Traunstein – Die schwedische Biathlon-Nationalmannschaft bleibt weiter in Chiemgauer Hand: Nach dem Ruhpoldinger Wolfgang Pichler wird Johannes Lukas Cheftrainer in Schweden. Der bald 26-Jährige hat seine Wurzeln in Traunstein.
Nach dem Rückzug von Wolfgang Pichler nach der Heim-WM in Östersund wollte der schwedische Verband unbedingt die Philosophie des Ruhpoldingers im Team fortsetzen. Die Wahl fiel auf Johannes Lukas, der seit 2016 als Assistenztrainer bei den Schweden tätig ist. „Ich habe viel vom Wolfgang gelernt“, sagt Lukas, der zuletzt überwiegend für das Laufen zuständig gewesen ist.
Knieverletzung stoppt die eigene Karriere
In erster Linie will er das schwedische Team mit sechs Damen und fünf Herren in kleinen Schritten verbessern. „Das Niveau bei uns ist sehr hoch. Da geht es darum, die Kleinigkeiten zu verbessern“, sagt der neue Cheftrainer. Sein Vater und seine Großeltern stammen aus Traunstein. Große Teile seiner Kindheit hat er deshalb im Chiemgau verbracht. In Ruhpolding hat er das Langlaufen und Skifahren gelernt. Zwei Jahre lang war er selbst Biathlet im Skizug der Bundeswehr und hat dabei auch in der Gruppe von Laura Dahlmeier trainiert. Nach einer Knieverletzung und zwei Operationen war dieses Kapitel allerdings beendet. Danach hat er an der TU München Sportwissenschaften studiert. Zu den Schweden kam er über seinen Vater, der einen guten Draht zu Wolfgang Pichler hatte. Pichler nahm ihn als Praktikant in sein Team und so nahmen die Dinge ihren Lauf.
Nach Traunstein führt ihn der Weg noch immer regelmäßig. „Schließlich gibt es in meinem Lieblingscafé die besten Preiselbeertaschen“, lacht er. Neben seiner Tätigkeit beim Biathlon hat er bis vor einiger Zeit auch die Nachwuchsfußballer von 1860 München sportwissenschaftlich betreut. Für die Seglerin Tina Lutz aus Bergen schreibt er nach wie vor die Trainingspläne.
Sein Hauptaugenmerk gilt aber nun den schwedischen Biathleten. Dabei kann er auf Mattias Nilsson und Johan Hagström als seine Mitstreiter bauen. Als neuer Sportchef wurde Anders Byström verpflichtet. „Er übernimmt Verwaltungsdinge und wir Trainer haben damit mehr Zeit, uns auf die Kernarbeit mit den Sportlern zu konzentrieren.“
Johannes Lukas gilt eher als ruhiger Zeitgenosse im Trainerbereich, ganz im Gegensatz zu dem manchmal impulsiven Pichler und seinem Temperament. „Als junger Trainer habe ich kein Problem mit der Autorität. Ich arbeite professionell, und daher ist das Alter egal“, erklärt er seine Sichtweise. Wichtig seien klare Anweisungen, die Disziplin vorleben und eine gute Kommunikation.
Die Begehrlichkeiten in Schweden sind nach den Erfolgen bei den Olympischen Spielen 2018 und zuletzt bei der Heim-Weltmeisterschaft groß. Biathlon hat sich im Land zu einer sehr populären Sportart entwickelt. „Wir können nicht erwarten, bei jedem Großereignis drei oder vier Medaillen zu gewinnen. Wir müssen schon realistisch sein. Unser Team ist sehr jung und ich bin gespannt, wohin die Reise noch geht“, sagt Lukas. Er und sein Team investieren daher viel: „Wir reisen über 200 Tage im Jahr um den Planeten. Nur mit viel Einsatz kann man viel gewinnen“, formuliert er.
Auch als Cheftrainer künftig an der Strecke
Seinen Platz bei den Wettkämpfen sieht er an den Strecken und nicht am Fernglas am Schießstand. „Dort kann ich die Infos an die Sportler weitergeben. Alleine mit hopphopp ist es nicht getan“, erklärt Lukas. „Ich muss wissen, was da los ist, wie sich die Athleten bewegen. Ich muss im passenden Moment die richtigen Ansagen machen und die Situation richtig einschätzen. Zum Beispiel muss ich die Laufzeit analysieren und ihnen sagen, ob sie dosiert oder Attacke gehen sollen. Das ist gegen Ende eines Wettkampfes entscheidend, ob du zum Beispiel das Podium noch erreichen kannst oder es absichern musst. Das macht für mich den Unterschied zwischen einem guten und sehr guten Trainer aus.“
In dieser Saison hat Johannes Lukas in seinem Team fünf Männer und sechs Frauen. Das Damenteam ist unter anderem mit Hanna Öberg, Mona Brorsson und Linn Persson gut besetzt. Bei den Herren will er bis 2022 einen guten Nachwuchsmann ins A-Team heranführen. „Wir sind ein starkes Team und alle profitieren voneinander.“
Als einen großen Vorteil sieht es Lukas, dass die Amtssprache im Biathlon Deutsch ist. So zum Beispiel im Bereich der Trainer. „Da kann man sich gegenseitig gut austauschen und auch mal helfen.“ Mittlerweile spricht er auch schon ganz gut schwedisch. Seinen Lebensmittelpunkt hat er aber weiter in München. „Das liegt zentral und ist für mich deshalb optimal.“. Und Zeit für einen Abstecher nach Traunstein zu seinen geliebten Preiselbeertaschen bleibt dann schließlich auch noch.shu