Rosenheim – Auf einen Neustart hatte man beim TSV 1860 Rosenheim gehofft. Nach der Trennung von Trainer Florian Heller wollten die Rosenheimer die Trendwende in der Fußball-Bayernliga Süd erzwingen. Im Heimspiel gegen den TSV Nördlingen zeigte sich dann aber das ganze Dilemma der Sechziger in etwas mehr als 90 Minuten. Und so setzte es am Ende eine 3:5-Niederlage gegen eigentlich biedere Gäste – es war die achte Punktspielniederlage am Stück.
Dabei hätte es für die Köpfe der Rosenheimer nicht besser laufen können: In der achten Minute köpfte Tim Kießling einen Eckball zur Führung ein. „Wir wollten über Standards gefährlich sein, das hatten wir uns vorgenommen“, meinte Interimstrainer Michael Wallner. Was dann aber folgte, war einer Bayernliga-Mannschaft unwürdig: Die Hausherren leisteten sich haarsträubende Fehler rund um den eigenen Sechzehner und sorgten deshalb selbst dafür, dass aus der eigentlich so wichtigen Führung schon acht Minuten später ein Rückstand wurde.
Als man den Ball vor dem eigenen Strafraum vertändelte, schaltete Nördlingen schnell und Julian Brandt vollendete frei vor Keeper David Daroczi zum 1:1. Und weil nach einem Rosenheimer Einwurf der nächste Ballverlust folgte, traf Simon Gruber zur Führung für die Gäste aus dem Ries. „Da haben wir dem Gegner die Bälle ohne Not in die Füße gespielt“, resümierte Wallner. Bei seinem Team war jedenfalls die Luft raus, Nördlingen hatte eine weitere Großchance und machte nach einer guten halben Stunde das dritte Tor, weil Brandt aus kurzer Distanz erfolgreich war – vorausgegangen war ein Flugball nach einem Freistoß aus dem Halbfeld, der ewig in der Luft war und den weder die Abwehr noch der auf der Linie klebende Tormann Daroczi klären konnten.
„Wir hätten im Verlauf der zweiten Halbzeit zurückkommen können“, haderte Wallner mit den vergebenen Chancen von Malik Salkic und Sebastian Löser kurz hintereinander. Allerdings fehlte da auch die hundertprozentige Überzeugung, um das Tor machen zu wollen. Und dann? „Dann haben wir wieder Geschenke verteilt“, verzweifelte Wallner. Nördlingen war im Laufe des Spiels vermehrt über die Außenpositionen gekommen, wo die Rosenheimer ein ums andere Mal düpiert wurden. Eine Hereingabe grätschte dann Kapitän Christoph Wallner ins eigene Tor zum 1:4.
Nach vorne tat sich dann lange Zeit nichts, weil die Sechziger im Mittelfeld auch überfordert waren. Erst als Kießling den eingewechselten Michael Summerer bediente, fiel das 2:4. In der Schlussphase kassierte Andrew Barsalona selbst verschuldet Gelb-Rot (auch das passt zur derzeitigen Verfassung der Mannschaft), dann erzielte Sascha Marinkovic sehenswert per Freistoß das 3:4 – es war einer der wenigen auffälligen Momente des Stürmers. Das kurze Aufbäumen wurde aber gleich wieder zunichte gemacht, natürlich durch einen eigenen Ballverlust an der Eckfahne. Die folgende Hereingabe war die Vorarbeit für den fünften Gäste-Treffer. „Solange wir das nicht abstellen, wird es schwierig mit Punkten“, lautete das ernüchternde Fazit von Interimscoach Wallner unmittelbar nach dem Schlusspfiff.
TSV 1860 Rosenheim: Daroczi, Kuchler, Wallner, Salkic, Jesse, Gratt (ab 67. Merdan), Kießling, Polat (ab 63. Summerer), Barsalona, Marinkovic, Löser (ab 81. Cosentino).
Schiedsrichter: Fekih (TV Oberndorf).
Zuschauer: 200.
Tore: 1:0 Kießling (8.), 1:1 Brandt (13.), 1:2 Gruber (16.), 1:3 Brandt (33.), 1:4 Wallner (60., Eigentor), 2:4 Summerer (72.), 3:4 Marinkovic (90. + 1), 3:5 Meyer (90. + 3).
Besonderheit: Gelb-Rote Karte für Barsalona (87.).