Rosenheim – 13 Jahre spielte Fabian Zick für die Starbulls Rosenheim, nur ein Jahr schnürte er für Waldkraiburg die Schlittschuhe. Der gebürtige Augsburger war ein „echter Rosenheimer Bua“, erzielte in 657 Spielen (inklusive Nachwuchs) 125 Tore und 133 Assists. Nach der letzten Saison war für ihn in Rosenheim überraschend Schluss. Warum ihn das schmerzt, ob er mit erst 29 Jahren tatsächlich seine Karriere beendet hat und warum es für ihn etwas Besonderes war, fünf Jahre mit Andrej Strakhov in einer Mannschaft zu spielen, verriet „Zicki“ im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen.
Herr Zick, haben Sie jetzt tatsächlich mit 29 Jahren Ihre Karriere beendet?
Für diese Saison sieht es jetzt erst einmal so aus. Für mich ist die Entscheidung der Starbulls, mir keinen Vertrag mehr zu geben, natürlich auch sehr überraschend gekommen.
Für viele andere auch, weil es doch geheißen hat, dass Sie fest eingeplant sind.
Im März hatte ich von allen Offiziellen mündlich die Bestätigung, dass ich mir keine Gedanken wegen der nächsten Saison machen brauche, weil ich fest in der Planung bin. So war der Stand im März. Dann habe ich zwei Wochen gar nichts mehr gehört und von jetzt auf gleich haben sie mir gesagt, dass ich keinen Vertrag mehr bekomme. Mir wurde nur gesagt, dass aus sportlicher Sicht nichts dagegensprechen würde, man sich aber jetzt so entschieden habe. Das war ziemlich bitter für mich, aber ich musste es leider so hinnehmen.
Und die genaue Begründung?
Man könne mir aus finanzieller Sicht keinen Vertrag geben. Der Kader war zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht komplett und es sind danach auch noch viele Spieler dazugeholt worden. Für mich war die Begründung eine vorgeschobene Ausrede, die ich so nicht nachvollziehen kann. Mich hat die Art und Weise wie das kommuniziert wurde gestört. Hätte man mir schon am Ende der Saison gesagt, dass man nächste Saison nicht mit mir plant, dann wäre das auch für mich einfacher gewesen. So ging das über Monate, weil wir ja schon im Dezember vor einem Jahr die ersten Gespräche geführt hatten. Ich brauchte natürlich auch Planungssicherheit.
Sie sind enttäuscht.
Natürlich. Das Ganze hat für mich einen faden Beigeschmack, denn ich war kein Spieler, der nur mal ein oder zwei Spielzeiten hier gespielt hat. Ich war immerhin 13 Jahre Teil der Starbulls. Es war natürlich ein Nackenschlag für mich.
Und deshalb haben Sie beschlossen, ganz mit dem Eishockey aufzuhören?
Als das so abrupt mit Rosenheim beendet war, habe ich mir natürlich schon meine Gedanken gemacht, wie es weitergeht. Ich habe einige Angebote bekommen, wollte aber schauen, dass ich hier regional bleiben kann. Wegen der ganzen Corona-Situation war Eishockey viel zu unsicher und deshalb wollte ich auch an meiner Zukunft arbeiten. Da hat sich mir auch eine sehr gute Möglichkeit geboten und deshalb bin ich beruflich einen neuen Schritt gegangen.
Also doch Karriereende?
Nein, nicht sicher. Eishockey habe ich nicht komplett aus dem Blickfeld verloren. Ich werde einfach die nächste Saison neu bewerten und schauen, wie es nächstes Jahr weitergeht. Vielleicht ergibt sich ja auch in dieser Saison noch die Möglichkeit irgendwo einzusteigen, vielleicht entschließe ich mich aber auch, komplett mit dem Eishockey aufzuhören.
Was machen Sie denn jetzt beruflich?
