Rosenheim – Auch wenn es nicht das Duell der beiden Meister ist: Das Play-off-Halbfinale zwischen den Hannover Scorpions und den Starbulls Rosenheim mutiert zum absoluten Showdown in der Eishockey-Oberliga. Zwei ehemalige deutsche Meister, gespickt mit zahlreichen höherklassig erfahrenen Spielern, eine besondere Geschichte der beiden Trainer und die jüngere Play-off-Historie der beiden Kontrahenten – all das bietet einen bunten Mix aus Brisanz, Interesse und Spannung. Die Serie startet am Karsamstag ab 19 Uhr in Mellendorf, knapp 20 Kilometer von Hannover entfernt, und findet ihre Fortsetzung am Ostermontag ab 17 Uhr im schon jetzt ausverkauften Rofa-Stadion an der Mangfall. 5022 Zuschauer werden dann für Stimmung sorgen – ein Eishockey-Leckerbissen erster Güte!
Die Vorgeschichte: Seit dem Abstieg der Starbulls Rosenheim aus der DEL2 hat es bislang vier Play-off-Serien gegeben, in drei Spielzeiten trafen die Scorpions und die Starbulls im Viertelfinale aufeinander – und stets triumphierte Hannover! In der Saison 2017/18 mit 3:1 Erfolgen, in der Saison 2018/19 mit 3:2 Siegen und in der vergangenen Saison 2021/22 mit 3:1 Siegen.
Der Saisonverlauf: Hannover dominierte die Oberliga Nord nach Belieben. Aus 56 Spielen holten die Scorpions im Schnitt starke 2,79 Punkte pro Partie, am Ende insgesamt 156 Punkte. Die Niedersachsen erzielten dabei 321 Tore – 5,73 pro Spiel – und kassierten 118 Gegentreffer. Im Achtelfinale kegelte Hannover den EV Füssen in drei Spielen aus dem Bewerb, im Viertelfinale den SC Riessersee ebenfalls in drei Begegnungen – wobei man zum Abschluss einen 0:3-Rückstand in einen 4:3-Erfolg umwandelte.
Bei den Starbulls war es am Ende der zweite Rang in der Süd-Gruppe. 48 Spiele mit 2,33 Punkten im Schnitt machten am Ende 112 Zähler und den Platz hinter den Blue Devils Weiden. Dabei erzielten die Rosenheimer 169 Tore (3,52 pro Spiel) und mussten nur 83 Gegentreffer hinnehmen. Im Achtelfinale gab es drei Siege über Leipzig, im Viertelfinale wurde es gegen die Tilburg Trappers mit vier Spielen schon etwas enger.
Die Erfahrung: In beiden Kadern tummeln sich zahlreiche höherklassig erfahrene Spieler, wobei das Rosenheimer Aufgebot bei den Einsätzen in Deutschlands erster Spielklasse, der DEL, vorne liegt: 2392 Spiele stehen hier für die Starbulls zu Buche, allen voran 770 für Steffen Tölzer und 523 für Marius Möchel. Die Scorpions kommen auf 1621 Partien, darunter 544 von Andy Reiß und 351 von James Bettauer. Dafür weisen die Niedersachsen 4393 Partien in der DEL2 auf und damit mehr als die Rosenheimer.
Die Top-Spieler: Hannovers Trio ist herausragend: Allan McPherson kommt auf 119 Punkte in 49 Spielen, Pascal Aquin auf 116 in 51 Partien und Brendan Alderson auf 92 Zähler in 55 Begegnungen. Bärenstark ist auch der nachverpflichtete Verteidiger James Bettauer (22 Punkte in 16 Partien). Bei den Starbulls ist Tyler McNeely (43 Punkte in 42 Spielen) der punktbeste Kontingentspieler. Top-Scorer ist Norman Hauner mit 61 Punkten in 48 Matches, dahinter folgt schon Verteidiger Maximilian Vollmayer mit 45 Zählern in 52 Begegnungen.
Die Ehemaligen: Bei den Scorpions stürmt der 40-jährige Christoph Koziol, der in Rosenheim geboren ist und auch viele Jahre für die Starbulls spielte. Marcus Götz spielte in der Saison 2014/15 für Rosenheim, ist aber aktuell verletzt. Auf Starbulls-Seite hat Tim Lucca Krüger als Förderlizenzspieler bereits den Scorpions-Dress getragen.
Die Trainer: Was haben die Starbulls-Spieler Andreas Mechel, Norman Hauner und Tyler McNeely sowie Rosenheims Trainer Jari Pasanen gemeinsam? Sie haben allesamt schon unter Hannovers Coach Kevin Gaudet gespielt – und zwar erfolgreich. Mechel gewann zwei DEL2-Meisterschaften mit Bietigheim unter Gaudet, Hauner und McNeely jeweils eine. Und Pasanen wurde mit dem ESC Wedemark, Vorgängerverein der Scorpions, 1995/96 Zweitliga-Meister unter dem Trainer Gaudet und schaffte dann den Sprung in die DEL. „Das sind schöne Erinnerungen“, sagt Pasanen, der in Mellendorf als Spielertrainer, Spieler unter Gaudet („Wir haben immer hart trainiert“) und später als Trainer agierte. Diese Erinnerungen wischt er fürs Halbfinale aber beiseite, ebenso wie das ständige Rosenheimer Serien-Aus gegen die Scorpions. „Die Vergangenheit interessiert keinen Menschen mehr“, so der finnische Coach. Bei ihm sitzt der Scorpions-Stachel eh nicht drin. Zum Auftakt wird er mit dem Team aus dem zweiten Tilburg-Auswärtsspiel agieren, also mit Christopher Kolarz im Tor und dem kanadischen Sturm-Trio McGowan, McNeely und Oleksuk.