischer angehen, ohne das Leistungsprinzip auszuhebeln. Wichtig ist aber, alle verschiedenen Teams nicht zu groß aufzustellen, um ein optimales Coaching zu gewährleisten. Damit schaffen wir den Teams Ressourcen und Rahmenbedingungen, die es ermöglichen, sich so gut als möglich zu entwickeln.“

Keine Änderungen plant Bernd Eisenbichler im Bereich der Trainer, zumindest in der kommenden Saison. „Erst nach der Saison 2019/20 werde ich analysieren, wo möglicherweise Verbesserungen oder Veränderungen notwendig sind. In den kommenden Wochen hat für mich die Besetzung des Nachwuchs-Cheftrainers Priorität. Der ist derzeit nicht besetzt. Da heißt es, die richtige Person für dieses Aufgabenfeld zu finden.“

Insgesamt steht Eisenbichler vor einer spannenden Aufgabe. „Die Erfolge der vergangenen Jahre im Spitzenbereich sind absolut beeindruckend. Unser gemeinsames Ziel muss es sein, dieses konstant hohe Niveau zu halten. Im Hochleistungssport gibt es aber immer Potenzial zur Verbesserung. Das werde ich in den kommenden Wochen und Monaten genau analysieren, um uns für die Zukunft erfolgreich aufzustellen.“shu

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