Als Dirk Nowitzki in Rosenheim spielte

von Redaktion

Drei Sportbund-Basketballer erinnern sich an ihre Zeit mit dem NBA-Star

Drei Rosenheimer Basketballer, die mit und gegen den deutschen NBA-Superstar Dirk Nowitzki gespielt haben (von links): Christian März, Lalo Balduzzi und Andreas Aigner.

Rosenheim/Würzburg/Dallas – „Wenn man gesehen hat, wie viele Menschen, die Dirk Nowitzki gar nicht kennen, ihn verehren, wenn alle Basketball-Fans im Madison Square Garden aufstehen, der gegnerische Trainer das Mikrofon nimmt und Dirks Leistungen würdigt, dann ist das Gänsehaut pur. Welcher Sportler hat das schon geschafft? Das ist beeindruckend – das ist ganz großer Sport.“ In ihrer Beurteilung über die Karriere von Deutschlands Basketball-Superstar Dirk Nowitzki waren sich die Rosenheimer Basketballer Christian März, Lalo Balduzzi und Andreas Aigner einig. Das Besondere an den drei ehemaligen SBR-Spielern der Jahrgänge 1973 und 1974: Sie haben zwischen 1995 und 1998 entweder mit oder gegen den jungen Dirk Nowitzki gespielt.

In einer Gesprächsrunde in der Redaktion der OVB-Heimatzeitungen erinnerten sich März, der drei Jahre mit Nowitzki bei der DJK Würzburg in einem Team stand und mit ihm in die 1. Bundesliga aufstieg, Balduzzi und Aigner an alte Zeiten und Geschichten. Einig waren sich die drei Rosenheimer, die sich seit Kindesbeinen kennen und immer noch zusammen Basketball spielen – im August sogar bei der Senioren-Weltmeisterschaft – in der Beurteilung der Person Nowitzki: „Er war schon immer ein Ausnahmesportler und er ist dabei so bodenständig geblieben wie er als Jungspund in Würzburg war, als er mit 15 Jahren in unser Zweitliga-Team kam“, erinnert sich Christian März, der heute wie Balduzzi und Aigner Lehrer ist.

Ein Aufbauspieler

mit 2,13 Metern

In Erinnerung blieben vor allem Lalo Balduzzi und Andreas Aigner die Spiele in der Regionalliga gegen Würzburg II in der Saison 1995/96. Da hat der gerade einmal 17-jährige Dirk Nowitzki beide Spiele gegen Rosenheim absolviert.

Hat Nowitzki euch in der Luitpoldhalle im Alleingang erledigt oder was war das Besondere an ihm?

Andreas Aigner und Lalo Balduzzi: „Die Sensation war definitiv, dass da einer kommt und mit 2,13 Metern Aufbau spielt, die Bälle verteilt, von Außen schießt und trifft. Da war das Verteidigen natürlich unheimlich schwer. Schon damals war zu erkennen, dass er immer gewusst hat, was die Mannschaft braucht. Er hat keine 40 Punkte gemacht aber total mannschaftsdienlich gespielt. Er wollte sich nicht in den Mittelpunkt stellen.“

„Dirk hat uns definitiv stärker gemacht“

Das weiß auch Christian März, sein ehemaliger Mitspieler, bevor Dirk Nowitzki 1998 nach Dallas ging: „Er ist als 15-Jähriger zur ersten Mannschaft von Würzburg dazu gestoßen und es war von Anfang an sonnenklar, dass er ein Riesentalent ist. In den folgenden Jahren sind wir mit ihm immer stärker geworden und haben 1998 den Aufstieg in die 1. Bundesliga geschafft. Dirk hat uns definitiv stärker gemacht, weil er so variabel war, sehr viel geworfen hat, auf dem Flügel unterwegs und trotz seiner 2,13 Meter so beweglich war. Deshalb war er so schwer aufzuhalten.“

Was haben Sie sonst noch mit Dirk Nowitzki erlebt? Haben Sie auch mal gegen ihn gespielt?

