Selb – Gesprächsthema Nummer eins unter den knapp 300 Besuchern, die am Mittwochabend dem strömenden Regen trotzten und das Pokalspiel zwischen dem Landesligisten Kickers Selb und dem Regionalligisten 1860 Rosenheim verfolgten, hätte nach diesem packenden Pokalfight eigentlich die kämpferisch großartige Vorstellung der heimischen Kickers sein müssen. Ein Mann aber sorgte dafür, dass die meisten Zuschauer zunächst ihrer Wut freien Lauf ließen nach den 90 Minuten, in denen der Landesligist dem Regionalligisten prächtig Paroli geboten hatte. Schiedsrichter Christopher Schwarzmeier aus dem Kreis Bamberg war der große Buhmann, weil er mit Waldemar Schneider und Danny Wild zwei Selber Spieler nach Allerweltsfouls vorzeitig zum Duschen geschickt hatte.
„Er hat ein paar wilde Sachen gepfiffen“
Der Zorn der heimischen Fans und Spieler war, zumindest aus Selber Sicht, verständlich. Allerdings sahen nicht alle die Leistung des Schiedsrichters so schlecht wie die Selber. Thomas Kasparetti, Trainer des TSV 1860 Rosenheim, sagte: „Es war für uns das erwartet schwere Spiel. Selb hat das richtig gut gemacht. Wir haben etwas profitiert davon, dass die Kickers etwas übermotiviert waren. Ich finde, dass der Schiedsrichter eine sehr gute Partie gemacht hat. Aber das werden nicht alle so sehen.“ Definitiv nicht, aber Jakob Schleicher, sportlicher Leiter der Kickers, ist mit seiner Meinung etwas euphorisch: „Ohne die beiden gelb-roten Karten hätten wir Rosenheim geschlagen. Ich kann doch den Waldi Schneider nicht nach zwei solchen Aktionen schon nach einer halben Stunde runterschicken. Aber Kompliment an die Mannschaft.“
Sechziger-Mittelfeldspieler Linor Shabani meinte zur Leistung des Unparteiischen: „Wenn ich ein Selber wäre, hätte ich mich auch aufgeregt über den Schiedsrichter. Er hatte keine Linie und ein paar wilde Sachen gepfiffen.“
Die Befürchtung der Selber Anhänger, dass ihre Mannschaft nach der ersten Gelb-Roten Karte einbrechen würde, bewahrheitete sich freilich nicht. Auch in Unterzahl hielt der Gastgeber prächtig dagegen.
Kurz nach der Halbzeit aber schien das Unheil seinen Lauf zu nehmen. Nach einer flachen Hereingabe rutschte Spielertrainer Martin Damrot auf dem nassen Geläuf weg und der Rosenheimer Danijel Majdancevic hatte freie Schussbahn – 0:1. Doch auch diesen Rückschlag steckten die Selber weg. In der 49. Minute musste zwar noch einmal der Pfosten retten für die Kickers, dann aber nahmen die Hausherren ihr Herz wieder in die Hand. Jubeln durfte der Landesligist aber in der 62. Minute. Kevin Winter servierte einen Freistoß maßgerecht auf Johannes Hamann, der seine Freiheiten nutzte und zum 1:1-Ausgleich einköpfte. Die Hoffnung auf die Sensation lebte wieder.
Doch nach 69 Minuten gingen die Rosenheimer wieder in Führung. Der starke 19-jährige Alexis Fambo war zur Stelle und schob zum 1:2 ein. Weitere drei Minuten später standen die Selber nur noch zu neunt auf dem Feld. Erneut sah sich Schiedsrichter Schwarzmann nach einem Allerweltsfoul genötigt, die Gelb-Rote Karte zu zücken. Selb zeigte große Moral, drängte auch in doppelter Unterzahl auf den Ausgleich, doch die Sechziger setzten in der Nachspielzeit den entscheidenden Konter zum 1:3. Torschütze war erneut Fambo.
TSV 1860 Rosenheim: Herzig – Lenz, Linner, Wallner, Majdancevic (67. Shabani), Albrich (63. Mayerl), Köhler, Hölzl, Fambo, Demolli, Moser.
Tore: 0:1 (47.) Majdancevic 0:1, 1:1(62.) Hamann 1:2, 1:3 (69. und 92.) Fambo.
Schiedsrichter: Schwarzmann (TSV Scheßlitz).
Zuschauer: 300.
Gelb-Rot: Schneider (Selb/31.), Wild (Selb/72.). pöh/bz