Rosenheim – Mit zwei Siegen am Stück hat sich der TSV 1860 Rosenheim zuletzt in der Fußball-Regionalliga Bayern wieder näher ans rettende Ufer herangerobbt. Nun droht ein Ende des Aufschwungs – und eine Niederlage am grünen Tisch. Bei den Sechzigern hatten sich nämlich sechs Spieler auf einen Schlag krankgemeldet. Die genaue Diagnose steht noch aus. Weil Samstagsgegner TSV Aubstadt einer Spielverlegung nicht zugestimmt hatte, wird sich nun das Sportgericht damit beschäftigen. Womöglich gibt es eine Spielwertung.
„Alle Spieler haben die gleichen Symptome“, vermeldet Rosenheims Sportlicher Leiter Hans Kroneck, „wir haben dann aus Sicherheitsgründen schon das Training am Donnerstag abgesagt“. Die betroffenen Spieler haben sofort die notwendigen Corona-Tests gemacht und die Verantwortlichen des TSV 1860 sich mit dem Gegner aus Aubstadt in Verbindung gesetzt. „Wenn sich die Krankheitsfälle als Corona-Fälle herausstellen würden, dann hätte uns Aubstadt eine Spielverlegung in Aussicht gestellt“, erklärte Kroneck. Die große Frage, die sich die Sechziger-Verantwortlichen aber gestellt haben, ist: „Was ist mit der Inkubationszeit. Was passiert, wenn das doch ausbricht und die Mannschaft zuvor mehrere Stunden im Bus nach Aubstadt sitzt, dann gemeinsam in der Kabine ist und später mehrere Stunden miteinander im Bus heimfährt?“ Kroneck fragt zu Recht: „Weshalb kann man sich als Kontaktperson 1 aktuell in Bayern erst nach sieben Tagen freitesten? Wegen der Inkubationszeit.“ In der Regionalliga hätte diese Regelung plötzlich keine Gültigkeit mehr.
Deshalb sind die Rosenheimer Verantwortlichen zum Entschluss gekommen: „Wir treten aufgrund der Verantwortung gegenüber unseren Spielern nicht an.“ Beim Partnerverein SpVgg Unterhaching hat Kroneck gesehen, wie schnell es gehen kann. Plötzlich war eine zweistellige Spieleranzahl infiziert, auch doppelt Geimpfte – und der Spielbetrieb für annähernd zwei Wochen lahmgelegt. „Es geht um die Gesundheit der Spieler“, sagt Kroneck, der auch weiß, dass dieser Schritt ein Novum in der höchsten bayerischen Fußballliga ist. „Wir sind die erste Mannschaft, die so einen Schritt geht. Aber wir geben die drei Punkte her, wenn‘s brennt. Da geht die Gesundheit vor den Tabellenplatz. Geht man für ein Fußballspiel das Risiko ein, dass ich die Burschen gefährde?“ Rosenheims Sportlicher Leiter hinterfrägt: „Was ist, wenn einer der Jungs schwer erkrankt und dann vielleicht Folgeschäden hat? Wer übernimmt dann die Verantwortung dafür?“ Seine Antwort: „Das maße ich mir nicht an!“
Kroneck erklärt, dass dieser Entschluss bei den Sechzigern im gemeinsamen Diskurs gefallen ist: Abteilungsleitung, Sportliche Leitung, Trainerteam und Mannschaftsrat hätten einstimmig diese Entscheidung getroffen. Am Freitagnachmittag hatte Aubstadt den Rosenheimern dann mitgeteilt, dass sie dem Verlegungswunsch nicht zustimmen werden. Danach setzten sich die Sechziger mit dem Bayerischen Fußball-Verband (BFV) in Verbindung, um ihren Entschluss vorzubringen. Der BFV setzte die Partie nun erst einmal ab. „Wir haben nun die Möglichkeit zur schriftlichen Stellungnahme“, sagt Kroneck. Diese wird wohl am Montag erfolgen. Derweil werden dann die komplette 1860-Mannschaft, das Trainerteam und der Betreuerstab allesamt Corona-Testungen absolvieren.