Sibiu – Der fünfte Lauf zur „World Enduro Super Series“, die „Red Bull Romaniacs“, wurde in Siebenbürgen, in und um die Stadt Sibiu ausgetragen. Manuel Lettenbichler von der MTG Kiefersfelden, im letzten Jahr bereits Zweiter dieser wohl anspruchsvollsten Hard-Enduro-Rallye weltweit, feierte dabei einen hart erkämpften Sieg (wir berichteten) und das genau zehn Jahre, nachdem sein Vater Andreas „Letti“ Lettenbichler als damaliger BMW-Werksfahrer hier gewonnen hatte.
Zu Beginn der fünf Tage dauernden Veranstaltung stand zunächst der übliche Prolog in der Innenstadt von Sibiu auf dem Programm, dem vier harte Offroad-Tage in den Karpaten folgten. Den Prolog gewann der polnische KTM-Werksfahrer Taddy Blazusiak. Manuel Lettenbichler wurde knapp zurück Sechster.
Den ersten Offroad-Tag entschied dann der heurige Erzberg-Sieger und WESS-Gesamtführende Graham Jarvis aus Großbritannien für sich. Vorjahressieger Wade Young aus Südafrika wurde Zweiter und Manuel Lettenbichler Dritter. Am zweiten Tag bestimmte dann Alfredo Gomez aus Spanien das Geschehen. Er gewann klar vor Graham Jarvis und Manuel Lettenbichler, die nun in dieser Reihenfolge auch die Romaniacs-Zwischenwertung anführten. Wade Young schied mit technischem Defekt aus.
In der dritten Offroad-Etappe kämpften Manuel Lettenbichler und Taddy Blazusiak um den Tagessieg, den sich der Kiefersfeldener nicht nehmen ließ. Jarvis wurde Dritter und Gomez Fünfter. Damit ging Manuel Lettenbichler als Führender in den letzten Tag, knapp gefolgt von Alfredo Gomez.
Manuel Lettenbichler eröffnete die völlig verregnete letzte Etappe vor Gomez und Jarvis. Die Fahrer mussten auf einer Strecke von 124 Kilometern mehr als 10000 Höhenmeter überwinden. Es war ein klassischer Romaniacs-Mix aus Wald- und Alpin-Strecken in den tiefen Tälern rund um Sibiu.
Es entbrannte ein enger Kampf zwischen Alfredo Gomez und Manuel Lettenbichler, die im Gesamtverlauf mehrmals zwischen der ersten und der zweiten Position hin und her wechselten. Graham Jarvis verlor nach einem Sturz seine GPS-Geräte, was es ihm unmöglich machte, die beiden Führenden nochmals anzugreifen. Auf den letzten Kilometern war es so eng, dass der berüchtigte Uphill in Gusterita kurz vor dem Ziel die Entscheidung bringen musste. Manuel Lettenbichler gab sich hier keine Blöße und bewältigte den Anstieg ohne gröberen Fehler, während Gomez gleich mehrere Anläufe dafür brauchte. Damit gewann Mani Lettenbichler nicht nur die letzte Tageswertung, sondern auch die Gesamtwertung.
Als Manuel seinen Vater Andreas im Zielbereich sah, war das ein sehr emotionaler Moment für beide. Andi Lettenbichler genoss den Moment, als sein Sohn zehn Jahre nach ihm dieses Rennen gewann. Dieser Sieg bedeutet, dass Manuel mit 21 Jahren, drei Monaten und vier Tagen nicht nur der jüngste Gewinner der Veranstaltung ist: Es ist auch sein erster Sieg in der World Enduro Super Series (WESS), der für ihn in der Gesamtwertung der WESS nun den ersten Platz vor Graham Jarvis und Alfredo Gomez bedeutet.
Manuel Lettenbichler: „Ich bin einfach nur überglücklich und kann es noch nicht wirklich glauben. Dieses Rennen ist wirklich etwas Besonderes und es fühlt sich unfassbar gut an, hier Erster zu sein. Es ist zehn Jahre her, dass mein Vater die Romaniacs gewonnen hat und es ist einfach großartig, dass ich an seine Leistung anknüpfen kann. Jetzt ist das hier eine Familienangelegenheit. Die Lettenbichlers werden heute Abend definitiv feiern!“ sc