Ruhpolding – Mit Gold und Silber hatten die deutschen Juniorenteams vorgelegt – doch auch die Damen und Herren des Deutschen Skiverbands überzeugten bei der Biathlon-Sommer-Weltmeisterschaft in der Ruhpoldinger Chiemgau-Arena mit hervorragenden Leistungen und sorgten für große Begeisterung in der gut gefüllten Arena.
Im Super-Sprint knüpften die deutschen Männer an das starke Ergebnis der Juniorinnen an: Auch sie schafften einen WM-Titel und brachten vier Athleten unter die besten Acht. Den Sieg holte sich in einem dramatischen Finale eines „Sechserpacks“ Philipp Horn (SV Frankenhain) vor dem schwedischen Duo Sebastian Samuelsson (+ 0,2) und Peppe Femling (+ 0,7) sowie Justus Strelow (SG Stahl Schmiedeberg/+ 0.9), Heikki Laitinen (Finnland/+ 1,3) und Philipp Nawrath (SK Nesselwang/Stützpunkt Ruhpolding/+ 1,5). Der achte Platz ging an Lucas Fratzscher (+ 20,0), Rang 15 an Roman Rees (+ 52,7). „Es war ein grandioses Rennen und unglaublich schön, wieder vor Zuschauern zu laufen und gerade vor Heimpublikum“, sagte Horn.
In der Qualifikation des Super-Sprints, die wie üblich im Einzelstart ausgetragen wurde, hatten gleich fünf der sechs beteiligten deutschen Männer einen Platz im Finale der besten 30 erkämpft. Schnellster auf der 4,5 km langen Strecke war jedoch der Belgier Thierry Langer geworden, der fehlerfrei schoss – er war damit der einzige neben dem viertplatzierten Tschechen Vitezslav Hornig. Ein Fehlschuss zuviel unterlief beim deutschen Team David Zobel (SC Partenkirchen). Er musste insgesamt fünfmal in die 75 Meter lange Strafrunde. Wie brutal es im Super-Sprint hergehen kann, zeigte sich an Vorlaufsieger Thierry Langer (Belgien): Der 30-Jährige verzeichnete im Finale – in dem es vier statt zwei Schießeinlagen gibt – acht Fehlschüsse und kam letztlich „nur“ auf den 25. Platz.
Bei den Damen hatten es vier Deutsche ins Finale geschafft. Zweite wurde Anna Weidel (WSV Kiefersfelden) hinter Marketa Davidova (Tschechien) und schoss dabei auch fehlerfrei. Dies gelang noch der Estin Johanna Talihärm (4.) und der Rumänin Natalia Uschkina (17.). Aus dem deutschen Team zogen zudem Juliana Frühwirt (SVM Tambach-Dietharz/15.), Vanessa Voigt (SV Rotterode/16.) und Janina Hettich-Walz (SC Schönwald/22.) in den Endlauf ein.
Knapp verfehlten diesen die beiden Lokalmatadorinnen vom Stützpunkt Ruhpolding, Marion Wiesensarter (SV Oberteisendorf/32.) und Franziska Hildebrand (36.). Die 35-Jährige vom WSV Clausthal-Zellerfeld lag um 4,6 Sekunden hinter der gerade noch qualifizierten Ukrainerin Valentina Semerenko, Wiesensarter fehlten sogar nur 1,6 Sekunden. Doch nicht nur deshalb war es für die 27-Jährige ganz knapp: „Beim Stehendschießen waren es wirklich einige Randfehler, das hätte auch anders ausgehen können“, bedauerte sie. Allerdings findet sie das Format des Super-Sprints nicht optimal: „Für die Zuschauer ist es natürlich spannend. Aber das hat eigentlich nicht so viel mit dem zu tun, was Biathlon ausmacht“, bemängelte sie, dass es beim Schießen schon eher eine „wilde Sache“ sei.
Im Finale selbst setzten sich zwei Sportlerinnen durch, die auch im Winter zu den absoluten Topstars im Biathlon gehören: Die Italienerin Dorothea Wierer gewann vor ihrer Landsfrau Lisa Vittozzi. Als Dritte überraschte die Finnin Nastassia Kinnunen: Die 37-Jährige legte die Grundlage zum Gewinn der Bronzemedaille mit fehlerfreiem Schießen. Auf den Plätzen acht bis zehn landete das deutsche Trio Juliane Frühwirt (SVM Tambach-Dietharz/24 Jahre), Anna Weidel (WSV Kiefersfelden/Stützpunkt Ruhpolding/26) und Janina Hettich-Walz (SC Schönwald/26), Rang 22 belegte Vanessa
Voigt (SV Rotterode/24).
Damen-Trainer Kristian Mehringer war zufrieden, zumal der Super-Sprint auch eine große Herausforderung für die Aktiven darstellt: Nach der Qualifikation gelte, es, die Zeit gut zu überbrücken. „Erst ein kurzes Auslaufen, dann Nahrungsaufnahme, dann ein bisschen Erholung – und anschließend geht es schon in die Vorbereitung fürs Finale“, erläutert er. „Dass diese jungen Athletinnen nicht ganz vorne landen würden, war angesichts der erfahrenen Konkurrenz zu vermuten. Aber sie haben es ordentlich gemacht“, lobte er. Weitgehend zufrieden war auch Anna Weidel: „Ich habe gesehen, dass ich gut dabei bin. Aber vier Schießfehler – bei jedem Durchgang einer – sind zu viel für einen Spitzenplatz.“who