Pöcking – Der in Raubling geborene Jubilar machte sich erst bei seinem Heimatverein, dann bei 1860 München und schließlich beim Freiburger FC einen Namen. Beim TuS Raubling, wo er seit 2016 Ehrenmitglied ist, machte er Tore am Fließband: 114 zwischen 1958 und 1961 in der höchsten Amateurliga. Da wurden die Münchner Löwen auf den Goalgetter aufmerksam und holten ihn an die Grünwalder Straße.
Von der Prämie einen
VW Käfer gekauft
Unter Trainer-Legende Max Merkel machte Anzill in seiner ersten Saison in der Oberliga Süd (damals zweithöchste Spielklasse) fünf Tore, wurde dann 1963 süddeutscher Meister. „Der größte Erfolg meiner Laufbahn“, blickt er zurück. Denn damit war 1860 für die neue Bundesliga qualifiziert – und die Bayern nicht. „Von der Prämie hab‘ ich einem Präsidiumsmitglied einen gebrauchten VW Käfer abgekauft. Und der Merkel hat geflachst: Früher ist er mit der Kuah von Raubling dahergritten kemma und heit fahrt er an Käfer…“
Unter Max Merkel
Pokalsieger 1964
Anzill wurde 1964 auch DFB-Pokalsieger, allerdings ohne Einsatz in der Hauptrunde. Für die Löwen kam er im Winter 1963 auf zwei Bundesliga-Einsätze (2:5 gegen Frankfurt und 1:2 gegen Hertha), 1964 wechselte er zum Freiburger FC, 1966 für ein Jahr nach Münster und 1967 noch mal für vier Jahre nach Freiburg, wo er 1969 als Oberliga-Vizemeister den Bundesliga-Aufstieg um ein Tor verpasste. Von 1964 bis 1966 stürmte Anzill auch in der Bundeswehr-Nationalmannschaft. Sein Trainer war da Dettmar Cramer, sein Zimmerkollege die Schalke-Legende Rudi Assauer. Nach 175 Spielen (64 Tore) für Freiburg („das war eine super Zeit“) wollte Anzill 1971 zurück nach Bayern. Der damalige Starnberger Mäzen Horst Manger bekam das bei einem Treffen in der legendären Schwabinger „Zwickmühle“ mit, holte ihn zur SpVgg und verschaffte ihm auch noch einen Job im Landratsamt, wo er 33 Jahre beschäftigt war. Mit dem Ex-Löwen als Spielertrainer stieg Starnberg auf Anhieb von der A-Klasse in die Bezirksliga auf. 1974 war dann erst mal Schluss bei der SpVgg. Der TSV Gauting, die FT Starnberg, der TSV Großhadern und TuS Geretsried hießen die weiteren Trainerstationen Anzills.
Am 1. Juli 1980 kehrte er dann an die Egerer Straße nach Starnberg zurück – zunächst als Trainer der A-Jugend, weil seine Söhne Manfred und Werner beim Nachwuchs spielten. 1981 wurden die Starnberger Junioren Kreisklassen-Meister und stiegen in die Kreis-Jugendliga auf. 1982 feierten sie auch da die Meisterschaft und den Aufstieg in die Bayernliga. „Den haben wir mit einer Fahrt an die Cote d’Azur gefeiert“, erinnert er sich.
Wiggerl Kögl nach
Starnberg geholt
1982 holte er dann den späteren Bundesliga-Star und Nationalspieler Wiggerl Kögl vom FC Penzberg zur SpVgg-Jugend: „Ich hab‘ einen Tipp bekommen, ihn mir in Penzberg angeschaut – und ich wusste sofort: Der muss her. Ich habe dann mit seinem Vater verhandelt und wir waren uns schnell einig. Auf der Rückfahrt bin ich dann auf der Autobahn über einen Besenstil gefahren. Der Reifen war kaputt, zum Glück ist nicht mehr passiert.“ Kögl wechselte nach nur einer Saison zu 1860 München und 1984 zu den Bayern. Anzill: „Wir haben ein paar Tausend Mark Ablöse bekommen. Der Verein wollte ihn eigentlich sperren. Aber ich habe dann gesagt: Wir können doch seiner Karriere nicht im Weg stehen.“
Manager, Betreuer,
Stadionsprecher
Anzill wurde später „Mädchen für alles“: Manager zu Bayernliga-Zeiten unter Trainer Gerd Ritzer, Betreuer und Stadionsprecher. „Ich hab‘ alles gemacht, sogar den Rasen gemäht“, erzählt er. Und der passionierte Tennisspieler und Skifahrer streifte im hohen Fußball-Alter sogar noch mal das Starnberger Trikot über: Mit 50 Jahren spielte er noch in der zweiten Mannschaft – übrigens an der Seite des Autors dieser Zeilen…