Ruhpolding – Er kann es nicht lassen: Der Ruhpoldinger Biathlontrainer Wolfgang Pichler hat eine neue Aufgabe. Nur wenige Monate nach seinem Rücktritt als Coach der schwedischen Biathlon-Nationalmannschaft ist der 64-Jährige in das schwedische olympische Komitee gewechselt. „Ich bin dort als ,Talent Development Director‘ vorgesehen“, beschreibt Pichler seine neue Aufgabe. Damit hat er die Gesamtverantwortung für die Talententwicklung im gesamten schwedischen Wintersport. Mittlerweile hat er einen entsprechenden Vertrag unterschrieben.
Ziel ist, für die Olympischen Winterspiele 2026 in Mailand ein schlagkräftiges Team zu bilden – mit der Vorgabe, mindestens 20 Medaillen zu erringen. Sein genauer Aufgabenbereich wird Ende August festgelegt. „Mit dieser Stelle habe ich großen Einfluss und kann die schwedische Struktur im Wintersport beeinflussen“, sagt er. Der Entschluss, die Position anzunehmen, sei ihm leicht gefallen. „Mir war die letzten Monate ziemlich langweilig. Das Rentnerdasein war für mich anstrengend, ich bin in der Früh aufgestanden und habe nicht gewusst, was ich tun soll“, sagt er.
Anfang des Jahres hatte Pichler bekannt gegeben, nach der Heim-Weltmeisterschaft der Schweden in Östersund als Trainer der Nationalmannschaft aufzuhören. Mit seinen Nachfolgern hatte er alles geregelt, nachdem diese vier Jahre lang von ihm ausgebildet worden sind. Darunter auch seinen Co-Trainer Johannes Lukas, der neuer Cheftrainer wurde. „Ich habe danach Angebote aus China und Österreich bekommen. Da wäre ich aber wieder im selben Fahrwasser gelandet. In dieser Zeit gab es aber schon das super Angebot vom schwedischen Olympischen Komitee“, verrät er. Für ihn ist dieser Job eine große Ehre und daher hat er auch nicht lange gezögert, das Angebot anzunehmen. Er gibt aber auch zu, dass ihm die paar Monate Pause ganz gut getan hätten. „Die vergangenen Jahre waren extrem stressig. Vor allem das letzte Jahr ist an die Substanz gegangen. Das kann sich keiner vorstellen.“
2015 ist Wolfgang Pichler nach seinem Abstecher nach Russland zu den schwedischen Biathleten zurückgekehrt. „Ich habe bei null angefangen. Die Erfolge bei Olympia 2018 und der Weltmeisterschaft in diesem Jahr waren gewaltig. Man sagt ja immer, dass man am Höhepunkt aufhören muss. Dann war das wirklich der richtige Zeitpunkt“, ist er sich sicher.
Für die neue Aufgabe habe er jetzt den Kopf frei. „Ich kann im Trainer- und Technikbereich einiges bewegen“, meint er. Außer in seinen Spezialgebieten Biathlon und Langlauf ist Pichler aber auch für andere Wintersportarten verantwortlich. Nordische Kombination, Skispringen, Ski Alpin, Eisschnelllauf, Shorttrack und dem Nationalsport Eishockey. „Das wird reizvoll“, sagt er. In Schweden hat der knorrige Ruhpoldinger mittlerweile Legendenstatus. „Das macht meine neue Aufgabe leichter, mir stehen viele Türen offen“, freut er sich.
Die Tür endgültig zu ist beim Deutschen Skiverband. „Das Thema ist erledigt. 2014 wollte ich Stützpunktleiter in Ruhpolding werden. Daraus ist nichts geworden“, erklärt er – sagt aber auch: „Ich weiß, wo ich herkomme. Darum werde ich zum Beispiel immer den Skiverband Chiemgau unterstützen. Schließlich werde ich im Herzen immer ein Ruhpoldinger bleiben.“shu