Rosenheim – In den vergangenen Tagen war Thomas Kasparettis Job als Trainer des TSV 1860 Rosenheim wohl ähnlich einfach wie der eines Finanzbrokers während der Finanzkrise 2007. Final gipfelte seine Gefühlswelt mit der Dienstquittierung beider Torhüter. Gegen Bayreuth stand nach langem Bangen schließlich Neuzugang Alin Goia im Gehäuse der Innstädter. Zwar verlor man das Spiel mit 0:3, der neue Torhüter jedoch überzeugte: „Alin ist ein starker Torhüter, auf der Linie und in der Ansprache mit seiner Hintermannschaft. Er war von Null auf Hundert bereit und hat gegen Bayreuth mit viel Ruhe und Glanzparaden sehr gut gespielt“, so der TSV-Coach über seinen Last-Second-Transfer.
Am heutigen Freitag um 19 Uhr heißt der Gegner SV Schalding-Heining. Sicherlich ein richtungsweisendes Spiel. Und gerade vor dieser Begegnung ist erneut die Torhüterfrage in den Blickpunkt gerückt: Goia war nämlich im Training mit einem Teamkollegen zusammengerasselt und ist seitdem unter ständiger Behandlung bei Hans Friedl. Der Rumäne wird aller Voraussicht nach im Tor stehen – sollte er passen müssen, dann gibt es die Premiere des fünften 1860-Keepers in einem Pflichtspiel in dieser Saison: Niklas Pfister ist seit dieser Woche die neue Nummer zwei, der 18-Jährige stand zuletzt in der A-Jugend-Bayernliga beim FC Ismaning zwischen den Pfosten und spielte davor in Unterhaching.
Rosenheims Trainer Kasparetti spricht von vielen Faktoren, die sein Team vergangene Woche auf die Verliererstraße gebracht haben: Zu wenig zweite Bälle, zu viele Unkonzentriertheiten in der Anfangsphase. In der Tat war das Spiel gegen das Spitzenteam aus Oberfranken bereits zur Halbzeit beendet. Nun reist der SV Schalding-Heining an die Mangfall – aufgrund vier Siegen aus den letzten fünf Spielen mit breiter Brust. Ein Sieg gelang den Niederbayern im BFV-Toto-Pokal vor zehn Tagen gegen den TSV 1860 Rosenheim. 1:0 lautete das Endergebnis einer ausgeglichenen Pokalpartie. „Wir wissen um Schaldings Stärken. Sie verteidigen im Spielfeldzentrum äußerst kompakt, sind zweikampfstark und bei Ballverlusten des Gegners schalten sie um wie die Feuerwehr“, lautet Kasparettis Einschätzung. Wohl auch deshalb kann der Matchplan nur lauten, Kontersituationen zu vermeiden und in den Zweikämpfen präsent zu sein.
Umso erfreulicher für Kasparetti, dass sich derzeit zwei Spieler, die dieses Anforderungsprofil perfekt bedienen, in den Fokus spielen: Adel Merdan und Fatih Eminoglu. „Adel ist ein ganz wichtiger Spieler für uns. Er kann ein Spiel zum richtigen Zeitpunkt verlagern und ist im Zweikampf ganz unangenehm. Mit Fatih haben wir einen der besten Allrounder der gesamten Liga – er kann als Sturmspitze oder im zentralen Mittelfeld agieren, sogar als Abwehrspieler macht er eine gute Figur. Außerdem kann er Spiel lesen und den Rhythmus verändern.“ Dass beiden Spielern jedoch noch etwas die wettkampfspezifische Fitness fehle, ist dem Sechziger-Coach bewusst.
Wer sich letztlich in der Startformation wiederfindet, ist in Anbetracht der Tabellensituation wohl eher zweitrangig. Rosenheim gegen Schalding bedeutet nämlich auch: Platz 13 gegen Rang elf. Kasparetti: „Es ist ein enorm wichtiges Spiel für uns. Wir wollen alles in die Waagschale werfen und die drei Punkte in Rosenheim halten. Dieses Ziel müssen und werden wir aktiv verfolgen.“mpo/tn