Rosenheim – Knapp, aber doch: Mit einem 1:0-Heimerfolg über die SpVgg Bayreuth haben die Fußballer des TSV 1860 Rosenheim den Direktabstieg aus der Regionalliga Bayern vermieden und können nun in der Relegation den Ligaverbleib klar machen. In diese Relegation gehen die Sechziger nun mit „einer Portion Selbstvertrauen, die wir uns in den letzten Spielen erarbeitet haben“, wie Trainer Thomas Kasparetti sagt. Aus den letzten fünf Spielen holten die Rosenheimer immerhin drei Siege.
Der Erfolg über Bayreuth im Saisonfinale war immens wichtig, weil auch die Konkurrenz nicht schlief. „Jedes Tor konnte entscheidend sein – und das auf drei Plätzen. Wir haben versucht, das weitgehend zu verdrängen, geht aber natürlich nicht“, verschaffte Kasparetti seiner Gefühlswelt nach dem Spiel freien Raum. Letztlich konnte er feststellen: „Wir können unter Stresssituationen performen!“
Die Situation hatte sich für die Sechziger insofern verschärft, dass gleich drei Stammspieler fehlten: Goalgetter Markus Einsieder saß eine Gelbsperre ab, Kapitän Mathias Heiß kam nach einer Oberschenkel-OP auf Krücken daher und Maxi Mayerl zog sich im Abschlusstraining einen Muskelfaserriss zu. Das hieß, dass größere Umstellungen gefragt waren: Wiggerl Räuber übernahm den zentralen Platz in der defensiven Dreierkette, Pius Krätschmer spielte den offensiven Part im Mittelfeld hinter den beiden Spitzen, die Außenbahnen gehörten Robert Köhler und Korbinian Linner, der auf die linke Seite gewechselt war. „Das Team ist füreinander eingestanden“, sah Kasparetti, der zugab, „dass wir ein bisschen basteln mussten“. Köhler sei ins kalte Wasser geworfen worden. „Was der da abgefackelt hat…“, staunte der Trainer, der auch die Leistung von Krätschmer „auf ungewohnter Position“ hervorhob. Und Linner spiele derzeit permanent stark. „Er ist in der schwierigen Situation ein Flaggschiff für uns“, so Kasparetti, der aber das Kollektiv lobte. „Das ist ja genau das: Momentan geht’s nicht darum, ob du ein Spezialist für eine bestimmte Position bist, sondern ob du bereit bist, über die Schmerzgrenze zu gehen.“
Entscheidend ist natürlich auch ein gutes Nervenkostüm. Das war wieder gefordert, weil die Sechziger im ersten Durchgang überlegen waren, aber gute Möglichkeiten nicht nutzen konnten. Die beste Gelegenheit war ein Foulelfmeter, mit dem Räuber an Bayreuths gutem Keeper Alexander Skowronek scheiterte (19.). Nach dem Wechsel kam Bayreuth besser auf und die Sechziger hatten bei Chancen von Schiller, Fenninger und Knezevic Glück. Torwart Mario Stockenreiter war stets auf seinem Posten, einmal war er allerdings geschlagen, da rettete aber Christoph Wallner auf der Linie (56.). „Bayreuth hatte viele Offensivspieler aufgeboten. Das ist dann nicht immer zu verhindern“, meinte Kasparetti.
Aus einem offenen Schlagabtausch wurde dann wieder mehr Sechziger-Überlegenheit. Kampfkraft behielt die Oberhand, weil Linor Shabani, Philipp Maier, Linner und Krätschmer im Mittelfeld wichtige Ballgewinne errangen – und so ergaben sich dann auch Möglichkeiten. Eine davon nutzte Luftetar Mushkolaj technisch stark und abgeschlossenen mit einem trockenen Flachschuss zur Führung. Diese brachten die Sechziger dann über die Runden – und dürfen nun in die Saisonverlängerung, wo zumindest Einsiedler wieder das Team verstärken wird.
TSV 1860 Rosenheim: Stockenreiter, Lenz, Räuber, Wallner, Köhler, Shabani (ab 85. Tobias), Maier, Linner (ab 81. Krueger), Krätschmer, Majdancevic (ab 90. + 1 Eminoglu), Mushkolaj.
Schiedsrichter: Tiedeken (TSV Neusäß).
Zuschauer: 440.
Tor: 1:0 Mushkolaj (74.).
Besonderheit: Räuber scheitert mit Foulelfmeter an Torwart Skowronek (19.).