Unterföhring – Das Fußball-Landesligaspiel zwischen dem FC Unterföhring und dem TSV 1880 Wasserburg bewegte sich auf hohem Niveau und die Fans waren schon gespannt, in welche Richtung sich dieser offene Schlagabtausch beim Stand von 1:1 in der zweiten Halbzeit entwickeln würde. Mit dem Halbzeitpfiff jedoch war die Zeit der Fußballfreunde vorbei und die des großen Theaters begann.
Ab 20.30 Uhr erinnerte dieser Freitagabend in Unterföhring an Samuel Becketts weltberühmtes Theaterstück Warten auf Godot. Während bei Beckett die beiden Landstreicher Estragon und Wladimir auf den ihnen nur vage bekannten Godot warteten, warteten Schiedsrichter Jürgen Gabel und sein Gespann auf ein Unwetter. Dabei haben Godot und das Unwetter eine Gemeinsamkeit: Beide kamen nie.
Anstatt die zweite Halbzeit bei besten Witterungsbedingungen anzupfeifen und das Spiel fortzuführen, was auch erfolgreich gewesen wäre, wartete Gabel. Doch es regnete nicht und sämtliche Wetter-Apps sagten – so wie es auch eintrat – für 22 Uhr das Unwetter voraus. Sowohl der FCU als auch die Innstädter verwiesen auf diese Erkenntnisse und wollten weitermachen.
Die Theaterfigur Estragon begann durch das ereignislose Nichtstun des Wartens zu leiden, diesen Qualen wollte sich eine Vielzahl der Zuschauer nicht aussetzen. Und so spielten in den „zweiten 45 Minuten“ Fans auf dem Rasen Fußball. An der Mittellinie jonglierten Jugendliche, auf der anderen Seite bolzten Männer in Jeans aufs Tor, dazwischen übte Marko Dukic Freistöße. Groteske Szenen an einem eigentlich wunderbaren Fußballabend, ehe die Wartenden erlöst und das Spiel abgebrochen wurde.
Die Tore im ersten Durchgang erzielten übrigens Lucas Knauer nach einer Ecke (9.) und Burhan Bahadir (18.). Aber diese Treffer gehen nicht in die Statistiken ein – weil Schiedsrichter Gabel auf ein Unwetter wartete, das am Ende nicht kam. jha