Professionalität gegen Wohlfühlfaktor

von Redaktion

Mit Einsiedler und Marinkovic spielen zwei ehemalige 1860-Angreifer in Bayreuth

Bayreuth – Zwei frühere
Offensivspieler des Fußball-Regionalligisten TSV 1860 Rosenheim stehen aktuell beim Liga-Konkurrenten SpVgg Bayreuth unter Vertrag. Markus Einsiedler (31) und Sascha Marinkovic (27) spielen beim aktuellen
Tabellenvierten in Oberfranken. Ob und wann die unterbrochene Spielzeit 2019/ 20 für die Altstadt und die beiden Ex-Sechziger weitergehen wird, ist aber noch völlig offen. Während Einsiedler bei neun Einsätzen, einem Treffer und einer Vorlage steht, kam Marinkovic in 22 von 23 Spielen zum Einsatz und hat bislang dreimal eingenetzt, zudem zwei Pässe zu Torerfolgen gegeben.

Markus Einsiedler wurde 1989 in Prien am Chiemsee geboren. Sein Heimatverein ist der SV Söchtenau. Doch schon bald wechselte der
Offensivakteur in die Nachwuchsabteilung des TSV 1860 Rosenheim. Die beiden U19-Jahre verbrachte der 1,89 Meter große Angreifer beim SV Wacker Burghausen und spielte dort in der Bundesliga. Auch das erste Herrenjahr bestritt Einsiedler noch in Burghausen,
allerdings in der zweiten Mannschaft, die damals in der „alten“ Landesliga Süd spielte. 2009 zog es Einsiedler, der hinter den Spitzen aber auch in vorderster Front spielen kann, wieder zurück zu den Sechzigern, wo er eine feste Größe wurde. Nach drei Jahren in der Bayernliga Süd war der Stürmer Mitglied der Aufstiegs-Mannschaft, die sich 2012 für die damals neu eingeführte Regionalliga Bayern qualifizierte.

2015 der Wechsel nach Unterhaching

Nach zwei Jahren im bayerischen Amateur-Oberhaus mussten die Sechziger wieder absteigen. Einsiedler blieb noch eine Saison, 2015 wechselte der Linksfuß für zwei Jahre zur SpVgg Unterhaching, mit der ihm der Aufstieg in die 3. Liga gelang. Im entscheidenden Spiel beim 2:2 am 31. Mai 2017 beim SV Elversberg wurde Einsiedler in der 74. Minute eingewechselt, stand also beim Abpfiff zum Aufstieg auf dem Platz. „Das war schon ein ganz besonderes Erlebnis.“ Aber der Lehrer mit den Fächern Sport, Mathematik und Informatik, der im Moment an einem Gymnasium in Bayreuth unterrichtet, wollte den Wechsel in den Profifußball nicht mitmachen und wechselte daher 2017 zurück nach Rosenheim. Im vorigen Jahr suchte Einsiedler den Weg nach Franken. „Eigentlich wollte ich ins Ausland wechseln, aber das hat nicht geklappt.“ Die Entscheidung für Bayreuth
hatte private Gründe, denn er wollte näher bei seiner Freundin sein, die aus Würzburg stammt. Im Moment der Corona-Pause pendelt Einsiedler nun zwischen Würzburg und seinen Eltern in Rosenheim hin und her.

Constantin Sascha Marinkovic, so sein vollständiger Name, wurde 1992 in München geboren. Er ist der Sohn eines Vaters aus Rumänien und einer Mutter aus Serbien. Daher hat der Angreifer auch diese beiden Nationalitäten. Sein Heimatverein ist der ESV München. Weil sich seine Eltern getrennt hatten, wechselte Sascha im Alter von 13 Jahren mit seinem Papa nach Rumänien und wurde dort zunächst in der Fußball-Akademie Gheorghe Hagi ausgebildet. Im Seniorenbereich hatte Marinkovic einige Stationen in Rumänien, unter anderem in der 2. Liga. Weil seine Mutter, die in Rosenheim lebt, erkrankte, kehrte der Filius im Sommer 2015 aus Rumänien nach Deutschland zurück. „Ich wollte dann hier auch wieder Fußball spielen, wusste aber nicht wo und hatte auch keinen Berater. Da habe ich einen Cousin gefragt, ob er einen Verein für mich weiß. Der hat gesagt: Bayern München oder Sechzig München. Das ist aber nichts für mich und da habe ich ihn gefragt, ob es nicht eine andere Möglichkeit gebe. Da kam er dann auf Sechzig
Rosenheim“, erinnert sich Marinkovic. In Rosenheim hatte er eine gute Zeit. 2016 erzielte er den Siegtreffer zum Aufstieg im entscheidenden Relegationsspiel in Aschaffenburg. In der Regionalliga-Saison 2016/17 kam er auf 33 Einsätze und erzielte 14 Tore. Damit war er bester Schütze seines Teams und hatte seinen Anteil am Klassenerhalt.

2017 flatterte ihm ein Angebot vom SV Wacker Burghausen auf den Tisch, das er auch annahm. Gleich in seinem ersten Jahr in Burghausen war Marinkovic 15-mal erfolgreich. Im zweiten Jahr lief es dann nicht mehr so gut und eine Knöchelverletzung mit doppeltem Bänderriss und Kapselriss musste operiert werden. „Ich habe dann zu früh angefangen und kam nicht in Tritt“, erzählt Marinkovic. Das war im Sommer 2019 bei seinem Probetraining beim TSV 1860 München auch der Fall: „Leider war ich da noch nicht in dem Zustand, um meine Bestleistung bringen zu können.“ Stattdessen erhielt der Stürmer ein Angebot aus Bayreuth.

Marinkovic, der Fußball als Profi betreibt, hoffte, dass er nicht wie in Rosenheim Jahr für Jahr gegen den Abstieg spielen muss. Platz vier bis zur Saisonunterbrechung im März zeigt, dass er mit seiner Einschätzung richtig lag.

Einsiedler wird im
Sommer wechseln

Zwischen den beiden Vereinen TSV 1860 Rosenheim und der SpVgg Bayreuth gibt es Unterschiede, die beide ausgemacht haben. „In
Bayreuth ist es mit dem Training einfacher, weil wir da einen festen Platz haben. Das ist ja in Rosenheim
leider so nicht gegeben. Da muss man ja doch oft die Plätze wechseln, manchmal fehlt es auch am Flutlicht oder wir müssen auf Kunstrasen ausweichen“, sagt
Marinkovic. Einsiedler sagt, dass in Bayreuth auch mehr Zuschauerpotenzial vorhanden sei: „Es gibt einen größeren Kern an Fans als in Rosenheim. Aber insgesamt war ich etwas enttäuscht, weil sich das Zuschauer-Interesse in Bayreuth doch in Grenzen hält. Da kommen zu einem Spitzenspiel wie gegen Türkgücü München 1700 Besucher und gegen Schweinfurt 1400 Fans. Aber das haben wir mit Rosenheim gegen die großen Klubs auch geschafft“, sagt Einsiedler, der seine Zelte in Bayreuth wohl am Saisonende abbrechen wird. „Ich gehe davon aus, dass wir in dieser Saison kein Spiel mehr bestreiten werden.
Daher habe ich meine Wohnung in Bayreuth bereits aufgegeben.“ Insgesamt sei das Umfeld bei der SpVgg Bayreuth professioneller
organisiert. Der Wohlfühlfaktor spricht mit dem
familiären Umfeld aber doch für 1860 Rosenheim. Diese Erfahrung haben beide Angreifer jedenfalls gemacht.

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