Rosenheim – Riccardo Bellotti ist am gestrigen Montag 28 Jahre alt geworden. Belohnt hat sich der in Wien geborene Italiener mit zwei Siegen für den TSV 1860 Rosenheim am Wochenende in der 2. Tennis-Bundesliga Süd. Nach den Erfolgen über Reutlingen und in Wiesbaden ist der TSV 1860 auf dem besten Weg, die Meisterschaft zu erringen. Mit der OVB-Sportredaktion sprach Bellotti über seine Situation und die Chancen auf den Titel.
Im Spitzenspiel ging‘s gegen einen Beinahe-Landsmann, Andreas Haider-Maurer aus Österreich. 6:2, 6:2 hört sich klar an, es war aber eine schwere Aufgabe, oder?
Es war nicht leicht. Er war in den Top-100, ich habe ihn oft in Wien beim Turnier in der Stadthalle gesehen und oft auch Challenger mit ihm gespielt. Ich weiß, wie gut er spielen kann. Er hat zwar mit Profitennis aufgehört, aber Radlfahrn verlernst auch nicht. Ich habe mich gut vorbereitet und bin glücklich, dass ich gegen ihn gewonnen habe.
Im Vorfeld war es so, dass das Spiel gegen Reutlingen die Vorentscheidung um den Meistertitel bringen kann. Haben Sie das auch so gesehen?
Ich spiele seit meinem sechsten Lebensjahr Tennis und weiß deshalb: Bis der letzte Matchball in der letzten Partie nicht gefallen ist und wir mathematisch noch nicht Meister sind, sind wir noch nicht durch. Es können sich gegen einen Außenseiter auch zwei, drei Spieler verletzen und dann stehst du dumm da.
Wie schätzen Sie die Chancen vor dem letzten Wochenende ein?
Sehr gut, wir sind eine sehr starke Truppe. Wenn wir bis zur letzten Partie so spielen, dann glaube ich schon, dass wir das schaffen.
Mit Rosenheim, Reutlingen und Ludwigshafen hat es drei große Titelanwärter vor der Saison gegeben. Spüren Sie Druck?
Ehrlich gesagt: Wenn ich auf unsere Spielerliste schaue, dann sind wir einfach so stark und ich weiß, dass meine Mannschaft gewinnt. Deshalb verspüre ich keinen Druck. Wir haben drei Spieler, die unter den ersten 200 in der Weltrangliste stehen, und auch dahinter sind wir sehr stark. Da spüren eher die anderen Mannschaften die Angst.
Vor zwei Jahren haben Sie an Position eins gespielt, jetzt an vier – was ist Ihnen lieber?
Mir ist das ziemlich egal. Natürlich ist es schön, am Center Court zu spielen. Aber ich spiele gerne für den Verein, und ob ich meine Partie an eins oder an fünf gewinne, ist mir egal. Hauptsache, ich bringe den einen Punkt und mit dem Doppel zwei Punkte fürs Team – alles andere ist unwichtig.
Sie sind seit mehreren Jahren in Rosenheim. Was ist das Besondere?
Ich habe zum ersten Mal vor acht, neun Jahren hier gespielt, allerdings nur für eine Partie. Seit drei Jahren bin ich wieder da und fühle mich extrem wohl. Ich hoffe, dass ich da noch sehr viele Jahre spielen kann. Die Gruppenzusammensetzung hier ist einmalig. Das musst du erst einmal hinbekommen, dass du jedem Spieler alles recht machst. Das fasziniert mich!
Sie sind einer der Allesspieler im Teamkader. Woher kommt‘s?
Ich habe dem Didi Dörfler mein Wort gegeben, dass ich immer da bin, wenn er mich braucht. Das wird hoffentlich auch in den nächsten Jahren so bleiben.
Wie gehen Sie damit um, dass es oft eng wird, ob die Kollegen rechtzeitig von den Turnieren nach Rosenheim kommen?
Ich habe das die letzten Jahre ja genauso gemacht und weiß deshalb, was das vor allem für den Didi bedeutet. Dass am Tag vorher noch keine sechs Spieler feststehen und wir dann hoffen müssen, dass die irgendwo verlieren – damit muss man leben.
Erleben Sie das jetzt anders, nachdem Sie für alle Spiele zur Verfügung stehen?
In erster Linie hoffe ich mal, dass die Kollegen bei ihren Turnieren überall erfolgreich sind. Aber: Gut für die Mannschaft ist es schon, wenn die manchmal verlieren. Der Didi hat ja für den Notfall auch einen Plan B, der ist ja da schon länger im Geschäft als ich.
Obwohl Sie großes Vertrauen in die Mannschaft haben, sind Sie immer noch vorsichtig in der Titelfrage. Warum?
Auch wenn man 6:0 und 5:0 vorne ist und 40:0 hat, kann man immer noch verlieren. Darum!Interview: Neumeier