Rosenheim – In der Sache richtig war es ja, was da am Samstag in der Vorschau der OVB-Heimatzeitung aufs Oberliga-Eishockeyspiel der Starbulls Rosenheim in Memmingen stand: nämlich alle restlichen Spiele zu gewinnen und am Schluss als Punktrundenbester ins Play-off zu gehen. Allerdings folgte der erste Dämpfer bereits in eben diesem Spiel, und das war auch keine große Überraschung.
Sicher, das Sicinski-Team hat nach wie vor die beste Auswärtsbilanz der Liga, aber Memmingens Lauf war noch von einem anderen Kaliber. Seit die Starbulls ihnen Anfang Dezember die einzige (!) Heimniederlage der Saison beigebracht hatten, konnten die Allgäuer 18 der letzten 19 Partien gewinnen. Und da diese Niederlage mit 2:7 damals ziemlich demütigend ausgefallen war, hatten sie vermutlich noch ein Stück zusätzliche Motivation, die Dinge aus ihrer Sicht wieder geradezurücken.
Und so sind für die Starbulls, die im Gegensatz zu den Konkurrenten um den Titel keine „Selbstläufer“ mehr als Gegner haben, nun realistisch gesehen die beiden Begegnungen mit Regensburg die eigentlichen Endspiele – und zwar um Rang drei. Denn sollte auch nur eine der beiden Partien gegen die Eisbären verloren gehen, haben diese die weitaus besseren Karten, um bei acht ausgetragenen Spielen weniger den Rosenheimer Punktequotienten noch zu überbieten.
Immerhin fing das „Unternehmen Endspiele“ am Dienstag recht gut an, denn es gelang im dritten Anlauf endlich, was zuvor zweimal knapp schief gegangen war, nämlich Tabellenführer Weiden zu bezwingen. Man erinnere sich: Am 7. November fehlten ganze 45 Sekunden zu einem Heimdreier, ehe die Blue Devils nach dem Last-Minute-Ausgleich und der kürzesten Rosenheimer Overtime aller Zeiten (fünf Sekunden) zwei Punkte entführten. Und kurz vor Weihnachten reichte in Weiden eine 2:0-Führung nach gut sechs Minuten auch nicht zum Erfolg. Wieder hieß es am Schluss 3:2 für die Oberpfälzer, diesmal sogar in regulärer Spielzeit. Die letzten vier Aufeinandertreffen endeten allesamt mit diesem Ergebnis, am Dienstag zum ersten Mal zugunsten der Starbulls.
Dabei wäre überraschenderweise sogar ein Zu-Null möglich gewesen, aber der Weidener Doppelschlag ohne Torhüter machte es noch einmal unnötig spannend – und das, nachdem Andi Mechel zuvor gegen Riessersee und Weiden fast 92 Minuten lang seinen Kasten sauberhalten und damit die Saison-Bestmarke von Anfang Januar (Mechel und Kolarz gegen Riessersee und Peiting) noch um eine Minute übertreffen konnte. Aber dann folgte besagter Doppelschlag, und ein solcher wiederholte sich auch am Sonntag, als man nach Aaron Reinigs Ausgleich binnen 52 Sekunden mit zwei Gegentreffern in den entscheidenden Rückstand geriet. Es war allerdings erst das fünfte Mal in der laufenden Spielzeit, dass man zwei Treffer in weniger als zwei Minuten kassierte.
Auffällig: Während Höller & Co. in erfolgreicheren Saisonphasen oft schon im ersten Drittel für eine kleine Vorentscheidung sorgten, kommen sie zurzeit nur schwer aus den Startlöchern. In den letzten drei Begegnungen schossen sie im Anfangsdrittel keinen einzigen Treffer, während sie in den 35 Spielen davor nur sechsmal in den ersten 20 Minuten „blank“ geblieben waren. Gegen Weiden und davor in Garmisch fiel das 1:0 erst jeweils in der 22. Minute, während die Starbulls davor spätestens in der zehnten Minute (zu Hause) beziehungsweise in der 16. Minute (auswärts) in Führung gegangen waren.
Zwei individuelle Serien sind am Sonntag gerissen, weil Brad Snetsinger erstmals seit dem zweiten Weihnachtsfeiertag (!) ohne Scorerpunkt blieb. Immerhin hat er sich aber mit seinen Leistungen schon in den Top Ten der Allzeit-Oberliga-Historie verewigt. Mit zwölf Spielen in Folge mit 18 Assists schloss er zum bisherigen Rekordhalter Dylan Stanley auf und erzielte in diesen zwölf Spielen sogar noch zwei mehr als Stanley, und auch seine Serie von 15 Spielen mit mindestens einem Scorerpunkt (acht Tore, 21 Assists) wurde seit 2004 nur von Dylan Stanley, Mitch Stephens, Curtis Leinweber und Kyle Gibbons, dazu eine Klasse höher von Corey Quirk (18 Spiele), übertroffen.
Apropos Curtis Leinweber, der in Memmingen bei den Kontingent-Spielern den Vorzug vor Zack Philipps bekam: Von seinen zehn Saisontoren hat er nur ein einziges auf eigenem Eis erzielt, die anderen neun (inklusive einen entscheidenden Penalty im Shootout in fremden Hallen.