Kolbermoor – Es war kein Spiel, das lange in Erinnerung bleibt. Vor knapp zehn Tagen mussten sich die Tischtennis-Damen des SV-DJK Kolbermoor in der Bundesliga dem TSV Langstadt mit 4:6 beugen. Mittlerweile ist es doch eine ganz besondere Begegnung geworden: In einem der beiden Eingangsdoppel standen für Kolbermoor der ukrainische Neuzugang Ganna Farladanska und die Russin Svetlana Ganina Seite an Seite.
Die Spannungen zwischen den beiden Staaten hatte es damals zwar schon gegeben, die Situation war allerdings noch nicht eskaliert, als die beiden Osteuropäerinnen zum Doppel antraten. Das Spiel ging zwar verloren, aber: „Sie haben sehr gut harmoniert“, meinte Kolbermoors Trainer und Abteilungsleiter Michael Fuchs. Noch mehr: Beide haben sich dabei gegenseitig – sowohl im Doppel wie auch später im Einzel – immer wieder unterstützt. Ihr Vorteil ist die gemeinsame Sprache: „Mit Svetlana spreche ich russisch und mit den anderen deutsch“, sagte Farladanska damals.
Es war der einzige gemeinsame Auftritt der beiden Spielerinnen bislang – und wird es wohl auch für die nächste Zeit bleiben. Denn Farladanska hatte nach dem Spiel wieder den Weg in ihre Heimat angetreten, wo sie in Odessa lebt. Dort wollte sie trainieren, ins Fitnessstudio gehen und die Zeit mit ihrem Kind verbringen. „Auch der Ligenspielbetrieb ist noch wie immer gelaufen“, erzählte sie – was sich mit dem russischen Angriff natürlich geändert hat. Ganina verfolgt die Nachrichten in ihrem Wohnort in Düsseldorf am Fernsehgerät.
Die Russin ist eine feste Größe in der Kolbermoorer Bundesliga-Mannschaft. Ihre ukrainische Teamkollegin war eigentlich in dieser Saison noch für einen Einsatz in der zweiten Mannschaft, die in der 2. Bundesliga spielt, eingeplant. Allerdings ist nun nicht sicher, ob der Weg aus der Ukraine für Farladanska offen ist. Aktuell hat es den Anschein, als ob die Paarung aus dem Langstadt-Spiel eine einmalige Angelegenheit war.