Rosenheim – In Zeiten von Angriffen, die minutiös auf dem Reißbrett geplant wirken und sich beinahe ausnahmslos über Packing Raten definieren, ist im Fußball mittlerweile eine Spezies vom Aussterben bedroht: Der Instinktfußballer. Korbinian Linner vom TSV 1860 Rosenheim ist noch genau so einer. Mit dem DJK Griesstätt stieg er einst aus der Kreisliga ab, suchte dann sein neues Glück beim TSV 1860 Rosenheim in der Bayernliga, und kickt seine vierte Saison in der Regionalliga. Er ist ein Spieler, der definitiv nicht in ein Schema F zu pressen ist.
Sie sind weder in einem großen Nachwuchsleistungszentrum ausgebildet worden, noch haben Sie im Jugendbereich in den höchsten Ligen agiert. Dennoch haben Sie den Sprung in die Regionalliga geschafft – wie geht das?
Mir fehlten vor allem im fußballerischen Bereich einige Grundlagen. Diese musste ich mit intensiven Zusatzschichten und jeder Menge Disziplin aufholen. Dass ich mittlerweile in der Regionalliga spielen darf und seit Jahren zum Stammpersonal zähle, ist für mich ein einziger Traum. In dieser Liga gibt es keine schwächelnden Spieler – ganz im Gegenteil. Manchmal spielt man – wie letzte Saison – gegen Bundesligaspieler wie Alphonso Davies. Da muss ich mich schon häufig kneifen, ob das wirklich gerade passiert.
Mit dem TSV 1860 Rosenheim spielen Sie derzeit eine starke Saison. Sechs Partien – vier über die gesamte Spielzeit. Wie geht ihr das Heimspiel gegen Heimstetten an?
Wir wissen um die Qualität von Heimstetten. Wir erwarten einen spielstarken Gegner, der nicht besonders gut in die Saison gestartet, jedoch alles andere als zu unterschätzen ist. Wenn wir nur mit 99 Prozent unserer bisherigen Leidenschaft agieren, wird es für uns nicht reichen. Im Prinzip müssen wir an das Spiel in Nürnberg eins-zu-eins anknüpfen.
Der Sieg beim Tabellenführer 1. FC Nürnberg war schon ein Fingerzeig an die Konkurrenz.
Für das Spiel beim Club haben wir unser System ein wenig umgestellt. Das kam uns im Laufe des Spiels zugute. Wir standen sehr kompakt und sicher, was rückblickend spielentscheidend war. Zudem hatten wir an diesem Tag einen unglaublichen Teamspirit. Jeder ist über seine Grenzen hinausgegangen. Es war ein außergewöhnliches Spiel als Mannschaft.
Und was zeichnet den Fußballer Korbinian Linner aus?
Das Wort „aufgeben“ existiert in meinem Vokabular nicht. Egal ob wir 5:0 führen oder hinten sind, bis der Schiedsrichter das Spiel abpfeift, werde ich immer alles geben. Interview Michael Pointvogel