Rosenheim – Seit dem Saisonende der Eishockey-Oberliga hat sich die Vorstandschaft der Starbulls Rosenheim bewusst etwas Zeit genommen, um die abgelaufene Saison 2018/2019 zu besprechen, zu bewerten und um den allgemeinen Kurs für die nächsten zwei bis drei Jahre zu bestimmen. „Mit diesem Resümee und Update wollen wir die wichtigsten Fragen dazu beantworten“, sagt der Erste Vorstand Marcus Thaller zu einer sehr ausführlichen Pressemitteilung.
„Vorstand, Trainer – alle raus“
Angetreten sind die Starbulls in der Saison 2018/2019 „auf dem Papier“ mit einem der stärksten Kader der Oberliga und dem Ziel, in die zweite deutsche Eishockeyliga aufzusteigen. „Geendet hat die Saison mit einem komplett enttäuschenden 5. Platz in der Meisterrunde, dem ebenso erneuten wie enttäuschenden Play-off-Viertelfinal-Aus gegen Hannover und dem Aufstieg des Erzrivalen Landshut, der nebenbei noch ein komplett saniertes Eisstadion bekommen wird“, erklärt Thaller, der zusammen mit seinen Vorstandskollegen den gesamten Saisonverlauf intensiv aufgearbeitet hat. „Nach außen sind die vermeintlich Schuldigen natürlich schnell ausgemacht. Vorstand, Trainer – alle raus. Schnellstmöglich, inklusive Stadionverbot. Doch so einfach können und wollen wir es uns nicht machen“, gibt sich Thaller kämpferisch.
Kaderetat auf das Niveau von 2017/2018
Die gute Nachricht vorweg: Es wird auch nächstes Jahr an der Mangfall Eishockey gespielt. Die schlechte: Die Starbulls Rosenheim werden das für mindestens ein weiteres Jahr in der Oberliga Süd tun müssen und „es wird auch keine Hundert-Punkte-Spieler-Verpflichtungen geben“. Mit dieser Aussage von Thaller wird klar, dass es bei den Starbulls keine spektakulären Neuverpflichtungen geben wird. „Für die Saison 2019/2020 erwarten wir mit Riessersee, Deggendorf, Regensburg, Hannover Scorpions und dem ein oder anderen Überraschungskandidaten ein sehr breites und enges Feld potenzieller Aufsteiger, die vor hohen Investitionssummen in Kaderetats nicht zurückschrecken werden“, erklärt der Dritte Vorstand Christian Hötzendorfer. „Zwar sind die Starbulls Rosenheim wirtschaftlich so aufgestellt, dass man einen sportlichen Aufstieg auch wahrnehmen kann und wird, allerdings sehen wir vor dem Hintergrund dieses Wettbewerbs den Verein mit einem Kaderetat in Höhe der ersten Oberligasaison 2017/2018 als richtig aufgestellt. Darüber hinaus würde es uns nicht wundern, wenn unter der Last der Investitionen in den kurzfristigen Erfolg sich der ein oder andere Verein in 2019/2020 verheben würde, wofür es bekanntlich genügend prominente Beispiele gibt“, so Hötzendorfer weiter.
Die Vorstände der Starbulls Rosenheim sind nicht erfreut über die Situation, wie sie sich derzeit darstellt und sie können den Frust einiger Zuschauer und Fans durchaus verstehen. „Als Vorstandschaft sind wir aber nicht gewählt, um kollektiv den Kopf in den Sand zu stecken, sondern um auch aus dem kommenden Jahr wieder etwas herauszuholen, erklärte Hötzendorfer. Es sei einfach utopisch, ernsthaft zu glauben, dass große Unternehmen, Investoren oder Städte Geld für einen Sportverein geben, ohne dass dieser einen klaren sportlichen, wirtschaftlichen und organisatorischen Plan hat. „Die Zeit, in der Unternehmen ihre Werbetafeln im Stadion aufgehängt haben und alle Jahre am Ende der Saison per Händedruck mit einem freundlichen Dankeschön und einem gerahmten Mannschaftsfoto versehen wurden, sind lange vorbei“, schreiben die Rosenheimer in ihrer Pressemitteilung.
Dieser Umstand ist spätestens Gewissheit, seit bei praktisch allen Vereinen in DEL, DEL2 und den Oberligavereinen mit Aufstiegsambitionen die Zuschauereinnahmen von den Sponsorenetats deutlich übertroffen werden. „Rosenheim stellt da keine Ausnahme dar und wir wollen und müssen dieser Tatsache Rechnung tragen“, sagt Marcus Thaller.
Die Arbeit als Vereinsvorstand, wenn man sie richtig machen will, sei oft unglamourös, kleinteilig und selten attraktiv, „da oft genug sehr unpopuläre Entscheidungen zu treffen sind, die nebenbei bemerkt auch uns schwerfallen“, erklärte Thaller.
