Rosenheim – Das Viertelfinale der Oberliga-Play-offs verläuft für die vier Spitzenclubs des Südens ziemlich unterschiedlich. Während Südmeister Weiden nach zwei Niederlagen gegen die Hannover Indians schon am Abgrund steht und Vizemeister Memmingen am Dienstagabend gegen Tilburg bereits den Halbfinal-Einzug klar machen könnte, verlaufen die Serien von Regensburg und Rosenheim mit je einem Sieg sehr ausgeglichen. Unterschied: In der Eisbären-Serie gegen Halle siegte beide Male der Gast, während die Starbulls und die Scorpions, in der Punkterunde auswärts erfolgreicher als auf eigenem Eis, ihre Heimspiele für sich entscheiden konnten.
In beiden Partien zeigte sich, dass die Teams komplett auf Augenhöhe agieren, wobei der Rosenheimer Sieg am Sonntag zwar von der Tordifferenz her gleich ausfiel wie die Niederlage zwei Tage davor, aber nicht ganz so heftig umkämpft war wie diese, die sogar erst mit dem Empty-Net-Goal durch Starstürmer Tyler Gron in der letzten Minute endgültig entschieden wurde.
Betrachtet man die bisher gespielten 120 Minuten genauer, sieht man, dass die Scorpions erst ein knappes Sechstel der Zeit in Front lagen, während die Zeitspannen eines unentschiedenen Standes (rund 52 Minuten) und einer Rosenheimer Führung (rund 48 Minuten) ähnlich lang waren. Und noch etwas ist auffällig: Der jeweilige Verlierer stellte in beiden Partien viel zu früh das Toreschießen ein. In Hannover gelang den Starbulls kein Tor in den letzten 29 Minuten, während die Scorpions nach ihrem einzigen Treffer in Rosenheim sogar gut 39 Minuten ohne zählbaren Erfolg blieben! Dieses Tor, erzielt vom Ex-Rosenheimer Mario Valery-Trabucco, fiel ausgerechnet in der ersten Minute des Mitteldrittels, in dem die Starbulls in den vorausgegangenen 45 Saisonspielen noch kein einziges Tor kassiert hatten. Ebenso verblüffend und auch ein bisschen kurios: Das Rosenheimer Führungstor durch Alex Höller fiel fast in der gleichen Sekunde (13:53) wie das Hannoveraner 1:0 durch Christoph Koziol (einem weiteren ehemaligen Starbull) am Freitag (13:54). Der dritte Ex-Rosenheimer, Thomas Reichel, fehlte am Freitag und blieb am Sonntag ohne Scorerpunkt.
Koziol und Verteidiger Robin Thomson sind übrigens die einzigen Scorpions, die schon bei den Begegnungen der Play-offs 2018 und 2019 dieses Trikot trugen, während im Starbulls-Dress mit den Verteidigern Krumpe, Draxinger und Vollmayer sowie den Stürmern Höller, Daxlberger und Heidenreich schon sechs Spieler Play-off-Erfahrung gegen die Hannoveraner gesammelt haben. Max Vollmayer, in den neun Partien damals mit sechs Scorerpunkten bester Rosenheimer, blieb diesmal in beiden Spielen punktlos, während Höller und Daxlberger, damals ebenfalls mit mehr als einem Scorerpunkt, am Freitag ebenfalls eine Nullnummer hinlegten, am Sonntag aber mit einem Tor (Höller) und einem Assist (Daxlberger) zum Gelingen des Abends beitrugen. Kevin Slezak und Curtis Leinweber punkteten in beiden Spielen des Wochenendes, Leinweber sogar in allen bisher fünf absolvierten Play-off-Partien.
Anders als die Crocodiles Hamburg im Achtelfinale, die im letzten Drittel nicht die Spur einer Chance hatten und in drei Spielen mit insgesamt 2:7 untergingen, konnten die Scorpions am Freitag gleich zwei Tore erzielen. Im Anfangs- und im Mittelabschnitt waren Tölzer & Co. dagegen mit 2:1 beziehungsweise 3:2 erfolgreicher. Je fünf Tore haben die beiden Teams bisher erzielt, und bei gleicher Spielerzahl hatten die Starbulls mit 4:2 die Nase vorn, während das Powerplay (bei allerdings nur drei Gelegenheiten) bisher nicht funktionierte. Immerhin konnte Steffen Tölzer den beiden Überzahltoren der Scorpions auch einen Shorthander entgegensetzen. Das letzte Tor in der Bilanz fiel wie erwähnt ins leere Rosenheimer Gehäuse, übrigens schon der dritte Shorthander in fünf Play-off-Matches; zwei hatte ja Höller gegen Hamburg erzielt.
Und dann muss natürlich noch Max Hofbauer erwähnt werden. Der Rückkehrer aus Landshut wurde bisher immer wieder zurückgeworfen, doch nach seinem ersten Assist in der allerletzten Punktrundenbegegnung gelang ihm nun, als Ersatz für den verletzten Brad Snetsinger, in seinem 19. Saisonspiel endlich sein erster Treffer für die Starbulls seit dem 10. März 2015 (zwei Tore beim 4:1 gegen Weißwasser).