Wenn der Vater mit dem Sohne

von Redaktion

FUSSBALL-KREISLIGA 1 Zwei Parstorfer bilden die Kolbermoorer Offensivabteilung

Kolbermoor – Im Internet existieren die Bilder noch: 1996 wurde Arnor Gudjohnsen bei einem Länderspiel von Island gegen Estland ausgewechselt. Es war sein letztes internationales Match. Für ihn kam – sein Sohn. Eidur Gudjohnsen feierte mit der Einwechslung seine Premiere in der Nationalmannschaft. Es war der erste große Meilenstein für den talentierten Isländer, der danach viele Jahre bei prominenten Clubs wie Chelsea London und den FC Barcelona verbrachte und Titel einheimste.

Besagter Spielerwechsel ist eine Rarität im Fußball, verhinderte aber, dass Vater und Sohn Gudjohnsen jemals gemeinsam in einer Mannschaft kickten. Beim Fußball-Kreisligisten SV-DJK Kolbermoor ist das anders: Da liefen Armin Parstorfer (48) und sein Filius Armin junior (23) beim Kreisliga-1-Auftakt in Ostermünchen gemeinsam auf – von Beginn an und insgesamt 78 Minuten lang. Dann blieb aber der Routinier auf dem Feld und der Stammhalter wurde ausgetauscht.

Dringend gewollt war der gemeinsame Einsatz nicht – zumindest nicht von vorneherein, wie der langjährig bei 1860 Rosenheim höherklassig erfahrene Parstorfer senior sagt: „Das war schon mal ein Ziel von mir, allerdings vor fünf Jahren. Da hat es der Armin aber noch nicht so ernst genommen.“ Vor ein paar Jahren hat es beide Parstorfers schon einmal in einem Team gegeben. „Das war in der Kolbermoorer Reserve“, sagt Armin senior, damals sei der Youngster aber noch nicht so stabil gewesen. Und so musste nun die Kolbermoorer Personalnot zur Familienzusammenführung auf dem Rasen herhalten. „Ich habe Trainer Manfred Thaler gesagt, dass ich aushelfe, wenn sie mich brauchen“, sagt der 48-Jährige. Und er fügt stolz an, dass der Junior den Einsatz vorgeschlagen habe: „Das ist von ihm auch ausgegangen. Ich war im Urlaub und da hat er mir eine Sprachnachricht vom Trainer weitergeleitet, dass ich in Ostermünchen spielen soll.“

Thaler ist froh, dass Parstorfer eingesprungen ist: „Die Mannschaft ist dankbar, wenn der Armin spielt. Und die Jungen schauen zu ihm auf. Er hat noch richtig Freude am Spiel, das sieht man ihm an.“ Der 48-Jährige spielte bei großer Hitze die vollen 90 Minuten. „Ich fühle mich noch ganz gut. Wenn ich dann spiele, ist mir gar nicht bewusst, dass ich 48 bin und die Gegenspieler teils 30 Jahre jünger“, sagt der ehemalige Bayernliga-Spieler. Und: „Es freut mich, dass die Jungs glauben, dass ich ihnen helfen kann.“

In Ostermünchen half Kolbermoor aber nicht einmal die doppelte Parstorfer-Power in der Offensive, das Spiel ging 0:1 verloren. Armin junior spielte ganz vorne, der Senior dahinter. „Ich bin der Meinung, dass er es ganz gut gemacht hat. Es tut sich bei ihm fußballerisch etwas, er muss aber noch viel lernen, beispielsweise zielstrebiger werden“, sagt der Erfahrenere der beiden, die für Coach Thaler schon etliche Gemeinsamkeiten haben. „Sie sind sich in vielen Dingen sehr ähnlich, haben den gleichen Bewegungsablauf, sind beide dribbelstark und haben auch die gleiche Mimik drauf“, sagt der Kolbermoorer Chefanweiser, der sich bei Meinungsverschiedenheiten der beiden auf dem Platz nicht einmischen würde: „Das müssen die schon untereinander ausmachen.“

In die Quere sind sich beide in Ostermünchen nur einmal gekommen: Bei der einzigen guten Kolbermoorer Chance in der zweiten Hälfte rauschte Parstorfer senior von hinten heran, doch der Filius war da schon an der Kugel, schaufelte den Ball aus der Drehung aber über die Latte. „Da hat er mich gleich geschimpft, warum ich da im Weg stehe“, staunte der Routinier, der wohl die bessere Schussposition gehabt hätte. Er nimmt es seinem Sohn, der ihn auch auf dem Spielfeld „Papa“ nennt, aber nicht krumm: „Da sind wir beide Stürmer und wollen im Sechzehner an die Kugel.“

Ansonsten habe er versucht, dem Junior Hilfestellung zu geben. „Ich habe mehr geredet, weil ich hinter ihm gespielt habe. Da sehe ich natürlich mehr. Aber er hat auch angenommen, was ich ihm gesagt habe“, freut sich der 48-Jährige, der in Kolbermoor auch noch den Nachwuchs – in der kommenden Saison die D-Jugend – betreut. „Es ist wichtig, dass man in Kolbermoor wieder etwas aufbaut“, sagt er. Damit in Zukunft mehr von seinen Schützlingen spielen, aber vielleicht nicht mehr er selbst.

Rivaldo und Parstorfer

Bis dahin dauert es aber noch eine ganze Weile und so wird Parstorfer senior wohl noch öfters von Trainer Thaler nominiert und an der Seite seines Sohnes ran müssen – oder dürfen? „Es ist auf alle Fälle etwas Besonderes“, sagt Parstorfer – und auch Thaler muss sich bei seinen Kommandos umstellen, damit es den Richtigen trifft. „Das wird auch für mich eine neue Herausforderung“, lacht er. Nichts dagegen hätte er, wenn sich seine beiden Offensivkräfte ein Beispiel am Brasilianer Rivaldo und dessen Sohn nehmen würden. Der Weltstar kehrte 2015 im Alter von 43 Jahren auf den Fußballplatz zurück. Beim 3:1-Sieg des EC Mogi Mirim in Sao Paulo erzielten Rivaldo und sein 20-jähriger Filius jeweils einen Treffer. „Ich denke, damit haben wir ein Kapitel Fußballgeschichte geschrieben. Dass ein Vater und ein Sohn zusammen spielen, hat man ja schon ein paar Mal gehört, aber dass beide im gleichen Pflichtspiel ein Tor erzielen, das gab es wohl noch nicht“, meinte Rivaldo später. Ganz Kolbermoor hofft, dass die Parstorfers schon am Samstag im Heimspiel gegen Prien nachziehen.

Artikel 9 von 11