Viele Aufgaben rund um das Stadion
Im Falle des Starbulls Rosenheim e.V. als Gesamtverein kommt dabei im Vergleich zu vielen anderen Wettbewerbern noch ein weiterer Aspekt hinzu: das Ausmaß seiner Hausaufgaben. Dazu gehört unter anderem die Ertüchtigung des Eisstadions Rosenheim unter zeitgleicher Fortentwicklung des allgemeinen Stadionkomforts, um mit dem umliegenden Freizeitangebot Schritt halten zu können. Hier möchte und wird der Verein auch einen Beitrag leisten, um weiterhin dem Rofa-Stadion die Fähigkeit zu erhalten in der höchstmöglichen Eishockeyliga zu spielen.
„Es wäre fahrlässig, mit all den Belangen eines Stadions erst dann zu beginnen, wenn der Fall der Fälle bereits eingetreten ist“, so die Starbulls-Vorstandschaft in der Pressemitteilung.
Außerdem soll das allgemeine Angebot für Zuschauer und Fans weiterentwickelt werden. Dazu gehören Dinge wie Kioske, Geschäftsstelle und auch der Fantreff. Allerdings sind die Entwicklungsmöglichkeiten aufgrund der allgemeinen Standortüberlegungen der zweiten Eisfläche und des Brandschutzes sehr begrenzt.
Die Investitionssummen in den Nachwuchsbereich sollen deutlich erhöht werden. „Der Nachwuchs ist und bleibt Rosenheims Aushängeschild“, sagt Vorstand Sport Stephan Gottwald.
Ab der Saison 2019/2020 strebt der Verein Betrieb und Ausbau des gastronomischen Angebots an, das seit 1973 nicht mehr in Händen des Vereins gelegen hat und daher für die Starbulls bisher keine Einnahmequelle darstellte, nebst Investitionen in die entsprechende gastronomische Infrastruktur. Ziel ist es, mittelfristig das Angebot im Stadion zu verbessern und für die Zeiten außerhalb der Spieltage ein möglichst breites gastronomisches Angebot zu etablieren.
Ein wichtiger Punkt für die Zukunft ist die Gründung einer Spielbetriebs-GmbH. „Hier prüfen wir entsprechende Konstrukte auf ihre Risikominimierung des wichtigsten Vereinsteils, dem Nachwuchs, innerhalb des Zeitraumes der nächsten beiden Jahre“, erklärt Christian Hötzendorfer.
Sofort in Angriff genommen wird der Ausbau des Multimedia-Angebots im Stadion, sprich Audio-Anlage und Videoleinwand. Zur Steigerung des Besuchskomforts im Stadion und zur besseren Wahrnehmung des Spielbetriebs (zum Beispiel Wiederholungen bei Toren) investiert der Verein Zug um Zug in die multimediale Ausrüstung des Stadions. „Ganz allgemein wollen wir darauf hinweisen, dass wir solche Themen absolut zur Gänze aus sach- und aufwandsbezogenen und nur zu diesem Zweck erwirtschafteten oder abgestellten Etats erarbeiten. Kein Euro, der in eine Multimedia-Anlage fließen wird, geht dabei zu Lasten des Mannschafts-Etats“, verspricht Marcus Thaller.
Junge und homogene Truppe aufbauen
Was die Fans besonders interessiert: Der Ausbau des Mannschaftskaders unter dem Aspekt eines mehrjährig in Rosenheim spielenden Mannschaftskerns. „Um den herum wollen wir eine junge, homogene Truppe aufbauen, die unsere Ziele auch erreichen wird“, sagt Stephan Gottwald.
Apropos sportlicher Erfolg: „Nach den Erfahrungen und Ergebnissen der beiden vergangenen Oberliga-Saisonen werden wir am Kader, aber auch an der sportlichen Struktur Änderungen vornehmen. Während wir uns in der abgelaufenen Saison finanziell an die berühmte Decke gestreckt haben, um den Aufstieg möglich zu machen, werden wir in der nächsten Spielzeit auf einen Kader vertrauen, der über mehr Perspektive, vor allem im Bereich junger Spieler, verfügt“, sagt Marcus Thaller.
Strukturell werden die Starbulls mit der Einführung des „organisatorischen Leiters Sport“ eine neue Vollzeit-Planstelle schaffen. Neben Stephan Gottwald, der weiterhin ehrenamtlich als Vorstand Sport fungieren wird, sorgt die neue Stelle des organisatorischen Leiters Sport für Entlastung. „Für die Besetzung suchen wir intern wie extern nach Personen, die zu uns passen“, erklärt Christian Hötzendorfer.
Der gesamte Text der Pressemitteilung ist auf der Homepage der Starbulls Rosenheim zu lesen. re