Rosenheim – Es gibt Spiele, selbst im Eishockey, da hat ein Berichterstatter Probleme, die vorgegebenen Zeilen zu füllen – und es gibt eben solche Spiele wie am gestrigen Freitagabend in der Eishockey-Oberliga Süd im Rosenheimer Rofa-Stadion: Da hätten gleich mehrere Geschichten drin Platz gefunden. Vom zur Pause verdonnerten Stürmer Vitezslav Bilek, von einer äußerst effektiven Gastmannschaft der Selber Wölfe oder einer gelungenen Aufholjagd der Starbulls Rosenheim, die aus einem 2:4 ein 5:4 machten. Am Ende sind aber die letzten 130 Sekunden schon eine eigene Geschichte wert, als die Starbulls zunächst zum zweiten Mal in dieser Begegnung in Führung gingen, dann aber noch drei Gegentore eingeschenkt bekamen und letztlich mit 5:7 die zweite Niederlage in Folge quittieren mussten.
Verrücktes Ende
„Das Ende war schon sehr verrückt“, meinte dann auch Gäste-Trainer Henry Thom, der ob der zwischendurch erhofften, dann entrissenen und letztlich wiedergewonnenen Punkte natürlich sehr glücklich war. Rosenheims Trainer John Sicinski hingegen war sehr geknickt, als er feststellen musste, er habe „selten so etwas erlebt“.
Dabei waren schon die 58 Minuten davor nichts für schwache Nerven. Rosenheim hatte nämlich einige gute Chancen, aber Selb war sehr effektiv – logischerweise über den herausragenden Ian McDonald und seinen kongenialen Partner Lanny Gare, aber auch mit Ex-DEL-Verteidigerr Florian Ondruschka und dem jungen Förderlizenzspieler Tim Zimmermann, der gleich zwei Tore schoss. Die Hausherren bestimmten zwar das Spiel und machten Tempo, weshalb Sicinski auch zurecht meinte: „Mit der Spielweise war ich zufrieden. Wir haben auch gekämpft und Charakter gezeigt.“ Dann kommt allerdings das große ABER: „Wir haben aber auch eine Handvoll haarsträubender Fehler gemacht.“ Bei den Gegentoren standen die Starbulls entweder zu weit vom Gegner weg, gingen nicht konsequent ran, oder – und das war die Spezialität der Gäste – ließen sich immer wieder mit einem tiefen Pass durch die Mitte übertölpeln.
Beim Gegentor zum 5:6: Hinten blank
Symptomatisch war fast schon die Beschreibung des 5:6 von Sicinski, als er zunächst bemängelte, dass sich sein Team nach dem billigen Ausgleichstreffer nicht den Punkt sicherte und in die Verlängerung ging, sondern nach einer dicken Chance hinten blank stand und Lanny Gare im Alleingang frei vor Steinhauer die Selber zum Sieg schoss: „Die hauen ab, wie schon das ganze Spiel – und wir merken es nicht.“ Weg waren die Punkte und vorerst auch die Euphorie nach dem sehr guten Start-Wochenende.
Starbulls Rosenheim – Selber Wölfe 5:7 (1:2, 1:2, 3:3).
Starbulls: Steinhauer (Endres) – Bergmann, Vollmayer; Draxinger, Krumpe; Linden, Reiter (Enk) – Höller, Baindl, Slezak; Fröhlich, Daxlberger, Mitchell; Henriquez, Bucheli, Litesov; Heidenreich, Stanik, Wellhausen.
Tore: 1:0 (9.) Höller/Baindl, Bucheli, 1:1 (12.) Bär/Graaskamp, Kabitzky, 1:2 (18.) McDonald/Gare, Ondruschka, 1:3 (28.) Zimmermann/Hirschberger, Böhringer, 2:3 (30.) Slezak/Mitchell, Vollmayer – PP1, 2:4 (38.) Zimmermann/McDonald, Nijenhuis, 3:4 (46.) Linden/Daxlberger, Mitchell, 4:4 (53.) Fröhlich/Mitchell, Daxlberger, 5:4 (58.) Höller/Mitchell, Vollmayer – PP1, 5:5 (59.) Graaskamp/Gelke, Müller, 5:6 (59.) Gare/Ondruschka, Schmidt, 5:7 (60.) Gelke/Kabitzky, Graaskamp;
Zuschauer: 2060. tn