Rosenheim – Über ein halbes Jahr ist es her, als der TSV 1860 Rosenheim zuletzt einen Dreier auf heimischem Geläuf holte. Damals, am 16. Juli des vergangenen Jahres, besiegte man den FC Gundelfingen durch ein Tor von Bojan Tanev mit 1:0. Es war der erste Sieg der Bayernliga-Saison, gleich am ersten Spieltag. Seitdem sind nicht nur 27 weitere Spieltage, sondern auch drei 1860-Trainer vergangen. Nun steht der 29. Spieltag vor der Tür und unter Robert Gierzinger soll am Freitag um 19 Uhr gegen den FC Ingolstadt II endlich der zweite Heimsieg folgen.
Die Heimbilanz der bisherigen Rosenheimer Saison ist erschreckend: 14 Spiele, ein Sieg, zwei Unentschieden und elf Niederlagen – das ganze bei einer Tordifferenz von 14:37. Von einem Heimvorteil kann bei den Sechzigern also keinesfalls die Rede sein. Auch unter Gierzinger hat es bisher keinen Heimpunkt gegeben. Am Nähesten dran war man beim letzten Heimspiel, als man gegen Ismaning mit 2:0 in Führung lag, aber noch 2:3 verlor. „Ich glaube, dass die Spieler daheim Druck haben, weil sie vor den eigenen Zuschauern spielen“, versucht Gierzinger, die Misere zu erklären, und fügt an: „Das muss aber ausgeblendet werden. Ich hoffe, dass wir auch das Spielglück auf unserer Seite haben und es für einen Heimsieg reicht.“
Die Bayernliga-Mannschaft des FC Ingolstadt könnte dabei wie gerufen kommen. Zwar belegt die Zweitvertretung in der Tabelle den dritten Platz, den Großteil der 50 Punkte holte der FCI allerdings zuhause: 32 Zähler stehen bei Heimspielen zu Buche, auswärts sind es nur 18. Damit liegt Ingolstadt in der Auswärtstabelle nur auf Rang zehn – ein kleiner Hoffnungsschimmer für Rosenheim.
Den werden die Sechziger auch brauchen, immerhin sprechen sonst alle Statistiken für die Gäste. Die Formkurve der Schanzer zeigt stetig nach oben, seit sechs Partien mussten sie sich nicht mehr geschlagen geben (drei Siege, drei Unentschieden). Auch die Ausgeglichenheit des Kaders spricht eindeutig für Ingolstadt: Während bei den Hausherren zwölf von 28 Toren auf das Konto von Bojan Tanev gingen, verteilt sich die Torausbeute bei den Ingolstädtern auf viele Schultern. „Wir haben auch eine ganz junge Mannschaft. Wir müssen körperbetont spielen und die Zweikämpfe gewinnen. Kompakt stehen und über Umschaltmomente gefährlich sein, das wird unser Ziel sein. Wir wollen sie auf gar keinen Fall Fußball spielen lassen“, gibt Gierzinger die Taktik klar vor. Dabei hofft er auch darauf, dass die Platzverhältnisse seinen Männern in die Karten spielt: „Unser Platz ist sicher nicht gut bespielbar, das könnte ein Vorteil werden.“
Der 1860-Trainer baut dabei auch auf den Schwung, den seine Mannschaft nach dem erlösenden 5:2-Erfolg letzte Woche in Augsburg aufgebaut hat. „Die Stimmung ist gut. Wir hatten letzte Woche viel Spaß, weil es ein Spiel war, bei dem wir gesehen haben, dass wir es gewinnen werden. Es tut uns auch gut, dass wir endlich ein Vier-Punkte-Polster haben. Ich bin überzeugt, dass wir mit bisschen Glück und der richtigen Überzeugung gegen jeden Gegner bestehen können.“ Und als Beweis fügt er an: „Wir waren in den letzten vier Spielen nie die schlechtere Mannschaft.“ Was ihn dabei aber noch wurmt: „Im Spiel nach vorne haben wir Fortschritte gemacht. Wir haben aber noch nie hinten zu Null gespielt. Dafür wird es jetzt mal Zeit.“ Im Kader wird es wohl keine Veränderungen geben. Immerhin ist mit Luca Jesse ein länger verletzter Akteur wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen. „Er macht Fortschritte“, freut sich Gierzinger, bald wieder eine Option mehr zu haben.