Nah dran, aber doch ein Stück weit weg

von Redaktion

Starbulls schneiden beim „Fünf-Sterne-Programm“ gut ab, können sich aber kaum steigern

Rosenheim – Was haben die Starbulls Rosenheim und die deutsche Fußball-Nationalmannschaft gemeinsam? Beide wollen den fünften Stern, können ihn derzeit aber nicht erreichen. Bei den Fußballern könnte sich im Dezember 2022 bei der Weltmeisterschaft in Katar die Möglichkeit bieten, sich den fünften WM-Titel und damit auch den fünften Stern auf dem Trikot zu holen. Die Starbulls hätten bereits im kommenden Jahr die neuerliche Gelegenheit, das Unterfangen dürfte aber schwieriger sein als ein Titelgewinn der schwarz-rot-goldenen Kicker.

Starbulls: 169 von 193
möglichen Punkten

Zunächst aber: Die Starbulls haben beim „Fünf-Sterne-Programm“ des Deutschen Eishockey-Bund (DEB) zur Förderung der Nachwuchsarbeit prächtig abgeschnitten. Der Eishockey-Oberligist hat mit 169 von 193 möglichen Punkten das beste Resultat erzielt, seitdem der DEB dieses Programm durchführt – und damit sogar Vereine aus der höchsten deutschen Spielklasse hinter sich gelassen. „Für einen Oberligisten ist diese Nachwuchsarbeit schon eine Ausnahmestellung“, sagt Ernst Höfner, beim DEB zuständig für die Talent- und Vereinsbetreuung. „Wir besuchen die Vereine sechs-, siebenmal pro Saison und machen uns ein Bild von der Entwicklung vor Ort“, so Höfner. Das Programm wurde vom Verband zu Beginn der Saison 2015/16 initiiert. Knapp 60 Vereine sind aktuell vom DEB bewertet worden.

Drei Vereine mit
Topbewertungen

Letztlich konnten 13 Vereine den Top-Status erringen, wobei die Kölner Haie mit 189 Punkten an der deutschen Spitze stehen. Aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) wurden neun der 14 Clubs mit fünf Sternen benotet, Wolfsburg und Bremerhaven erzielten nur drei Sterne. Von den 14 Vereinen der DEL2 gab es drei mit Topbewertungen, aus der Oberliga errang lediglich Regensburg die Punktzahl für das Fünf-Sterne-Segment. „Rosenheim hat die meisten Punkte aller Vier-Sterne-Clubs erhalten“, verrät Höfner. Damit sind die Starbulls hinter Ingolstadt, Landshut und Regensburg der Verein mit der viertbesten Nachwuchsarbeit in Bayern – noch vor den DEL-Vereinen aus München, Nürnberg und Straubing. „Das bestätigt unseren Weg und die gute Arbeit unserer engagierten Nachwuchstrainer“, sagt Starbulls-Vorstand Marcus Thaller stolz, weiß aber auch: „Mit der erreichten Punktezahl haben wir nahezu alle Optimierungsmöglichkeiten ausgeschöpft.“

Höfner: „Eine sehr
gute Entwicklung“

Höfner bescheinigt den Rosenheimern eine „sehr gute Entwicklung“. Schließlich sei das Programm dafür da, Strukturen in den Vereinen zu schaffen und den jungen Eishockeyspielern eine ganzheitliche Ausbildung zu ermöglichen. Die Bewertungskriterien des Verbandes gehen deshalb auch von den kleinsten Kufenflitzern bis hin zur U20. Höfner will ein gutes Fundament mit vielen Kindern, die mit dem Eishockey beginnen, und dann eine altersgemäß gute Ausbildung. Schließlich will man im deutschen Eishockey „Voraussetzungen schaffen, um zu den Topnationen aufzuschließen“. Rosenheim sei da ein Paradebeispiel: „Da kommen ja nicht nur Highlight-Spieler für die DEL oder ein Philipp Grubauer raus, sondern alljährlich Spieler, die in den Seniorenbereich wechseln. Das zeugt von einer strukturierten Arbeit über einen langfristigen Zeitraum.“

