Empfehlung über den Golfclub

von Redaktion

Fachagrarwirt Stefan Gstrein (35) aus Ruhpolding ist Greenkeeper beim FC Bayern

Ruhpolding – „Solange Karl-Heinz Rummenigge und ich etwas beim FC Bayern zum Sagen haben, wird Lothar Matthäus bei diesem Verein nicht einmal Greenkeeper im neuen Stadion“, hatte Uli Hoeneß im November 2002 gesagt, als er mit dem ehemaligen Bayern-Profi im Clinch lag. Brauchte es auch gar nicht, denn der FC Bayern hatte immer schon exzellente Greenkeeper, aktuell sind vier in Festanstellung – und einer davon kommt aus Ruhpolding. Es ist Stefan Gstrein, ein gebürtiger Tiroler, den die Liebe in den Chiemgau spülte. Heute sagt der 35-Jährige: „Ich darf beim FC Bayern arbeiten, das ist ein Traum, denn ich bin glühender Bayern-Fan seit ich ein kleiner Bub war.“

Empfohlen hat sich der Österreicher beim deutschen Rekordmeister über den Golfclub Ruhpolding. Hier arbeitete er sieben Jahre lang im Sommer jeweils als Greenkeeper, im Winter zusätzlich als Skitrainer. Die Ausbildung in Freising war hart und dauerte 13 Monate. Im November 2019 hatte er Urkunde und Abschlusszeugnis feierlich überreicht bekommen, durfte sich ab sofort „Fachagrarwirt Golfplatzpflege“ nennen. „Stefan ist ein hochqualifizierter Mitarbeiter, der sich mit ausgezeichneten Lehrgangsleistungen einen Namen gemacht hat“, freute sich damals Herbert Fritzenwenger als Präsident im „Golfclub der Weltmeister und Olympiasieger“, wie sich die Ruhpoldinger gerne nennen. Aber mit der Freude war es dann bald vorbei, denn Stefan Gstrein träumte schon immer von seinem FC Bayern.

Vor knapp einem Jahr erfüllte sich der Traum. Über ein Praktikum im Rahmen seiner Ausbildung hatte er beim Münchner Vorzeigeclub reinschnuppern dürfen. Dabei hatte er offensichtlich ziemlich viel richtig gemacht, denn, als die Stelle eines vierten Greenkeepers ausgeschrieben wurde, erinnerte sich der Head-Greenkeeper der Bayern, Christian Dinauer, an den Ruhpoldinger und stellte ihn zum 1. November 2020 ein.

Der erste große Einsatz von Stefan stand aber unter keinem guten Stern. „Rekordmeister rutscht im Schnee aus“, titelten die Zeitungen nach einem 3:3 gegen Arminia Bielefeld am 21. Spieltag der letzten Saison. Es war eine Bauchlandung für die Bayern im ersten Spiel als Club-Weltmeister. Die Partie musste zweimal unterbrochen werden, um die Schneemassen vom Feld zu bekommen. Die Rasenheizung in der Allianz-Arena war überfordert. „Das war schlimm, ich erinnere mich noch gut an die dicken Flocken, wir mussten alle Schnee schaufeln. In der Pause hatte Co-Trainer Hermann Gerland auch eine Schaufel gefordert und half mit.“ Dann wurden die Bälle ausgewechselt und Bayern holte nach einem 0:2-Pausenrückstand wenigstens noch einen Punkt. „Meine Spezl machten sich alle lustig über mich, es war mega Resonanz da, alles lief in die Richtung, dass ich den Bayern Unglück bringen würde“, erzählt Gstrein.

Lob von Kimmich nach einem EM-Spiel

Natürlich konnte der neue Bayern-Greenkeeper nichts für die Wetterkapriolen. Den Ritterschlag erhielt er Monate später von Joshua Kimmich, der ihm nach dem EM-Spiel gegen Ungarn auf dem Weg in die Kabine zurief: „Super, danke! Bis bald!“ So etwas freue einen dann schon sehr, grinst der Ruhpoldinger, der bei den Bayern zumeist am Campus eingesetzt wird. Hier hat er den Stadionplatz, die fünf Trainingsplätze und die beiden Kunstrasenplätze zu betreuen. Insgesamt sind für die Platzpflege in der Allianz-Arena, an der Säbener Straße und am Campus vier Greenkeeper des FC Bayern im Einsatz, dazu kommen drei von der Allianz-Arena und Mitarbeiter von zwei angemieteten Gärtner-Firmen.

„Es gibt eine Menge zu tun, die Plätze müssen immer bestens in Schuss sein“, sagt der Fachagrarwirt, der mittlerweile den gesamten Fuhrpark bedienen kann und muss. Und der ist gewaltig: Allein am Campus gibt es drei große Bulldogs, einen Spindelmäher, einen Sichelmäher mit Absaugung des Mähgutes, normale Handrasenmäher für Bäume und Böschungen, Freischneider, Heckenschere und so weiter. Schließlich geht es auch darum, den Scherenschnitt optimal hinzubekommen oder mit Walzen den sogenannten Licht-Schatten-Effekt zu erzeugen.

„Der Job macht großen Spaß, ist aber schon eine Philosophie für sich“, sagt der gelernte Buchbinder, der auch oft in der Arena eingesetzt wird. Hier geht es für ihn dann auch um Lichter, Toraufbau und Netzkontrolle, um Eckfahnen und Linien und um das Rasenmähen mit der Hand. Vor allem bei den Linien ist Millimeterarbeit gefragt. War es früher noch eine Schnur, die die Richtung vorgab, so wird mittlerweile längst mit Laser und Spiegel gearbeitet. Und wenn die Lichterkette mit den LED-Lampen nachts über dem Rasen ausgefahren wird, hilft Gstrein oftmals mit. Die Lichter dienen dem optimalen Rasenwuchs.

Sein Tag startet immer um sechs Uhr morgens, dann fährt er mit dem Golf-Car über die Anlage am Campus. Dabei werden auch die beiden Kunstrasenplätze immer begutachtet. „Nachsehen, Lüften, Mähen, Auf- und Wegräumen“, lautet die Parole für die erste große Runde, ehe es an die richtige Arbeit geht. Guten Kontakt pflegt er unter anderem zu Bayerns Damen-Erfolgstrainer Jens Scheuer, schließlich bestreiten die Damen die Heimspiele im Campus, wo auch die männliche U19 und die U17 daheim sind. Und da geht es auch um Champions-League-Punkte. Oftmals dauert der Arbeitstag über zehn Stunden. „Kein Problem“, sagt Gstrein, der sich mit dem Ruhpoldinger Markus Lang eine WG in München teilt. Und wenn am Wochenende mal frei ist, dann genießt Stefan die Stunden bei der Freundin in Ruhpolding.

Für Hobbys bleibt dennoch Zeit. Der Wahl-Chiemgauer ist begeisterter Berggeher, Biker, Skifahrer, Tourengeher und Golfer, aber in die Heimat nach Sölden zieht es ihn gar nicht mehr zurück. „Da sind die hohen Berge herum, da habe ich ein Enge-Gefühl, das gibt es in Ruhpolding nicht“, schmunzelt der Greenkeeper, der sich in der Freizeit gerne die Bayern ansieht. „Da werden unter den Mitarbeitern immer Freikarten verlost, beim Champions-League-Spiel gegen Kiew hatte ich Glück“, sagt er, der den Bayern offensichtlich auch Glück bringen kann. „Da war ich aber auch privat im Stadion, anders als gegen Bielefeld.“

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