München – „Schnell“, resümierte Türkgücü-Coach Reiner Maurer nach dem Abpfiff, hätte seine Mannschaft am Samstag im Heimspiel gegen den TSV 1860 Rosenheim, „in die richtige Bahn gefunden“. Und es gab wenig, was die „Sechzger“ dem entgegenzusetzen hatten. So bilanzierte auch 1860-Trainer Thomas Kasparetti „ein recht einseitiges Spiel“, seine Mannschaft, so der 35-Jährige, sei „noch nicht so weit, um hier standzuhalten“.
Nach einer Stunde stand es schon 4:0
Schon nach einer guten Stunde stand es 4:0, Danijel Majdancevic, der nach einem verschossenen Strafstoß Fatih Eminoglus den Nachschuss versenkte, konnte immerhin noch zum 4:1-Endstand verkürzen (70.). „Gegen Türkgücü müssen wir nicht unbedingt punkten“, ordnete Kasparetti das Resultat ein, „das dürfen wir uns nicht anmaßen, die beiden Vereine könnten unterschiedlicher nicht sein“. Der ambitionierte Aufsteiger verfüge „über einen ganz anderen Etat als wir“, so Kasparetti, „wir wissen, dass wir uns mit anderen Gegnern messen müssen“.
Dabei hatte sich der Rosenheimer Trainer im Vorfeld durchaus etwas ausgerechnet. Nur drei Tage zuvor hatten sich die Münchner Türken einen leidenschaftlichen Totopokalfight mit Drittligist Unterhaching geliefert und mussten dabei erst in der Nachspielzeit den Treffer zum 2:3-Endstand hinnehmen. Vom Kräfteverschleiß abgesehen ist Kasparetti ohnehin davon überzeugt, dass „in dieser Liga wirklich jeder jeden schlagen kann“, weshalb er schon darauf gehofft hatte, „dass für uns hier was möglich ist“. Mit einem von Beginn an konzentrierten Auftritt aber nahm der Aufstiegsanwärter den Gästen schnell den Wind aus den Segeln. Ralph Hasenhüttls Sohn Patrick, vor der Saison wie 22 (!) seiner Teamkollegen neu verpflichtet, erzielte einen Dreierpack (20., 48., 62.), Kasim Rabihic stellte zwischenzeitlich per Strafstoß auf 2:0 (22.). „Wir haben ihnen zu viele Räume angeboten“, monierte Kasparetti, in der Offensive hätte sich seine Mannschaft zudem „nicht getraut, auch mal abzuziehen und die gegnerische Kiste wenigstens zu gefährden“.
Offen räumte der Rosenheimer Coach ein, dass „uns Türkgücü heute auch mit sieben, acht Toren nach Hause hätte schicken können“. Vielleicht aber, hofft er, „tut uns das ganz gut, so wissen wir, an was wir arbeiten müssen“. Während die Münchner Türken mit aller Macht und einem siebenstelligen Budget in Richtung 3. Liga streben, ist die Regionalliga „unsere Champions League“, wie Kasparetti betont. Trotz nur einem Zähler aus den jüngsten vier Ligaspielen erklärt er, dass man sich nach dem Tiefpunkt, einem 1:6 vor drei Wochen gegen den SV Heimstetten, auf dessen Platz auch die Münchner Türken derzeit noch ihre Heimspiele austragen, „zuletzt stabilisiert“ habe.
Mit der Aschaffenburger Viktoria, die nur einen Punkt mehr als die „Sechziger“ verbucht, empfängt der TSV 1860 nun am kommenden Freitag einen Gegner auf Augenhöhe. Kasparetti hofft dabei auch darauf, dass ihm mit dem lange verletzten Mathias Heiß sowie dem spät verpflichteten 31-jährigen „Ankerspieler“ Nikolaj Madsen zwei wertvolle Alternativen zur Verfügung stehen, auf die er in Heimstetten noch nicht zurückgreifen konnte. Dafür wird er in den nächsten Wochen voraussichtlich auf Alexis Fambo verzichten müssen, der sich am Samstag eine vermutlich schwere Sprunggelenksverletzung zuzog. Endgültigen Aufschluss wird jedoch erst eine Kernspintomografie bringen. Mit seiner Schnelligkeit und seiner Mentalität stellt Fambo einen erheblichen Verlust dar. Dabei könnte Kasparetti derzeit jeden Spieler gut gebrauchen, der auch das entsprechende „Champions-League“-Niveau mitbringt. Türkgücü freilich ist dafür nicht der Maßstab, wie am Samstag nur allzu deutlich wurde.
TSV 1860 Rosenheim: Goia – Köhler, Lenz, Wallner, Mayerl – Merdan (23. Eminoglu), Shabani – Majdancevic, Mushkolaj (70. Neumeier), Moser – Demolli.
Tore: 1:0 Hasenhüttl (20.), 2:0 Rabihic (22., FE), 3:0 Hasenhüttl (48.), 4:0 Hasenhüttl (62.), 4:1 Majdancevic (70., FE)
Schiedsrichter: Ostheimer (Sulzberg)
Zuschauer: 454