Thaller: „Unser Ziel
sind fünf Sterne“

Was fehlt den Starbulls dann zum fünften Stern? „Es fehlt ein bisschen was, um den U20-Stern zu bekommen“, sagt Höfner. In den Bereichen U9/U11, U13/U15, U17 sowie Umfeld haben die Rosenheimer nämlich alle Voraussetzungen zur vollsten Zufriedenheit des DEB erfüllt. Lediglich in der Kategorie der ältesten Nachwuchsspieler hakte es. „Da geht es wohl um mehr Eiszeiten“, urteilt Höfner, was Thaller auch bestätigt: „Unser Ziel sind die fünf Sterne. Dafür benötigen wir aber weitere Eiszeiten, was allerdings nur mit einer zweiten Eisfläche möglich wird.“ Weil die Umsetzung wohl noch dauern wird, sind die Starbulls nah dran am fünften Stern, aber doch noch so weit weg.

Die fünf Sterne des DEB: Die Arbeit optimieren, die Spieler entwickeln

Das Fünf-Sterne-Programm des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) befindet sich im fünften Jahr. Es soll „die Arbeit der Nachwuchsorganisationen optimieren“, heißt es im Konzept. „Im Vordergrund steht der passende langfristige Aufbau, durch welchen mehr und besser ausgebildete Spieler entwickelt werden.“ In fünf Kategorien werden die Sterne vom DEB vergeben: Umfeld, Leistung U20, Leistung U17, Grundlage/Aufbau U13 und U15 sowie Rekruiting/Anfänger U7, U9, U11.

Im unteren Bereich werden unter anderem Kooperationen mit Schulen sowie Werbemaßnahmen eingefordert, um Kinder für das Eishockey zu begeistern. Sportlich sollen immer zwei Trainer mit auf dem Eis sein sowie auch regelmäßig Spieler der ersten Mannschaft. Mit ansteigendem Alter steigen dann natürlich die sportlichen Anforderungen. Trainingsvorgaben sind einzuhalten und zu dokumentieren, Trainer müssen an Fortbildungen teilnehmen. Ein Beispiel für die U17: Mindestens fünf Stunden Eistraining pro Woche, dazu mindestens zweieinhalb Stunden Trockentraining sowie einmal wöchentlich ein spezielles Torhütertraining. Für den Sommer sind sechs Trainingsstunden pro Woche vorgegeben, dazu vom DEB festgelegte Athletiktests. Die Trainer müssen lizenziert sein und beispielsweise auch Teambuilding-Maßnahmen durchführen, die Spieler einen Verhaltenskodex unterschreiben und einhalten. Zudem soll die Mannschaft eine eigene Kabine und jeder Spieler dort einen festen Platz haben.

Insgesamt sind 2020 die fünf Sterne an 13 Vereine vergeben worden: Augsburg, Eisbären Berlin, Düsseldorf, Ingolstadt, Iserlohn, Köln, Krefeld, Mannheim, Schwenningen (alle DEL), Bietigheim, Dresden, Landshut (alle DEL2) sowie Regensburg (Oberliga Süd). Der DEB hat aber deutliche Anstiege bei den DEL2-Vereinen im unteren Nachwuchsbereich ermittelt, starke Verbesserungen bei den Punktezahlen in der Oberliga Süd sowie eine teilweise positive Entwicklung bei den Vereinen aus der Oberliga Nord. Allerdings gibt es immer noch DEL-Vereine mit drei und DEL2-Clubs mit zwei Sternen.

Auch Vereine unterhalb der drei oberen Ligen können bewertet werden. So attestiert Ernst Höfner dem EHC Klostersee aus der Bayernliga eine sehr gute Arbeit, die mit drei Sternen belohnt wurde: „Die sind bis zur U15 top in Bayern, danach wechseln viele Spieler zu anderen Vereinen in den Leistungsbereich.“ tn

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