Bad Endorf/Nürnberg/Wolfsburg – „Beruf ist Berufung. Jeden Tag, wenn ich aufstehe, schaue ich in den Spiegel und lebe danach meine Ziele zu erreichen. Und jeden Abend möchte ich erneut hineinsehen und sagen können, ich habe alles dafür getan“ – das ist ein Satz, der die Lebensphilosophie von Christian Wimmer gut beschreibt. Seit dem 1. Juli dieses Jahres ist er für die U19 des VfL Wolfsburg in der Bundesliga Nord/Nordost zuständig. „Das ist für mich eine sehr spannende Aufgabe. In den ersten Gesprächen waren Jörg Schmadtke, Marcel Schäfer, Pablo Thiam und Francisco Coppi und ich uns sofort über den weiteren Weg einig. Ich freue mich über das entgegengebrachte Vertrauen, die Spieler voranzubringen und ihr Talent zu fördern. Darüber hinaus möchte ich sie lehren, modernen, temporeichen und erfolgreichen Fußball zu spielen, weil das der Philosophie des Vereins und auch meiner persönlichen Philosophie entspricht.“
Als Spieler war Wimmer für den TSV Bad Endorf und den TSV 1860 Rosenheim aktiv, ehe er in der C-Jugend zum FC Bayern wechselte. Beim Rekordmeister spielte er unter anderem mit Bastian Schweinsteiger und gewann zwei deutsche Meistertitel im Nachwuchs. Im letzten Jahr A-Jugend zog es ihn dann zur SpVgg Greuther Fürth, wo er als U19-Kicker schon komplett in der U23 in der Bayernliga spielte: „Ich habe bei den Profis unter Trainer Eugen Hach trainiert und in der Bayernliga bei den Trainern Norbert Schlegel und Frank Kramer gespielt“, blickt Wimmer zurück, „leider war es mir in dieser Zeit nicht vergönnt, dass ich zu einem Einsatz in der 2. Liga gekommen bin“. Nach zwei Jahren bei den Kleeblättlern zog es Wimmer zum SSV Jahn Regensburg in die Regionalliga Süd, was damals die dritte Liga war. Dort verletzte sich der damals 19-Jährige erstmals schwer am Knie und kickte in der Saison 2006/07 für die SpVgg Weiden in der Bayernliga. „Nach der Verletzung war es ein Aufbaujahr für mich“, erinnert er sich. Nach einer Saison ging es weiter, und zwar in den hohen Norden zum Hamburger SV in die U23. Auch beim HSV trainierte Wimmer wieder bei den Profis, Coach war damals Huub Stevens. Für die U23 erzielte er gegen Kickers Emden mit einer Volleyabnahme aus dem Rückraum nach einer Ecke sogar einen Treffer, der in die Ausscheidung zum „Tor des Monats“ kam. Am 20. Mai 2008 erwischte es Wimmer erneut am linken Knie, der damals 23-Jährige zog sich einen Riss der Patellasehne zu, weitere Bausteine des Knies wurden schwer in Mitleidenschaft gezogen: „Was folgte, war ein fast zweijähriger Kampf mit Operationen und Rehamaßnahmen. Ich habe mehrmals versucht, nochmals zurückzukommen, aber es ist mir nicht mehr gelungen.“ Im April 2010 wurde Wimmer Sportinvalidität attestiert.
Was Wimmer ursprünglich erst in späteren Jahren vorhatte, nämlich ins Trainergeschäft einzusteigen, musste er nun vorziehen. In der Saison 2010/11 war er bei 1860 Rosenheim in der Bayernliga für zwölf Spiele Co-Trainer unter Wolfgang Schellenberg – und er trainierte den Nachwuchs der Rosenheimer. Dazu arbeitete er in Diensten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) Ab der Saison 2013/14 gehörte Wimmer dem Trainerstab beim SV Wacker Burghausen an, war Assistent in der 3. Liga und coachte parallel die „Zweite“ in der Bayernliga Süd. Einmal stand er in der 3. Liga als Interimscoach an der Linie. Nach der Zeit in Burghausen wechselte Christian Wimmer nach Ungarn und betreute mehrere Nachwuchs-Nationalmannschaften. Ab 2015 agierte Wimmer dann als Scout beim DFB: „Ich war in ganz Deutschland unterwegs und habe in dieser Zeit ganz eng mit den Nationaltrainern zusammengearbeitet. Ich war sozusagen Auge und Ohr der Nationaltrainer.“ Im Herbst 2016 erreichte Wimmer die Anfrage des SV Wehen-Wiesbaden, dort als Sportlicher Leiter des Nachwuchsleistungszentrums zu arbeiten. „Dieses Angebot war inhaltlich sehr attraktiv“, sagt Wimmer, dem die strukturierte Arbeit im Vereinsfußball liegt. Im Sommer 2017 wechselte der Bad Endorfer in das Nachwuchsleistungszentrum des VfL Wolfsburg. Dort bewohnt der diplomierte Fußballexperte eine Wohnung nur wenige hundert Meter vom Sportzentrum des Bundesligisten entfernt. Wimmer, der einen vierjährigen Sohn hat, bildete dort zuletzt die U15-Mannschaft der VfL-Akademie aus.
