Ruhpolding – Mit WM-Silber in Antholz (Italien) mit der deutschen Staffel verbuchte sie im Februar den größten Erfolg ihrer Laufbahn – doch mit der nächsten WM könnte es eng werden: Karolin Horchler (WSV Clausthal-Zellerfeld) hat einen großen Trainingsrückstand aufzuholen. Die Biathletin des Stützpunkts Ruhpolding wurde in diesem Sommer nämlich gleich zweimal durch einen Rippenbruch zurückgeworfen.
Ob die Zeit reicht, um noch an den nächsten Titelkämpfen vom 10. bis 21. Februar 2021 in Pokljuka (Slowenien) teilnehmen zu können, ist offen. Doch eines ist klar: „Diese WM ist meine große Motivation.“ Die 31-Jährige ergänzt: „Aber ich darf mir keinen Druck machen.“ Derzeit ist für sie die Teilnahme an Wettkämpfen auf jeden Fall „schon noch etwas weit weg“. Sie schätze, dass sie frühestens „Mitte oder Ende Januar“ für Einsätze bereit sein könnte.
Im Training musste sie nach dem vergangenen Winter zunächst einmal deutlich zurückstecken. Noch kein echtes Problem war da eine Operation Anfang April an beiden Schienbeinen. Nach akuten Schienbeinschmerzen (wegen des beidseitigen Kompartmentsyndroms) wurde sie in einer Zeit operiert, in der die Sportler ja ohnehin pausieren. Es folgten erfreuliche Trainingswochen – bis zum ersten Rippenbruch im Juni. Als sie wieder fit war, brach im August die Rippe erneut.
Allmählich geht es jedoch wieder aufwärts. „Ja, es geht inzwischen wieder ganz gut“, bestätigt die 31-Jährige. Seit mehreren Wochen könne sie wieder richtig gut arbeiten, „auch schon wieder mit Skistöcken“. Nach dem Grundlagentraining begann sie, „wieder voll zu belasten“. Nun ist auch das Schießtraining wieder möglich, „nach gut drei Monaten“. Beklagen will sie sich nicht: „Ich bin froh darüber, dass ich wieder alles machen kann. Aber ich hatte zunächst schon gemerkt, dass es mir noch schwergefallen ist“ – zumal sie anfangs beim Liegen auf der Matte noch teilweise Schmerzen verspürte.
Karolin Horchler gehört der Lehrgangsgruppe Ia – das ist im Prinzip das Weltcupteam – an, die von Kristian Mehringer und Florian Steirer betreut wird. Derzeit ist die Sportsoldatin allerdings von ihren Kolleginnen getrennt, die bereits um Weltcup-Punkte kämpfen. Horchler war phasenweise in ihrer Heimat in Ottlar (Hessen) zur Vorbereitung. Von zu Hause aus hat sie nur zwei Autominuten bis zur Trainingsrunde am See („mit den Skirollern ist es aber zu steil dorthin“), auch zum Biathlon-Zentrum nach Willingen sind es nur zehn Autominuten.
Sie hatte zwar Trainingspläne mitbekommen, aber ihre Einheiten absolvierte sie „fast alle alleine“. Beim Schießstand wurde sie von der Trainerin vor Ort betreut, wobei natürlich angesichts der Hygieneregeln auch alles mit dem entsprechenden Abstand ablaufen musste. In dieser Phase ihrer Vorbereitung „hat sich das für mich auch angeboten. Da konnte ich auch mal auf mich hören und das Tempo anpassen.“
Im Mittelpunkt steht für Horchler erst einmal, weiter an ihrer Fitness zu arbeiten – und sich auch im Schießen wieder die gewohnte Sicherheit zu erarbeiten. Anschließend gelte es, „erst einmal überhaupt zu Wettkämpfen zu kommen“ – egal ob im Weltcup oder im IBU-Cup. Erst dann zeige sich, ob sie fit genug sei, „denn die Wettkampf-Belastung ist halt etwas anderes als das Training“.
Daher könnte es knapp werden mit der WM-Teilnahme. Zum einen wegen der nötigen Form, zum anderen, weil sie sich ja auch erst einmal bei anderen Wettkämpfen qualifizieren müsste. Entmutigen lässt sich Karolin Horchler davon aber nicht: Sie versucht erst einmal, sich möglichst gut vorzubereiten, „und wenn der Körper mitspielt, dann ist alles möglich“.who