Der steinige Weg der Eisprinzessin

von Redaktion

Nach schwerem Trainingsunfall startet Michelle Uhrig in Peking

Inzell/Peking – Vor einem Jahr ist es für Eisschnellläuferin Michelle Uhrig nur ein Traum gewesen, an den Olympischen Spielen in Peking teilzunehmen. Auf die 26-Jährige hagelte ein Schicksalsschlag nach dem anderen nieder. Jetzt hat es die Bundespolizistin aus Berlin doch noch geschafft und befindet sich bereits in China. „Du bist das medizinische Wunder der vergangenen zehn Jahre“, meinte der Arzt, nachdem er die Einträge in ihrer Krankenakte gesehen hatte.

„Der Weg war sehr steinig“, sagt Uhrig, die Inzell mittlerweile als ihre zweite Heimat sieht. 2020 wurde sie beim Training mit dem Fahrrad von einem Auto umgefahren. Dabei wurden beide Knie verletzt, eine Operation folgte. „Danach konnte ich relativ schnell wieder aufs Eis, hatte allerdings immer noch starke Schmerzen“, erinnert sich Uhrig, die in den sozialen Netzwerken unter dem Namen „Eisprinzessin“ Bemerkenswertes aus ihrem Leben postet. Es folgte erneut eine Operation – und ihr Leidensweg begann von vorne. „Ich wusste bereits, was auf mich zukommt. Ich hatte zum Beispiel in den Oberschenkeln keine Muskelfunktion mehr“, erzählt sie.

Nach der Operation im Frühjahr 2021 wurde die Zeit knapp, um noch das Ticket für Olympia zu lösen. „Ich musste ja zuerst gesund werden und dann stand noch die sportliche Qualifikation bevor.“ Zunächst war die Wahl-Inzellerin mit den Inlineskates unterwegs, um so wieder die notwendige Ausdauer zu erreichen. Sechs Monate nach der OP wurde die gebürtige Berlinerin deutsche Meisterin. Diesen ersten Schritt zurück hat sie auch ihren Trainern Helge Jasch und dem Franzosen Alexis Contin zu verdanken. „Vieles habe ich aber auch im Kopf gelöst. Es gab keinen Plan B, sollte es sportlich nicht klappen. Ich hatte nur den Plan A im Kopf – und der hieß: Zurück aufs Eis. Ich bin halt ein richtiges ,Stehauf-Weibchen‘“, sagt sie. Unterstützung bekam sie von Freunden und vor allem ihrer Mutter. „Sie hat mich in der schweren Zeit überall hingefahren und mir Mut gemacht“, meint sie dankbar.

Letztendlich schaffte Uhrig beim Weltcup in Salt Lake City doch noch die Qualifikation für die Olympischen Spiele. Dort wird sie ihr Glück über 1500 Meter und im Massenstart versuchen. „Der Massenstart taugt mir, da kann alles passieren. Ich will auf alle Fälle unter die besten Acht kommen“, gibt sie als Ziel aus.

Froh ist Michelle Uhrig auch, dass sie in der Inzeller Max-Aicher-Arena immer beste Bedingungen zum Training hatte. Schließlich hatte es lange wegen diverser Baumaßnahmen in Berlin kein Eis gegeben. „Trotzdem werde ich Berlin nie hinter mir lassen. Dort habe ich meine ersten Schritte auf dem Eis gemacht“, erinnert sie sich – allerdings zunächst beim Eishockey und beim Eiskunstlauf. Erst mit zwölf Jahren wechselte sie zum Eisschnelllauf und erlebt da nun schon ihre zweiten Olympischen Spiele.shu

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