Rosenheim – Die kurz entfachte Euphorie nach dem 2:1-Erfolg beim FC Ismaning ist beim Fußball-Bayernligisten TSV 1860 Rosenheim schon wieder der Ernüchterung gewichen: Im Heimspiel gegen das bisherigen Tabellenschlusslicht Türkspor Augsburg mussten sich die Sechziger verdient mit 0:3 geschlagen geben. Und es bestätigt sich die Erkenntnis, dass auf Trainer Klaus Seidel noch sehr viel Arbeit wartet.
„Das geht nicht von allein“, meinte Seidel nach der Begegnung – wohl an alle gerichtet, die den neuen Coach als auf diese Situationen spezialisierten David Copperfield ansehen. Um diese prekäre Lage zu meistern, ist jede Menge Geduld und harte Arbeit gefragt. Und wohl auch noch die ein oder andere Kaderkorrektur in der nächsten Transferperiode…
Denn letztlich war nicht die Niederlage gegen die technisch beschlagenen und mit etlichen höherklassig erfahrenen Kickern ausgestatteten Gäste das Erschreckende, sondern die Tatsache, dass man sich im Heimspiel gegen das Schlusslicht so gut wie keine echte Torchance erspielte. Erst in der 85. Minute kam Gefahr für das Augsburger Gehäuse auf, als Malik Salkic den Ball nach einer Ecke weiterleitete und der frühere Rosenheimer Moustapha Salifou drei Meter vor der Torlinie abwehrte.
Ansonsten waren die Rosenheimer darauf bedacht, die Defensive zu stärken, Räume zuzustellen und als Kollektiv zu verschieben. Das klappte im ersten Durchgang ganz ordentlich, denn Türkspor, das mehr Ballbesitz hatte, kam ebenfalls kaum zu gefährlichen Situationen. Zweimal musste 1860-Tormann David Daroczi eingreifen, parierte dabei einen Schrägschuss und leitete einen Augsburger Versuch nach einem Freistoß aus dem Halbfeld über die Querlatte.
Eigene Chancen für 1860? Nicht vorhanden. Einen Eckball und zwei Abschlüsse außerhalb des Strafraums waren zu verzeichnen. „Nach der 30. Minute hatten wir zwei Konterchancen, da müssen wir das Tor machen“, haderte Seidel. Da kam es dann aber nicht einmal zum Torschuss. Das ganze Konzept war dann über den Haufen geworfen, als die Gäste wenige Minuten nach dem Wechsel einen schnell durchgeführten Angriff über die linke Seite durchzogen, den Flügellauf mit einem gelungenen Doppelpass vollendeten und die abschließende Flanke von Jeton Abazi aus dem Lauf ins lange Eck befördert wurde. „Die haben das Tor gemacht, wir halt nicht“, meinte Seidel. Er brachte den zuletzt angeschlagenen Bojan Tanev zur Halbzeitpause, mit dem die Sechziger zumindest öfter in die Nähe des Augsburger Sechzehners kamen.
Mehr als ein paar Schüsse, die keine Glanzparaden des Gäste-Schlussmanns erforderten, kamen aber nicht heraus. Auf der anderen Seite hatten die Fuggerstädter noch einen Edeljoker: Marwane Gobitaka wurde eingewechselt und erzielte mit seinem ersten Ballkontakt den zweiten Treffer, als er den Abpraller veredelte, nachdem das Spielgerät zuvor bei einem Freistoß von der Rosenheimer Mauer abgefälscht wurde.
Und Gobitaka setzte noch eins drauf, indem er von der Mittellinie ein traumhaftes Solo startete und den Endstand markierte.
TSV 1860 Rosenheim: Daroczi, Gratt, Salkic, Wallner, Polotzek, Kießling, Barsalona (ab 73. Löser), Summerer (ab 76. Kuchler), Merdan (ab 58. Polat), Cosentino (ab 46. Tanev), Marinkovic.
Schiedsrichter: Freund (SV Perlesreut).
Zuschauer: 170.
Tore: 0:1 Abazi (54.), 0:2 Gobitaka (74.), 0:3 Gobitaka (89.).