Ich arbeite jetzt für eine große Klinik-Gruppe aus der Region und bin da im Controlling tätig. Ich arbeite Vollzeit, bin voll fokussiert und konzentriert auf die Arbeit. Ich will mich gut einarbeiten und mir beruflich etwas aufbauen.
Zurück zum Eishockey. Sie haben im Seniorenbereich über 500 Spiele für Rosenheim gemacht. Gibt es da ein Spiel, einen Moment, wo Sie sagen: Das war der Wahnsinn?
In meinem ersten Profijahr sind wir ja gleich aufgestiegen und gerade auf diese Play-off-Serie gegen Bad Nauheim, Herne und Peiting blicke ich natürlich sehr gerne zurück. Vor allen Dingen aufs letzte Spiel, als das entscheidende Tor – und das auch noch in der Overtime – fiel, das bleibt natürlich hängen. Was ich sicher auch nicht vergessen werde, ist die Finalserie in der 2. Liga gegen Landshut. Die war sehr hart umkämpft und leider mit dem unglücklichen Ende für uns.
Und was ist mit dem Tor im Vorjahr gegen Deggendorf im Teddybär-Spiel?
Stimmt. Das hätte ich jetzt fast vergessen. Das war natürlich auch ein ganz besonderer Moment. Kein entscheidendes Tor von mir, aber ein Schlüsseltor zu schießen, nach dem auch die Emotionen kommen beziehungsweise diese ganzen Plüschtiere aufs Eis fliegen, das war schon super. Da waren ja erst ein paar Sekunden gespielt.
Das war eins Ihrer letzten Tore für die Starbulls. Erinnern Sie sich noch an Ihre Anfangszeit? Sie sind mit 15 Jahren nach Rosenheim gekommen.
Das war schon irgendwie ein Abenteuer, denn man ist ja noch ganz jung. Ich habe diesen Schritt zusammen mit einem meiner besten Freunde, Johannes Kroner, aus Augsburg gemacht und da war die Eingewöhnungsphase relativ leicht. Außerdem kannte ich ja auch schon ein paar Rosenheimer von den Spielen mit den Auswahlmannschaften. Wir haben im Studentenwohnheim gewohnt und für die DNL-Mannschaft gespielt. Zum Beispiel mit Raphael Bernegger oder Philipp Grubauer, die mein Jahrgang sind. Ich wurde super aufgenommen, aber es war natürlich schon ein großer Schritt, in so jungen Jahren von zu Hause wegzugehen. Da wird man schnell selbstständig.
Aber die Heimatstadt Augsburg holte einen schnell wieder ein. Erzählen Sie die Geschichte mit Andrej Strakhov!
Als kleiner Junge habe ich Strakhov in Augsburg immer bewundert und zehn Jahre später spielte ich mit ihm zusammen in einer Mannschaft. Das war super und er hat mir immer vorgehalten, wie alt er jetzt geworden sei, wenn schon die kleinen Jungs von früher, die ihn mal bewundert haben, mit ihm in einer Mannschaft spielen. Mit „Straki“ habe ich heute noch regelmäßig Kontakt.
Und mit den Starbulls? Sieht man Sie auch mal wieder im Rosenheimer Stadion?
Momentan wäre es sowieso schwierig, wegen der Corona-Auflagen ins Stadion zu kommen, aber so wie der Abschied gelaufen ist, zieht es mich momentan auch gar nicht dahin.
Mit den Rosenheimer Fans haben Sie aber kein Problem?
Natürlich nicht. Warum auch? Mir hat es immer Spaß gemacht für Rosenheim zu spielen, und vor allen Dingen die Atmosphäre, für die unsere Fans in jedem Heimspiel sorgten, war einfach einzigartig. Das habe ich in keinem anderen Stadion so erlebt! Die Starbulls-Fans sollen einfach weiter so ihre Mannschaft unterstützen. Auch wenn der Abschied nicht gut gelaufen ist, so war es tatsächlich eine sehr schöne Zeit, auf die ich sehr gerne und mit Stolz zurückblicke.