Rosenheim – „In Ermangelung eines finnischen Sprichworts soll hier ein deutsches verwendet werden, auch wenn es eigentlich ein Liedtext von Katja Ebstein ist: Wunder gibt es immer wieder. Und nichts weniger als ein Wunder werden die Starbulls brauchen, um den nach dem ersten Finalspiel so nah erscheinenden Aufstieg in die DEL2 doch noch zu realisieren. Wie es scheint, haben Vollmayer & Co. nach den beiden spektakulären und erfolgreichen Auftritten beim 8:5-Sieg im entscheidenden Halbfinalmatch gegen die Hannover Scorpions und beim ersten Finalgastspiel in Weiden den Schalter umgelegt, allerdings in die falsche Richtung, nämlich auf Aus“ – so ungefähr lautete der Rohentwurf für den Beginn dieses Artikels, der nach dem zweiten Drittel entstand, als Weiden gerade das 1:0 erzielt hatte.
Doch dann brach – wer sollte es auch anderes sein – Norman Hauner mit dem Ausgleich zum 1:1 den Bann und ließ sein Team nach sage und schreibe 89 Minuten ohne eigenen Treffer endlich wieder im Scorer-Protokoll erscheinen. Vielleicht war es auch Travis Oleksuk, der die Scheibe entscheidend abfälschte. Egal – Hauptsache der Puck war im Tor.
Es spricht für den „Spirit“ der Mannschaft, dass sie sich auch von der erneuten Führung der Gastgeber nicht aus dem Konzept bringen ließ und nicht nur erneut den Ausgleich schaffte, sondern auch noch zwei Strafzeiten in den letzten zehn Minuten der regulären Spielzeit mit viel Glück und noch mehr Einsatz überstand. Und sogar das eigene Powerplay, das in den letzten beiden Heimspielen Trainer und Fans schier zur Verzweiflung gebracht hatte, indem es in neun Überzahlphasen gegen die Scorpions und die Blue Devils zwar zwei Tore erzielte, aber gleich vier zuließ, gestattete den Weidenern nicht nur keinen weiteren Shorthander, sondern sorgte durch Lukas Laub für den erneuten Ausgleich. Und all das ohne Tyler McNeely, der bei den Siegen gegen Hannover und Weiden nicht nur wegen seiner je drei Assists einer der großen Antreiber gewesen war!
Dass es am Schluss 3:2 ausgehen würde, egal für wen, war eigentlich schon einige Zeit vor der Overtime klar, denn das ist (nicht nur in dieser Saison, da aber ganz besonders) einfach das Standard-Resultat in Spielen dieser beiden Teams gegeneinander. Nicht weniger als zehn von 27 Partien seit 2017 endeten mit diesem Ergebnis, darunter sieben der letzten 16. Und die Oberpfälzer haben dabei öfter den Zusatzpunkt erobert als die Starbulls (sechs zu vier). Und noch keine der fünf Overtimes (vier davon natürlich nach einem 2:2 nach 60 Minuten) konnte Grün-Weiß gewinnen. Doch diesmal schickte Travis Oleksuk, in der Punktrunde außer zu Saisonbeginn nie der ganz große Scorer, die Weidener Fans zum zweiten Mal nacheinander in tiefste Depression.
Zuvor stand es sehr lange (bis zur 38. Minute) 0:0. Nur ein einziges Mal in dieser Saison hatte die doppelte Null länger Bestand gehabt, nämlich beim 2:0-Sieg in Deggendorf, als ebenfalls Oleksuk noch eine Minute später den Bann brach. Dies bestätigt auch die Erkenntnisse aus der Punkterunde, dass die beiden Finalisten nicht nur allgemein, sondern vor allem defensiv mit Abstand die besten Teams der Liga sind, und dies nicht nur im Tor, sondern im gesamten Abwehrverhalten (wenn man die beiden Rosenheimer Überzahl-Aussetzer vom Sonntag einmal beiseite lässt).
Paradesturm erst mit
dem ersten Treffer
Wie gut sich die Starbulls aber gegen die gewaltige Offensiv-Power der Blue Devils halten, zeigt unter anderem die Tatsache, dass dem Paradesturm der Oberpfälzer (Gläser – Rubes – Heinisch, zusammen 182 Scorerpunkte in der Punktrunde) erst im dritten Match der erste Treffer gelungen ist, und dieser im Powerplay. Und wie absolut gleichwertig die beiden Kontrahenten in der Finalserie agieren, zeigten folgende Zahlen: In den bisher gespielten knapp 186 Spielminuten war nur 87 Sekunden (!) lang ein Team mit mehr als einem Tor Differenz im Vorteil, nämlich die Blue Devils nach ihrem Empty Net Goal am Sonntag. Dagegen führte Weiden gut 51 Minuten hauchdünn, die Starbulls 37 Minuten, und gut 95 Minuten herrschte Gleichstand. Spannender geht es nicht.