Kolbermoor – Kolbermoors Tischtennis-Damen wollen am Freitag, 18.30 Uhr, im Heimspiel und Sonntag gegen Berlin den deutschen Meistertitel verteidigen. Wie sie das machen wollen, verrät Abteilungsleiter und Trainer Michael Fuchs, der promovierende Sportwissenschaftler und Informatiker.
Das erneute Erreichen der Finalspiele ist sicherlich ein großer Erfolg. Was bedeutet es für Sie als Trainer?
Das Erreichen des Finals ist für uns als Verein ein Erfolg und wir sind sehr glücklich, erneut zu den besten zwei Mannschaften in Deutschland zu gehören.
Wie hoch ist der Stressfaktor?
Alles läuft soweit gut. Es ist der übliche organisatorische Stress, den man hat, da wir ja davor noch nicht wussten, wo wir am Freitag beziehungsweise Sonntag spielen. Das durfte nach dem Halbfinale von der höher platzierten Mannschaft der regulären Saison, also von Berlin, entschieden werden.
Nach zwei Niederlagen in der Meisterschaft treffen Sie mit Ihrer Mannschaft zum dritten Mal auf das Quartett aus der Bundeshauptstadt. Spielen diese Begegnungen noch eine Rolle für Sie?
Nein. Es werden hoffentlich ganz andere Spiele werden, da auch die Vorzeichen, sprich unsere Mannschaftsaufstellung, anders sein wird.
Wo sehen Sie die Stärken des Gegners?
Berlin hat vier europäische Spitzenspielerinnen mit zwei eingespielten Doppeln. Hier wird es für uns nicht einfach, erneut beide Doppel zu gewinnen. Insgesamt ist Berlins Stärke sicher die Breite des Kaders und damit vor allem das hintere Paarkreuz, das auch laut Weltrangliste das stärkste hintere Paarkreuz der Liga ist.
Wie haben sich Ihre Spielerinnen in den vergangenen Tagen auf dieses Ereignis vorbereitet?
Meine Spielerinnen haben sich ganz normal auf das Finale jeweils mit ihrer Trainingsgruppe vorbereitet, das heißt die Routine des Trainingsalltags wurde nicht verändert. Berlin ist sicher der Favorit, jedoch glauben wir an unsere Chancen, wenn alles optimal läuft. Der Druck liegt auf jeden Fall bei Berlin, die nach einer durchwachsenen Saison die letzte Chance auf einen Titel haben.
Sollten Sie den Titel erfolgreich verteidigen können, wann würde die Meisterfeier über die Bühne gehen?
Darüber haben wir uns noch keine Gedanken gemacht. Aber dafür würden wir nach dem Rückspiel in Berlin sicher einen Termin in Kolbermoor finden.
Außer Ihrer Tätigkeiten für den SV DJK Kolbermoor sind Sie auch noch anderweitig aktiv. Zum Beispiel bei der letzten Weltmeisterschaft in Budapest. Welche Aufgaben haben Sie da?
Das ehrenamtliche Komitee besteht aus einer Gruppe von Wissenschaftlern, die einerseits Forschungsprojekte im Bereich Tischtennis plant und realisiert, um den Sport weiterzuentwickeln, und andererseits beratend für andere Organe (zum Beispiel ITTF Equipment Komitee) zur Verfügung steht.
Eine weitere Funktion, die Sie seit 1. März wahrnehmen, ist die des Co-Bundestrainers „Analyse“ beim Deutschen Behindertensportverband.
Die Stelle als Co-Bundestrainer Analyse ist meine Vollzeittätigkeit. Ich bin für die Spielanalyse und Leistungsdiagnostik am A-/B-Kader der Para Nationalmannschaft zuständig. Das beinhaltet unter anderem die trainingswissenschaftliche Betreuung der Mannschaft auf allen Turnieren und Lehrgängen, Durchführung von Videoanalysen, Aufbau einer Datenbank, Erstellung von Gegnerprofilen und die Erarbeitung von individuellen Lösungen bei Technik- beziehungsweise Taktikumstellungen.
Ihr Terminplan, egal ob beruflich oder sportlich dürfte voll sein. Was machen Sie in Ihrer Freizeit beziehungsweise nach einer anstrengenden Tischtennissaison?
Der Terminplan lässt nicht mehr viel zu. In meiner Freizeit (neben meinen ehrenamtlichen Verpflichtungen für den SV DJK Kolbermoor) versuche ich meine Promotion abzuschließen. Ansonsten reise ich relativ viel, doch ist das in den letzten Jahren auch fast immer mit dem Tischtennis verbunden und man hat kaum private Zeit, um auch etwas anderes als die Halle und das Hotel zu sehen.
Interview: Gerhard Erlich