Rosenheim – Lukas Jastraunig gehört quasi schon zum Inventar bei den Tennisspielern des TSV 1860 Rosenheim. Der 29-jährige Österreicher erlebt seine 13. Saison bei den Sechzigern. Angefangen hat er in der Bezirksliga, nun steht er mit seinem Team an der Spitze der 2. Bundesliga Süd. Über den bisherigen Saisonverlauf, die aktuelle Mannschaft und seine Aufgabe, die deutlich mehr ist als nur auf dem Platz zu stehen, spricht Jastraunig im exklusiven Interview mit der OVB-Sportredaktion.
Drei Spiele, drei Siege und Spitzenreiter – es läuft!
Es ist echt unglaublich, wie wir das bisher geschafft haben – vor allem mit den personellen Problemen. Pedro Cachin hat sich vor Saisonbeginn verletzt, Matteo Viola war beim Turnier in Kasachstan. Der Sieg gegen Mitfavorit Ludwigshafen war deshalb extrem stark und so nicht zu erwarten.
Was ist denn das Erfolgsgeheimnis?
Wir sind eine sehr gute Mischung aus den Südländern und den alten Eingefleischten, die passt sehr gut zusammen. Die Neuzugänge Christian Lindell und Federico Coria bringen den Teamgeist mit rein. Ich habe mein Spiel bestritten und plötzlich stand Coria hinter mir und hat mich angefeuert. Als Kollektiv sind wir ein super Team. Dazu sind die Vorstände wie Wolf-Dieter Dörfler, Carina Stiglauer und Thomas Detterbeck voll engagiert.
Im Vorjahr war 1860 Vizemeister und hat sich nun verstärkt. Wie lebt es sich mit der Favoritenbürde?
Ganz der große Favorit sind wir nicht. Aber wir gehören zu den besten drei Teams und müssen vorne mitspielen. Der Druck ist deshalb schon da – und den merkt man. Aber wir sind gut genug, um diesem Druck standzuhalten.
Sie haben Ludwigshafen geschlagen, das dann wiederum gegen Reutlingen gewonnen hat. Heißt also, dass die beiden schärfsten Konkurrenten schon gepatzt haben. Die Ausgangslage ist doch jetzt sehr gut, oder?
Die ist extrem gut, ja. Der Druck liegt jetzt auf jeden Fall bei Reutlingen. Bei dem Kader haben die auch nur eine Alternative: den Aufstieg. Bei denen brennt der Hut jetzt sicher.
Jetzt sind es noch fünf Spiele – wo können die Stolpersteine liegen?
Einer der größten Stolpersteine ist für uns der Freitag. Mehrere unserer Spieler sind ja bei den Challenger-Turnieren unterwegs – und wenn sie dort erfolgreich sind, können sie am Freitag nicht für uns spielen. Wir müssen da immer sehr kurzfristig planen. Das sieht man auch bei mir: Ich war in den ersten drei Spielen eigentlich als Ersatz eingeplant und musste immer spielen.
Sie spielen nun ihre 13. Saison in Rosenheim. Wie kam es denn dazu?
Damals hatte ein ehemaliger Trainer eines Freundes von mir in Rosenheim gespielt. Dadurch kam der Kontakt zustande. Ich war damals 17 und habe den Dieter Dörfler angerufen, ob ich spielen kann – das war noch in der Bezirksliga. Mittlerweile hat sich daraus eine Freundschaft zwischen dem Didi und mir entwickelt. Wir haben Jahr für Jahr so weitergemacht, es ist alles professioneller geworden – und spielen nun in der 2. Bundesliga vorne mit.
Sie sind ja auch bei der Zusammenstellung des Teams involviert. Wie läuft das ab?
Ich schaue, dass die Österreicher dabei sind und nutze meine Kontakte und der Didi kümmert sich um die anderen internationalen Spieler. Im Dezember sollte der Kader so gut wie möglich beisammen sein. Wir haben einen Mix aus Spielern, die immer da sind – Ricardo Bellotti, Thomas Statzberger und ich – sowie Spielern, mit denen man in dieser Klasse dann auch auf den vorderen Positionen wettbewerbsfähig ist. Manchmal ist es schon nervenaufreibend.
Nachdem Sie stärkere Spieler mitverpflichtet haben, sind Sie möglicherweise nur Ersatz – Sie sägen sich Ihren Ast ja selbst ab!
Definitiv. Aber ich bin ja auch kein Vollprofi mehr. Wenn die anderen besser sind, dann sollen sie auch spielen. Aber ich kann hinten raus meine Spiele schon gewinnen und bin für diese Positionen schon noch gut. In den letzten zwei Jahren habe ich nur ein Spiel verloren.
Wie definieren Sie Ihre Aufgabe innerhalb des Teams?
Ich bin der Mittelsmann zwischen den Spielern und dem Mannschaftsführer und schaue, dass alles passt. Ich bekomme oft Wünsche der Spieler mit, die ich dann vortrage. Da geht es beispielsweise um Hotel- oder Anreisewünsche. In der Mannschaft bin ich quasi der Betriebsrat.
Sie können das mit Sicherheit am besten beurteilen: Ist das die stärkste Mannschaft, die Rosenheim jemals auf den Platz geschickt hat?
Ja, darüber brauchen wir gar nicht zu diskutieren. Coria hat eine richtig gute Saison gespielt, Lindell spielt bei uns an Nummer fünf – der war schon auf dem Center Court bei den French Open gegen Tsonga. Das sind schon andere Kaliber, und könnte Cachin noch spielen, dann wären wir noch einmal eins drüber. Interview: Neumeier