Wegen der Corona-Pandemie musste dort auch der Fußball pausieren: „Da hatte ich mal Zeit, nicht nur die letzten zehn Jahre Trainerdasein zu reflektieren, sondern mich auch mal privat mit meinen Brüdern und Eltern zu treffen. Ich habe zum Beispiel auch meine Nichte nach langer Zeit wiedergesehen.“ Mit der Nichte ist die kleine Tochter des älteren Bruders Daniel gemeint. Mit ihm hatte er 2015 erfolgreich die Ausbildung zum Fußballlehrer an der Hennes-Weisweiler-Akademie in Köln-Hennef absolviert. Beide waren das erste Brüderpaar, das diesen Lehrgang gemeinsam zum höchsten Trainerschein in Deutschland bestritt – in der damaligen Ausbildungsklasse waren auch die jetzigen Bundesliga-Trainer Florian Kohfeldt und Marco Rose.
Während Christian Wimmer in der kommenden Saison weiter auf dem Rasen steht, drückt der 38-jährige Daniel Wimmer wieder die Schulbank. Bis Ende Juni war der Fußballlehrer als Sportlicher Leiter im Nachwuchsleistungszentrum des 1. FC Nürnberg tätig. Ab Herbst wird Wimmer in Wien am Studiengang „Diplom-Management für Profifußball“ teilnehmen und dort Impulse für seinen weiteren Berufsweg im Profifußball bekommen.
Auch Daniel Wimmer trat erstmals beim TSV Bad Endorf gegen den Ball, wechselte dann zum TSV 1860 Rosenheim und weiter zum FC Bayern. In der A-Jugend folgte der Wechsel zum 1. FC Nürnberg, wo er das zweite U19-Jahr bereits bei den Herren in der U21 (damals Amateure) in der Bayernliga spielen durfte. In dieser Zeit wurde der Mittelfeldspieler auch in die deutsche U20-Nationalmannschaft berufen. Im Herrenbereich spielte Wimmer beim Club zunächst weiter Bayernliga, wobei ihn Klaus Augenthaler auch zu den Profis holte. 2003 folgte der Wechsel zum SSV Jahn Regensburg. Durch seine Einsätze in der Nationalmannschaft hatte ihn der griechische Zweitligist Doxa Drama auf dem Zettel. Der Bad Endorfer unterschrieb dort im Sommer 2005 einen Drei-Jahres-Vertrag. „Leider musste ich nach einem halben Jahr meine Zelte dort wegen einer Knieverletzung abbrechen. Ich soll einen anderen Weg einschlagen, weil mein Knie den Belastungen im Profifußball auf Dauer nicht standhalten würde“, schildert Daniel Wimmer die damalige Diagnose.
Es ging wieder in die Heimat: Zunächst zum Sportbund Rosenheim, mit dem er in die Landesliga Süd aufstieg, 2009 schloss er sich wieder seinem Jugendverein TSV 1860 Rosenheim an, der damals in der Bayernliga spielte. Parallel zum Fußball in Rosenheim schrieb sich Wimmer an der Universität in Salzburg ein und studierte dort Sport, Latein und Pädagogik. Daneben erwarb er seine Trainerscheine und durfte bei 1860 Rosenheim seine ersten Erfahrungen im Trainerbereich machen. 2013 nahm Wimmer dann ein Engagement bei der SpVgg Unterhaching an und trainierte die U19 in der Bundesliga.
Danach ging’s wieder nach Nürnberg, wo nun auch seine Tochter geboren wurde. Beim Club wurde Daniel Wimmer mit der U17 Meister in der Bayernliga, danach betreute er die U19 in der Bundesliga Süd/Südwest. Bis Ende Juni war Wimmer als Sportlicher Leiter im NLZ tätig. „Ich habe den Club schweren Herzens verlassen. Es hat mir extrem viel Spaß gemacht, ein NLZ zu leiten und beim FCN zu arbeiten.“ Voraussichtlich im Oktober – abhängig vom Verlauf der Corona-Pandemie – wird der Studiengang „Diplom-Management für Profifußball“ am Bundesliga-Campus in Wien stattfinden. „Das Teilnehmerfeld ist hochkarätig. Das läuft ähnlich ab wie der Fußballlehrer-Lehrgang. Es gibt einige Präsenzphasen, in denen Anwesenheitspflicht herrscht. Zudem beinhaltet der Studiengang diverse Hospitationen bei in- und ausländischen Klubs“, erzählt Wimmer. Er sieht diesen Lehrgang als einen entscheidenden nächsten Schritt in seiner Laufbahn: „Dieses Studium bildet ein starkes Fundament, um im Management im Profifußball arbeiten zu können.“ Fest steht, dass er wieder dorthin zurückkehren wird. Es steht aber nicht fest, ob auf dem Rasen oder hinter dem Schreibtisch.