Grubauers Karriere „eingesammelt“

von Redaktion

Als Florian Necas den Schlüssel umgedreht und die Tür geöffnet hatte, packt einen ein Gefühl wie Weihnachten. Zumindest für Freunde des Eishockeys und speziell der Rosenheimer Eishockey-Geschichte ist das Hobbyzimmer des 40-Jährigen eine Schatzkammer.

Wenn ein begehbarer Kleiderschrank für viele Frauen ein Traum sein dürfte, so finden Eishockey-Begeisterte mit Rosenheim-Bezug bei Necas ihr Nonplusultra. Fein säuberlich hängt eine Unmenge an Trikots auf Kleiderbügeln an Kleiderstangen. Und der Betrachter kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. „Es sind jetzt genau 924 Trikots“, erzählt Necas. Aber nicht irgendwelche: Der Rosenheimer, der jetzt im Chiemgau lebt, hat vor allem Game-worn-Dressen, also original im Spiel getragene Trikots.

Die meisten von Philipp Grubauer. Dem gebürtigen Rosenheimer Torhüter, nur einer von vier deutschen Stanley-Cup-Siegern, hat Necas einen eigenen „Schrein“ in der Zimmermitte gewidmet. Dort stehen Schläger, Schoner, Handschuhe und eine Torwartmaske von Grubauer, flankiert von Trikots seines ehemaligen Clubs Washington Capitals. Prunkstück der Sammlung: Das Trikot, mit dem Grubauer den Stanley-Cup, die begehrteste Eishockey-Trophäe der Welt, im vergangenen Jahr in die Höhe gestemmt hat. „Ich habe drei der vier Final-Trikots, unter anderem eben jenes aus Spiel fünf“, sagt Necas stolz. Da taucht dann schon mal die Frage auf, warum das Kleidungsstück nicht in Grubauers Besitz ist? Der 40-Jährige klärt auf: „Die Washington Capitals haben einen Trikotvermarkter, der bekommt nach der Saison alle getragenen Trikots wieder zurück.“ Und dort hat der Sammler dann zugeschlagen.

Zweifelsohne besitzt Necas die größte Grubauer-Sammlung der Welt. „Insgesamt sind es jetzt 61 Trikots“, sagt er. Darunter sind auch einige ganz besondere Schätze. Necas zählt auf: „Ein Trikot von den Belleville Bulls, seiner ersten Station in Nordamerika. Viele aus der AHL von den Hershey Bears, die jede Menge Sondertrikots gemacht haben. So beispielsweise zu Weihnachten, dem Murmeltier-Tag, dem Valentinstag oder St.-Patrick‘s-Day – die sind alle nur einmal getragen worden.“ Ein Teil der Sammlung war vergangenen Sommer in Rosenheim zu sehen, als beim Empfang von Philipp Grubauer rund um die Bühne jede Menge Trikots aus „Grubis“ Nordamerika-Zeit aufgebaut waren – alle von Necas zur Verfügung gestellt. „Ich weiß nicht, ob der Philipp das an diesem Tag überhaupt so mitbekommen hat.“

Angefangen hatte alles übrigens mit einem anderen Rosenheimer Torhüter: „Karl Friesen war mein Idol. In der Saison 1987/88 habe ich in Rosenheim meine ersten Eishockeyspiele gesehen und habe damals von meinem Vater ein Friesen-Fantrikot bekommen.“ Im Laufe der Zeit wurden es dann immer mehr Rosenheim-Dressen, ehe sich die Leidenschaft ausbreitete. Necas erzählt: „Über Nationalmannschafts- und NHL-Trikots bis hin zu DEL-Trikots von ehemaligen Rosenheimern. Aus Platzgründen musste ich mich dann auf etwas fokussieren. Deshalb muss jetzt jedes Trikot irgendwie einen Rosenheim-Bezug haben.“

Dieser Begriff ist aber eher weitläufig, denn dazu gehören auch die vielen ehemaligen Rosenheimer Spieler, die in Nordamerika vor und nach der Zeit an der Mangfall tätig waren. Ein NHL-Trikot von Doug Weight? Klar. Eines von Jim Hiller? Kein Thema. Ein Dress von Jeff Boettger aus der ECHL von den Chesapeake Icebreakers? Fast unglaublich, aber Necas hat es. Eines von Ron Fischer von den Rochester Americans aus seiner Zeit, bevor er nach Deutschland kam? Necas braucht nicht zu überlegen, schiebt ein paar Trikots zur Seite und greift zu. Respekt! Ein persönliches Highlight ist für ihn ein Trikot von Gord Sherven, das dieser 1988 für Team Canada vor den Olympischen Spielen in Calgary getragen hat.

Der Sammler ist stolz auf sein großes Netzwerk, das er mittlerweile gebildet hat. „Das ist eigentlich die meiste Arbeit.“ Aber es lohnt sich: Erst kürzlich hat er ein College-Trikot von Corey Quirk von einem ukrainischen Sammler erworben, aus Kanada hat er über Kontakte – unter anderem dem ehemaligen Rosenheimer Nachwuchsgoalie Florian Führer – die Starbulls-Torwartmaske, Schoner und Handschuhset von Norm Maracle „heimgeholt“.

Ein aktuelles Grubauer-Trikot von den Colorado Avalanche hängt noch nicht in der Eishockey-Schatzkammer. „Zwei habe ich mir schon gesichert, die sind aber noch in Nordamerika.“ Wenn er die Spiele aus der NHL schaut, sitzt er übrigens nicht im Trikot auf der Couch: „Ich habe den Spleen, dass ich die nicht anziehe.“ Necas ist stolz auf seine Sammlung, aber auch bescheiden: „Bis zur Stanley-Cup-Präsentation habe ich das eigentlich komplett unter Verschluss gehalten.“ Die Eishockey-Schatzkammer soll auch nur für bestimmte Gäste geöffnet werden, einer aber dürfte jederzeit kommen: „Es ist das Highlight für einen Sammler, wenn der Spieler zu dir kommt und sich alles anschaut.“ Ein Besuch von Philipp Grubauer im Chiemgau wäre also der ultimative Ritterschlag für Necas.

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Florian Necas dürfte wohl die größte Sammlung an originalen Rosenheimer Eishockey-Trikots besitzen. „Das Älteste ist von Schorsch Franz aus der Saison 1983/84. Aus dem Meisterjahr 1985 habe ich bislang vier.“ Hingegen ist die Zeit davor noch Neuland für ihn, der nicht nur Trikots, sondern auch Schläger, Stadionzeitungen oder Krüge von anno dazumal sammelt. „Vom EVR habe ich noch gar nichts. Ich glaube, dass noch viel in irgendwelchen Kellern liegt.“ Und er hofft, dass sich von dort noch Zuwachs für die Sammlung ergibt. Necas ist per Mail unter diegruenewand@gmail.com erreichbar.tn

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