Christian März lacht: „Nur auf der Play-Station oder beim Squash und Badminton. Beim Squash habe ich sogar auch mal gewonnen.“

Da haben Sie in Wasserburg gespielt, dann ging es in den Stechl-Keller.

Stimmt. Da musste ich ihn immer überreden mitzukommen. Früher ist er mit seinem alten Golf gekommen und dann mit einem Audi. Ich habe ihm gesagt, er könne ja beim nach Hause fahren ein bisschen mehr Gas geben. Seine Antwort: ‚Märzl, weißt du überhaupt wieviel Benzin der braucht?‘ Da hat er schon in der NBA gespielt, aber das war Dirk pur. Im Stechl-Keller ist er fast nie aufgestanden, weil dann auch der Letzte gemerkt hätte, wer er ist. Plötzlich kommt ein Mann auf ihn zu und fragt: ,Ja san sie der Nowitzki? Ich bin übrigens bayerischer Meister im Weißwurschtkochen geworden. Ich würde ihnen gerne Weißwürscht nach Dallas schicken‘. Dirk war da schon immer sehr routiniert im Umgang mit solchen Situationen. Da haben sich dann zwei absolute Meister ihres Fachs auf Augenhöhe unterhalten. Ein unvergessliches Gespräch, das einfach alles über seine Bodenständigkeit aussagte.

Trafen oder treffen Sie sich regelmäßig?

Dirk war zum Beispiel bei meinem Junggesellenabschied in Würzburg dabei. Das war ein super Abend. Ich als Bräutigam hatte die Aufgabe, 99 Telefonnummern auf der langen Unterhose von Dirks Vater einzusammeln, und irgendwann habe ich gesagt: Wenn ihr ein Autogramm von Dirk wollt, dann müsst ihr auch gleichzeitig auf der Unterhose unterschreiben – innerhalb von einer halben Stunde war das Teil durch.

Und wie war das mit der Kneipentour durch Würzburg?

Dirks Mitspieler und bester Freund Steve Nash hat ihn in Würzburg angerufen. Er sei gerade in London und hat von den Würzburger Kneipentouren gehört. Da wollte er schon immer mal dabei sein und würde jetzt von London kommen und dann könnten wir am Abend weggehen. Dann sind wir tatsächlich auf eine Kneipentour gegangen. Im Eulenspiegel gibt es traditionell eine Altbierbowle. Nash hat nur zu mir gesagt: Was immer du hast, bestelle es bitte zweimal. Wir waren dann die ganze Nacht unterwegs und besuchten zum Abschluss eine Mediziner-WG-Party. Wir haben gefragt ob es o.k. wäre, wenn wir noch mit zwei NBA-Spielern vorbeischauen. Um halb drei angekommen, hat Nash sofort das DJ-Pult übernommen. Da haben alle ganz ungläubig geschaut. Als wir um 6.30 Uhr gegangen sind, haben Dirk und Steve auf der Tapete mit einem Edding ihre Unterschriften hinterlassen. Ein paar Stunden später standen wir in der Halle und haben Drei gegen Drei Basketball gespielt und ich stand mit den beiden Profis in einem Team – unvergesslich. Lalo Balduzzi dazu: „Diese Party hat sich übrigens bis nach Augsburg, wo ich studiert habe, herumgesprochen.“

Zum Abschluss der Gesprächsrunde erzählte Christian März noch wie Nowitzkis Mentor Holger Geschwindner seinen Zögling auf den richtigen Weg führte, ihm Werte mitgab, die wichtig sind: „Als Profisportler wirst du nie die Person, die du im normalen Leben wirst, und das hat Holger bei Dirk frühzeitig erkannt. Er hat zu ihm gesagt: Du lernst ein bisschen Saxofon und Gitarre, ich gebe dir drei Bücher, drei Klassiker und in drei Monaten sagst du mir, was da drin steht und da gab es noch kein Google, wo du nachschauen konntest.“

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