„Brutal, was wir da geschafft haben“

von Redaktion

INTERVIEW Wasserburgs Aufstiegscoach Leonhard Haas über sein Team und die Zukunft

Wasserburg – Einmal hat es nicht geklappt: In Traunstein mussten sich die Landesliga-Fußballer des TSV Wasserburg mit einem 1:1 begnügen und die Aufstiegsfeier vertagen. Am vergangenen Freitag war es aber soweit: Der 1:0-Sieg über den SB Rosenheim ließ die Löwen jubeln. Der Meistermacher: Leo Haas. Der 37-Jährige hatte beim SV Ramerberg seine ersten Jahre, spielte dann in der Jugend für 1860 Rosenheim, 1860 München und den FC Bayern und bestritt als Profi über 200 Spiele für die Bayern-Amateure, HSV-Amateure, den FC Augsburg, Greuther Fürth, Ingolstadt 04 und Hansa Rostock. Im exklusiven Gespräch mit der OVB-Sportredaktion lässt Haas die Saison Revue passieren und blickt auch schon ein bisschen auf die neue Spielzeit voraus.

Gratulation zum Titel und zum Aufstieg. Wie waren die Feierlichkeiten?

(lacht) Lange, es war cool. Wir waren mit der Mannschaft nach dem Spiel natürlich noch lange im Vereinsheim, sind danach noch in die Stadt und haben im Stechl-Keller gefeiert.

Haben Sie schon realisiert, was passiert ist?

Tatsächlich habe ich mir noch gar nicht so viele Gedanken gemacht. Aber es ist schon brutal, was wir da in den letzten Jahren geschafft haben.

Der letzte Schritt zum Titel war schon in Traunstein möglich, da gab es ein 1:1. Gegen den SBR fiel das Siegtor in der 90. Minute. Die beiden Derbys waren noch einmal ein hartes Stück Arbeit.

Absolut. Es war schwierig, gegen diese beide Mannschaften zu spielen. Aber das wussten wir schon im Vorfeld. Die Spiele sind alle nicht so einfach, das habe ich schon im Winter gesagt. Du darfst nicht stolpern, was passiert, wenn Deisenhofen einen Lauf hat? Ich bin froh, dass wir das jetzt so früh geschafft haben.

Was ist denn das große Erfolgsgeheimnis?

Da kommt mehr zusammen. Die Konstellation innerhalb der Mannschaft ist super, die Jungs haben einen super Charakter, wollen sich sportlich immer weiter entwickeln. Das ist das Wichtigste. Es geht nicht nur über den Zusammenhalt, du brauchst schon auch die Qualität und den Willen der Spieler, sich weiter zu entwickeln.

Wie schätzen Sie die Entwicklung der Mannschaft ein?

Wir haben uns stetig weiter verbessert. Dass auch mal zwischendrin ein Spiel dabei ist, wo es nicht so läuft, ist auch klar. Aber die Entwicklung ist super positiv gewesen. Die Jungs wollten immer.

Im Sommer haben sie verstärkt jüngere Spieler geholt. Die waren relativ schnell in der Mannschaft und im Spielsystem integriert. Wie geht das?

Das war tatsächlich erstaunlich schnell. Anfangs haben wir aber auch noch nicht so gespielt wie jetzt am Schluss der Saison. Ich nehme als Beispiel Robin Ungerath: Der hat ein paar Spiele in der Kreisliga gemacht, war dann noch ein halbes Jahr im Ausland und hat gar nicht gespielt. Es war nicht abzusehen, dass er sich so entwickelt. Gerade bei ihm war das extrem, es waren aber auch Spieler im Team, die haben schon in der A- oder Kreisklasse gespielt und man hatte immer den Eindruck, die können das spielen. Es gehört ein Quäntchen Glück dazu, aber auch das Grundvertrauen in die Mannschaft.

Ab wann haben Sie gedacht: Okay, das könnte hinhauen…

Es war nie geplant. Wir hatten im Winter den Eindruck, dass wir da auch bis zum Schluss vorne dabeisein könnten. Wir wollten aber immer von Spiel zu Spiel schauen. Dass wir dann seit der Winterpause bislang nur ein Spiel verloren haben, hat sich so ergeben.

Wie konnten Sie in der Winterpause vermitteln, dass nicht vom Titel gesprochen wird, sondern Konzentration und Erfolgshunger hochgehalten werden?

Wir mussten alle schon viel machen. Wir haben geschaut, dass wir spielerisch nach vorne kommen. Die Jungs haben da super mitgezogen. Wir sind nicht gelaufen, sondern haben genau das Gegenteil gemacht, extra viel mit dem Ball trainiert. Das hat die Entwicklung beschleunigt.

Sie haben als Profi viel erlebt. Wie hoch schätzen Sie nun den Bayernliga-Aufstieg als Trainer mit dem TSV Wasserburg ein?

Sehr hoch. Für mich unterscheidet sich das nicht so viel von den Erfolgen im Profisport. Wenn ich zurückdenke, dann habe ich den Bezirksliga-Aufstieg mit Wasserburg genauso gefeiert wie den Zweitliga-Aufstieg damals als Spieler des FC Augsburg.

Wie weit kann die Erfolgsgeschichte mit Wasserburg noch gehen?

Wenn man realistisch ist, dann ist die Bayernliga die absolute Obergrenze. Wir waren in der Landesliga vom Budget und der Infrastruktur her nicht vorne, und sind das in der Bayernliga erst recht nicht. Wir müssen da noch viel arbeiten und aufholen, gerade was Trainingsplätze und vieles mehr betrifft. Wir haben großartige Sponsoren, brauchen aber auch da noch mehr Unterstützung.

Wie weit sind die Planungen für die Bayernliga denn schon im Gange?

Ich führe derzeit viele Gespräche abseits des Platzes. Die Mannschaft bleibt zum Großteil so bestehen, nun gilt es aber, gute Spieler von der Qualität und vom Charakter her zu bekommen. Wir spielen jetzt auch im BFV-Pokal mit, haben also mehr Pflichtspiele, die vom Niveau sicherlich auch noch intensiver sind. Wir schauen, dass wir für die nächste Saison eine schlagkräftige Truppe haben.

Nun sind es noch zwei Spieltage in der Landesliga – Vorfreude oder schauen, dass es endlich in die Pause geht?

Nein, wir freuen uns schon noch auf die beiden Spiele. Wir wollen die Saison schon ordentlich zu Ende spielen. Für den ein oder anderen Spieler, der bislang etwas seltener zum Einsatz kommt, werden diese Spiele wichtig. Am letzten Spieltag wird es zum Heimspiel gegen Grünwald sicherlich noch einmal eine coole Feier geben. Dann heißt es für einige Tage abschalten, denn die Vorbereitung wird schon wieder früh losgehen.Interview: Neumeier

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