„Wohnzimmer“ bleibt in guten Händen

von Redaktion

Nach Abschiedsrennen: Günther Bauer übergibt Max-Aicher-Arena an seinen Sohn

Inzell – Was für ein bewegender Abschied von Günther Bauer: Der neunmalige deutsche Meister im Eisspeedway wurde mit dem Legenden-Rennen in Inzell beschert. „Es war ‚bärig‘“, freute sich der 51-Jährige. Das Eisstadion, das 29 Jahre lang sein „Wohnzimmer“ gewesen sei, habe nun einen neuen Besitzer: seinen Sohn Luca.

Schon vor dem Rennen hatte er sich bei allen Weggefährten und bei den Fans bedankt, „auch dafür, dass heute 4000 Zuschauer da sind, obwohl nur wir oiden Deppen im Kreis herumfahren. Es sind die letzten 20 Läufe von uns, und deshalb ist das Motto: ‚Let me entertain you‘“.

Und das taten die Piloten dann auch reichlich. Dabei bewies neben Bauer auch der älteste Fahrer im Feld, was er noch drauf hat: Per-Olof Serenius gewann immerhin zwei seiner fünf Läufe, auch ein Sturz in seinem zweiten Einsatz konnte den 75-Jährigen nicht von weiteren eindrucksvollen Fahrten abhalten.

Noch besser machte es sein Landsmann Stefan Svensson: Der 64-Jährige holte sich sogar den Tagessieg. Er ist allerdings noch aktueller WM-Pilot: „Ich wollte eigentlich schon vor vielen Jahren aufhören, aber jedes Mal fragen mich dann viele Freunde, ob ich nicht doch weitermache: Und so habe ich immer wieder ein Jahr länger gemacht. Aber dieses Jahr ist nach der WM wirklich Schluss“, kündigte er an.

Pech hatte Franz Mayerbüchler senior: In seinem letzten Lauf hatte sich der 70-Jährige bereits auf den zweiten Platz nach vorne gearbeitet und setzte dazu an, in der Kurve innen am führenden Beat Dobler vorbeizugehen – doch dann stoppte seine Maschine. „Es ist wohl ein Eisbrocken an den Ausschalter gekommen. Schade, die drei Punkte hätte ich schon gerne mitgenommen.“

Gerne den Sieg mitgenommen hätte Luca Bauer. Doch der 24-Jährige, der vier Läufe gewann, hatte einen technisch bedingten Ausfall. „Es war etwas am Getriebe, aber besser heute als im WM-Rennen“, sagte er. Dritter aktueller WM-Pilot neben ihm und Svensson ist Max Niedermaier, der ebenfalls ganz vorne im Legenden-Feld mitmischte. In diesem Feld bekam Ersatzfahrer Josef Böhm einen Einsatz – und wurde dabei prompt Zweiter.

Nur Reservefahrer Christian Narr kam nicht zum Einsatz, aufs Eis aber kam er trotzdem: Denn vor dem Legenden-Rennen traten alle 18 Fahrer auf ihren Maschinen eine Ehrenrunde an – ein begeisterndes Bild.

Als die Wertungsläufe absolviert waren, folgte sogar noch ein Sonderlauf: Und für diesen musste Günther Bauer die schwere Entscheidung treffen, wer neben ihm mit aufs Eis durfte. „Am liebsten wären mir alle 18 gewesen, aber das geht ja nicht“, sagte er. Klar, dass er seinen Sohn Luca auswählte. Hinzu kam Serenius, „der schon immer ein Vorbild für mich war“, und Stefan Svensson. An diesen richtete er einen besonderen Dank: „Als ich 2003 um den WM-Titel gekämpft habe und letztlich Vizeweltmeister wurde, ging mir der Auspuff kaputt. Er hat mir da sofort mit seinem Material geholfen.“

Im Sonderlauf selbst zeigte Luca Bauer wieder seine Klasse, Günther Bauer genoss hinter dem Trio vor ihm die letzten vier Runden – um anschließend mit Luca eine gemeinsame Ehrenrunde zu drehen.

Immer wieder hatte es in den Eisbereitungspausen Interviews mit Fahrern gegeben, mehrmals mit Günther Bauer. Auch vor dem Sonderlauf hatte noch einmal Kai Schmiedeknecht, Vorstandsvorsitzender der DMV-Landesgruppe Südbayern, Bauer gewürdigt: „Heute bekommst du endlich dein Abschiedsrennen“, erinnerte er daran, dass ja 2020, 2021 und 2022 die Veranstaltung in Inzell jeweils wegen Corona abgesagt werden musste. Und versprach Bauer ein ganz besonderes Geschenk: „Deine Maschine kommt in eine Vitrine und wird im Eingangsbereich der Max-Aicher-Arena ausgestellt.“

Bauer selbst dankte seiner Ehefrau, allen Sponsoren, „die mir in meiner 29-jährigen Karriere immer die Treue gehalten haben“, allen Weggefährten und auch Inzells Bürgermeister Hans Egger. „Dass du mir heute für dieses Rennen die Halle kostenlos zur Verfügung gestellt hast, ist einfach super.“

Ebenso super sei die Unterstützung durch die Landesgruppe: „Als ich angefangen habe und noch die alte Führung am Ruder war, war man als Fahrer der letzte Trottel. Als dann Robert Weiss (inzwischen Ehrenvorsitzender der Landesgruppe) Vorsitzender wurde, wurde es viel besser. Und jetzt mit Kai ist es eine super Sache, vielen Dank.“

Anschließend übergab Bauer auch offiziell sein Wohnzimmer an Luca Bauer: Er überreichte dem 24-Jährigen symbolisch einen riesigen Schlüssel: „Besser geht es nicht, als das an den eigenen Sohn übergeben zu können. Ich hoffe, das ist für die nächsten 25 Jahre dein Wohnzimmer.“ Wie Luca mit seinen Fahrten bei der WM bewies, ist die Max-Aicher-Arena auch weiterhin in guten Händen.who

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