Traunreut – Im Fußball-Kreis Inn/Salzach endet eine Ära. Seit fast 16 Jahren entscheidet Stephan Bierschneider als Vorsitzender des Kreis-Sportgerichts über Platzverweise, Spielabbrüche und alles andere, was auf und neben den Fußballplätzen nicht regelkonform läuft – mit einem ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit und dem nötigen Humor. Oder wie es der Kreisvorsitzende Michael Baumann (Rosenheim) auf dem Kreistag des Bayerischen Fußball-Verbands (BFV) in Traunreut ausdrückte: „Stets mit Augenmaß und mit dem Ziel, für unsere Vereine da zu sein.“ Zum Saisonende übergibt Bierschneider – im Hauptberuf Bürgermeister von Altenmarkt – sein Amt an seinen bisherigen Beisitzer Johann Sickinger (Tacherting).
Er hat ein neues Team zusammengestellt, weil auch Herbert Lainer (Altenmarkt) das Sportgericht verlässt. Doch es besteht aus alten Bekannten: Carmen-Jutta Gardill aus Seeon, die im vergangenen Jahr aus gesundheitlichen Gründen als Kreisvorsitzende zurückgetreten war, fungiert zusammen mit dem ehemaligen Chiem-Spielleiter Dietmar Schwarz (Traunreut) als Beisitzer. Gardill bleibt zudem Ehrenamtsbeauftragte des Kreises.
Die Corona-Pandemie mit zwei langen Zwangspausen hat den BFV auch zwischen Inn und Salzach zurückgeworfen. Die Saison 2019/21 wurde verlängert und blieb trotzdem letztlich unvollendet. Vielen Vereinen fiel es schwer, Spieler bei der Stange zu halten, vor allem bei Frauen und Mädchen schmolzen die Mannschaftszahlen, der Schiedsrichter-Nachwuchs blieb teilweise aus. Unter dem Motto „Auf die Plätze“ sollen die Kinder wieder zum Kicken motiviert werden – mit ersten Erfolgen. „Seit Herbst gehen die Zahlen wieder nach oben“, berichtete der oberbayerische Bezirksvorsitzende Robert Schraudner (München). Doch die Vereine kämpfen weiter mit Spielabsagen und dem Rückzug ganzer Mannschaften aus den Ligen. „Leider ist Corona noch nicht vorbei“, so Schraudner. Er hoffe, dass Anfang April auch die letzten „unsinnigen“ Beschränkungen auf den Sportplätzen fielen – etwa dass die wenigen Zuschauer bei E-Jugend-Spielen auf ihren Impfstatus überprüft werden müssten.
Verbandspräsident Rainer Koch, sonst ein regelmäßiger Gast auf Kreistagen, überbrachte nur eine Grußbotschaft per Video. Er war auf dem DFB-Bundestag vor zwei Wochen als Präsidiumsmitglied abgewählt worden. Wie es für ihn beim BFV weitergeht, ist offen. Sein Vize Schraudner warnte vor übereilten Entscheidungen. Bis zu den Bezirkstagen, die Ende April anlaufen, müsse aber Klarheit herrschen.
Baumann lobte vor den 90 Vereinsvertretern, die trotz der jüngsten Corona-Welle ins „k1“ nach Traunreut gekommen waren, das gesellschaftliche Engagement der Fußballer: von Impfstationen über Hilfsaktionen für den vom Hochwasser heimgesuchten TSV Berchtesgaden bis zur Sammlung von Hilfsgütern für die Ukraine. Der 35-Jährige will mit den Vereinen mehr ins Gespräch kommen und unter anderem die niedrigen Teilnehmerzahlen im Toto-Pokal und in der Halle (Futsal) wieder steigern.
Er wurde ebenso einstimmig im Amt bestätigt wie Kreisspielleiter Hans Mayer (Petting), Bernhard Hellmich (Jettenbach) als Kreisjugendleiter und Michaela Heinzlmeier-Meissl als Beauftragte für Frauen und Mädchen. Gegenkandidaten gab es nicht. Die Schiedsrichter hatten zuvor schon Sepp Kurzmeier (Ramerberg) als Kreisobmann wiedergewählt. Mayer hat ein neues Team von Herren-Spielleitern um sich geschart. Alexander Hübner (Gars/München) organisiert seit dem Sommer die Gruppe Chiem. Zur Rückrunde übernehmen Chris Sotis (Seebruck) die Gruppe Ruperti und Jean Stodden die Gruppe Inn. Der Rechtsanwalt aus Vachendorf folgt damit auf Reinhard Klötzler, der im Winter zurückgetreten war.
Nicht durchsetzen konnte sich der SV Ramerberg mit seinem Antrag, die Wartefrist für den Einsatz von Spielern aus der ersten Mannschaft in zweiten Mannschaften zu verkürzen. Bisher müssen sie vorher zwei Spiele, maximal aber 15 Tage aussetzen. Der Kreisklassist wollte das auf ein Spiel oder maximal zehn Tage verkürzen, um die verfügbare Spielerdecke vor allem von kleineren Vereinen zu vergrößern. BFV-Bezirkschef Schraudner warnte aber vor Wettbewerbsverzerrungen: Höherklassige Vereine könnten dann an spielfreien Wochenenden leicht mit der ersten Mannschaft anstelle der Reserve antreten. Dem Argument folgte eine große Mehrheit der Vereine.
Auf offene Ohren stieß dagegen der DJK-SV Griesstätt mit dem Vorschlag, die Spielerpässe auf Papier abzuschaffen. Das sehe der Verband ähnlich, sagte Schraudner, die Umstellung auf digitale Lizenzen sei aber nicht vor Juli 2023 umsetzbar. Der Antrag wird nun an den Bezirkstag weitergeleitet. ah