„Für mich eine Doppelbelastung“

von Redaktion

Marcus Burghardt fährt die elfte Tour de France: „Da kommt viel mehr Arbeit auf mich zu“

Rosenheim – Eine Tour de France ohne Marcus Burghardt? Nicht vorstellbar. Auch heuer hat der Wahl-Samerberger den Sprung in die Tour-Mannschaft des Raublinger Rennstalls Bora-hansgrohe geschafft. Es ist seine elfte Teilnahme beim berühmtesten Radrennen der Welt. Gemeinsam mit dem Italiener Daniel Oss, dem Slowaken Peter Sagan, den Österreichern Patrick Konrad, Gregor Mühlberger und Lukas Pöstlberger sowie dem deutschen Teamkapitän Emanuel Buchmann und dem deutschen Meister Maximilian Schachmann vertritt der 36-Jährige die Farben des Raublinger Teams bei der Frankreich-Rundfahrt. „Letztes Jahr war es schon ein bisschen schade, dass ich der einzige deutsche Fahrer im Team war. Das ist jetzt besser, auch für den deutschen Radsport“, so Burghardt, der im exklusiven Interview mit der OVB-Sportredaktion über seine Aufgaben, seine Form und seine Favoriten spricht.

Mit welchem Gefühl starten Sie in die Tour de France?

Erst einmal bin ich froh, dass ich wieder mit dabei bin. Wenn du dich so lange darauf vorbereitest und vieles dafür hinten anstellst, dann ist es schön, wenn du von der Mannschaft das Vertrauen bekommst und nominiert wirst. Das ist nicht selbstverständlich, weil wir 28 Rennfahrer in der Mannschaft sind und nur acht zum Tour-Aufgebot gehören.

Wann ist die Entscheidung gefallen?

Man hat schon seinen Langzeitplan, aber letztlich entscheidet es sich dann erst nach der Tour de Suisse oder dem Criterium du Dauphine. Den endgültigen Anruf habe ich erst letzte Woche bekommen.

Heuer ist erstmals Emanuel Buchmann der Teamkapitän. Was ändert sich deshalb für Sie?

Das ist für mich eine Doppelbelastung. Einerseits muss man auf den Flachetappen für Peter Sagan fahren und den in Position bringen. Und wenn es dann ins Gebirge geht, musst du schauen, dass du den Emu ans Rad nimmst und nach vorne in den Berg fährst. Aber wir haben eine sehr erfahrene Mannschaft, von daher sehe ich bezüglich der Doppelbelastung überhaupt keine Gefahr.

Wie sehr können Sie da von Ihrer Tour-Erfahrung profitieren?

Ich denke, dass ich auch deswegen mit dabei bin. Es ist jetzt meine elfte Tour und es gibt nichts, was ich im Radsport-Zirkus noch nicht erlebt habe. Und das ist sehr wertvoll für die Mannschaft.

Welche Zielsetzungen gibt es?

Ganz oben steht, dass wir das Grüne Trikot für den besten Sprinter holen und eine Etappe gewinnen. Und dann wollen wir mit Emanuel in die Top Ten fahren. Wenn er die Form von der Dauphine hat, dann würde ich ihm auch eine Platzierung unter den besten Fünf zutrauen.

Wie wichtig ist es, dass man einen deutschen Fahrer weit nach vorne bringt?

Das wäre wahnsinnig wichtig. Wenn wir wieder mal die ganz große Radsport-Nation werden und Interesse wecken wollen, dann brauchen wir irgendwann wieder einen Fahrer auf dem Podium. Da ist Emanuel jetzt vielleicht noch nicht so weit, aber er ist in Zukunft der Mann dafür in Deutschland – neben Maximilian Schachmann.

Der ist heuer erstmals mit am Start. Was können Sie dem deutschen Meister mitgeben?

Er ist noch sehr jung und in manchen Punkten unerfahren. Aber er wird ganz klar seinen Weg gehen. Er ist sehr talentiert und man wird von ihm noch viel sehen.

Diesmal ist es eine Tour für Bergfahrer. Wie taugt Ihnen die Strecke?

Ich habe gelesen, dass es 10000 Höhenmeter mehr als im letzten Jahr sind. Es ist vom Streckenprofil her die schwerste Tour. Deswegen setzen wir auch auf Buchmann, weil er der beste Kletterer im Team ist. Ich denke aber, dass es eine sehr harte Tour wird.

Bei Ihnen ist die Vorfreude aber dennoch groß.

Ja, denn ich habe mich gut vorbereitet und derzeit eine super Form. Ich habe eine gute Form wie schon lange nicht mehr, das habe ich auch bei der deutschen Meisterschaft gemerkt. Von daher gehe ich mit einem guten Gefühl rein. Vielleicht kann ich auch eine Etappe gewinnen. Ich weiß zwar, dass ich für die Mannschaft arbeiten muss, aber vielleicht gibt es ja eine Überführungsetappe, wo große Gruppen weggehen und ich dann dabei sein kann.

Diese vielen Bergstrecken bedeuten aber auch mehr Stress in den Flachetappen – für die Sprinter gibt es weniger Gelegenheiten, um zu glänzen.

Das stimmt. Auf den Etappen, die flacher und kupierter sind, ist es für uns schwieriger, das Feld zusammenzuhalten, wenn wir einen Sprint fahren wollen. Weil wir auch nur acht Fahrer sind, kommt auf mich viel mehr Arbeit zu. Bei neun Fahrern wie früher konntest du dir die Aufgaben halt ein bisschen aufteilen.

Momentan beherrscht ja das heiße Wetter das Leben. Was ist Ihnen denn lieber: Kälte, oder wenn es prügelheiß ist?

Für mich ist es besser, wenn es warm ist als zu kalt. Weil Kälte richtig wehtun kann. Wenn es warm ist, dann kümmert sich das Personal dann auch richtig gut um uns, macht uns mehr kalte Getränke oder Eis als sonst. Von daher kannst du den Körper dann auch immer wieder gut kühlen.

Wer ist Ihr Favorit?

Froome ist raus, Titelverteidiger Thomas ist trotz seines Sturzes bei der Tour de Suisse dabei. Er ist mit Sicherheit ein Favorit, für mich auch Nibali noch. Interview: Neumeier/Ziegler

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