Rosenheim – Eigentlich hätten es die Starbulls in der Hand gehabt, zumindest ihren sicher scheinenden vierten Platz (und damit das Heimrecht im Play-off-Achtelfinale) zu verteidigen, bot der Terminplan in drei der letzten vier Begegnungen doch unmittelbare Tabellennachbarn als Gegner. Allerdings scheint den seit Wochen ohne drei bis sechs Stammspieler agierenden Grün-Weißen in den entscheidenden Phasen die Kraft auszugehen. Vor zwei Wochen für rund zwei Spielminuten noch „gefühlter“ Tabellenführer, ist nach dem erst zweiten Null-Punkte-Wochenende (das zuvor einzige hatten Selb und ebenfalls Deggendorf ziemlich zu Saisonbeginn beschert) für die Starbulls sogar der vierte Rang schwer zu erreichen. Dafür muss am Freitag in Garmisch auf alle Fälle ein Sieg her.
Nur Lindau ist
schlechter
Dass die Starbulls auswärts seit Wochen einfach kein Bein aufs Eis bekommen (nur Lindau ist in der Meisterrunde schlechter), kennt man ja bereits, aber am Sonntag riss nun auch die überragende Heimserie von zwölf Siegen, davon elf in regulärer Spielzeit. Dabei hätte das Match (ein hochklassiges übrigens) durchaus nicht verloren gehen müssen, aber außer der erneut unzureichenden Rosenheimer Chancenverwertung sprachen letztlich drei Dinge für die Gäste. Da wären zum einen die blitzartigen Deggendorfer Treffer unmittelbar vom Anpfiff weg. Das 1:0 nach 39 Sekunden, das 3:2 nach genau einer Minute im Schlussdrittel (bereits der sechste Gegentreffer in dieser Minute) und die erneute Führung zum 4:3, die bis zum Schluss Bestand hatte, nur 23 Sekunden nach Jake Smiths erneutem Ausgleich. Grund zwei: Die Starbulls schafften es nicht, wie üblich, das erste Drittel zu dominieren. Wie am Freitag in Memmingen führte auch diesmal der Gegner nach 20 Minuten 2:0, ein starker Kontrast zu den 14 Partien davor, als die Starbulls entweder gar kein oder nur ein einziges Tor zugelassen hatten. In keiner der letzten elf dieser Begegnungen lagen sie bei der ersten Pausensirene in Rückstand! Nur dreimal überhaupt in dieser Saison lagen sie auf eigenem Eis mit zwei Toren Differenz zurück; alle drei gingen verloren.
Nach acht Minuten
erster Schuss aufs Tor
Wie sehr die Gäste die Anfangsphase dominierten, zeigt, dass Torhüter Zabolotny erst nach gut acht Minuten (!) den ersten Schuss halten musste. Zu diesem Zeitpunkt war Andreas Mechel bereits achtmal geprüft und einmal überwunden worden!
Deggendorfs
Topsturm überirdisch
Der dritte Grund für den Sieg hat drei Namen: Thomas Greilinger, Curtis Leinweber und Kyle Osterberg. Was diese drei vor allem in puncto Kaltschnäuzigkeit bei der Chancenverwertung boten, egal ob nach Rosenheimer Fehlpässen oder aus der eigenen Abwehr heraus, das war für Oberliga-Verhältnisse schon überirdisch. Und dabei macht Greilinger, mit über zwei Scorerpunkten pro Spiel der eigentliche Topscorer der Liga, nie den Eindruck, als würde er auch nur einen Tropfen Schweiß vergießen!
Es spricht für die Moral der Starbulls, dass sie nach Rückständen zweimal ganz und ein drittes Mal beinahe noch zurückkamen, und das war in den letzten Jahren beileibe nicht üblich. In den beiden Oberliga-Spielzeiten davor hatten sie es insgesamt nur zweimal geschafft, ohne Torhüter und mit einem sechsten Feldspieler noch einen Treffer zu erzielen. In der laufenden Saison gelang dies schon sechsmal! Vor Michael Fröhlich am Sonntag waren schon Dominik Daxlberger, Michael Baindl, Daniel Bucheli und zweimal Tadas Kumeliauskas in dieser Konstellation erfolgreich. Allerdings reichten selbst von diesen sechs Treffern nur zwei aus, um damit einen ansonsten verlorenen Zähler zu holen.
In Unterzahl nicht
mehr auf der Höhe
Noch ein Punkt, der mitverantwortlich für die derzeitige Flaute ist: Das Unterzahlspiel. In den ersten 42 Saisonspielen gestatteten die Rosenheimer dem Gegner nur fünfmal mehr als einen Powerplay-Treffer, nun waren es in zwei der letzten drei Auswärtsspielen (in Lindau und Memmingen) gleich je drei! Selbst haben Höller & Co. in elf Begegnungen bisher mehr als eine Überzahl nutzen können.
Aber vielleicht geht es den Starbulls durch die vielen Ausfälle ja auch ein wenig an die Substanz. Dabei ist „Tormaschine“ Kumeliauskas nicht einmal der schwerwiegendste Ausfall, denn er konnte durch Überraschungs-Neuzugang Jake Smith vollwertig ersetzt werden. Vergleich: Smith machte in seinen ersten acht Einsätzen 14 Scorerpunkte (acht Tore, sechs Assists), Kumeliauskas zehn Tore und drei Assists. Schwerer wiegen da schon die Ausfälle von Enrico Henriquez, der in den letzten Wochen vor seiner Verletzung der zweitbeste Starbulls-Stürmer war, sowie das sporadische Fehlen von Fröhlich und Baindl.