Mit Demut in die Aufbruchstimmung

von Redaktion

Peter Wimmer stellt TSV 1860 sportlich auf: „Das dauert, wird aber funktionieren“

Rosenheim – Es ist die vierte Rückkehr für Peter Wimmer an die Jahnstraße. Zum vierten Mal ist der Bad Endorfer nach seiner aktiven Spielerzeit beim TSV 1860 Rosenheim gelandet. Und es ist wohl die beileibe schwierigste Situation, die er beim Traditionsverein vorgefunden hat. Kein Vergleich zu 1982, wo er als blutjunger Trainer die Viertliga-Mannschaft übernommen hatte, auch nicht zu vergleichen mit 1991, als man in der damals viertklassigen Landesliga mit dem Rücken zur Wand stand und dank einer unglaublichen Aufholjagd mit einem finalen Erfolg in der Relegation den Verbleib schaffte.

Diesmal ist es wesentlich schlimmer. 1860 Rosenheim ist gerade in die Landesliga abgestiegen, 2023 ist dies aber nur noch die sechste Spielklasse. Und die Fußballabteilung steht vor einem sportlichen und wirtschaftlichen Scherbenhaufen, vom ramponierten Image ganz zu schweigen. In dieser Phase kehrt Peter Wimmer, zuletzt 20 Jahre als einer von vier bayerischen Stützpunktkoordinatoren für den Deutschen Fußball-Bund in der Nachwuchsarbeit verantwortlich, in offizieller Funktion zum TSV 1860 zurück. Nicht alleine, denn an seiner Seite hat Richard Meisinger das Zepter übernommen. Der Unternehmer trägt die wirtschaftliche Verantwortung, Wimmer bringt die sportliche Kompetenz mit.

Sie müssen sich aber mit dem Ist-Zustand arrangieren. Und der war in den vergangenen Monaten verheerend. „Wir hätten uns nicht gedacht, dass es in so kurzer Zeit zu einem derartigen Verfall kommen konnte, dass eine Fußballabteilung dermaßen entkernt ist und eigentlich vor dem K.o. stand. Es war eine blamable Vorstellung für die gesamte Region und ist nicht zu beschönigen“, spricht Wimmer Klartext. Er nimmt Trainer und Spieler allerdings in Schutz: „Die konnten am allerwenigsten dafür. Die jungen Spieler haben sich aufgeopfert.“

Nun wollen Meisinger und Wimmer die Trendwende herbeiführen. „Die Abteilung wird künftig autonom geführt und wird sich autark organisieren. Es wird ein wirtschaftlicher und sportlicher Neuanfang“, erklärt Wimmer. Der Rückkehrer hat sich für seinen Bereich folgenden Ablauf vorgenommen: „Wir werden die Trainerstruktur deutlich verstärken. Wir stehen kurz vor dem Abschluss eines höchst kompetenten Führungstrainers aus der Bundesliga-Struktur. Um den herum werden wir in allen Bereichen sportliche Kompetenztrainer aktivieren. Somit ist eine Ausbildungskompetenz für den Herren- und den Übergangsbereich garantiert. Für diese Trainingsarbeit müssen wir die notwendige Infrastruktur schaffen. Dazu wird der administrative Funktionsbereich klar verstärkt. Wir müssen Bereiche wie Organisation, Abläufe, medizinische Versorgung, Mannschaftsbetreuung und Scouting auf breite Schultern verteilen. Und wir müssen das Leben im Verein wieder fördern.“ Wimmer ist aber auch bewusst, dass sich Erfolge vielleicht nicht gleich einstellen werden. Dafür sei die Übernahme um einige Wochen zu spät erfolgt. „Es wird ganz schwierig, die verschiedenen Ressourcen, die zu bearbeiten sind, auch gleich bearbeiten zu können.“ In der Kaderplanung hätten begehrte Wunschspieler schon bei anderen Vereinen zugesagt. „Es ist schade, dass wir bei einigen Spielern, die gerne mit dabeigewesen wären, zu spät dran waren. Es ist ja kein Geheimnis, dass Wiggerl Räuber einer dieser Spieler gewesen wäre. Uns ist bewusst, dass wir ein Führungsgerüst brauchen. Aber wir haben schon verpflichtet und sind auch weiter dran. Mit Maxi Mayerl ist ja schon einer dieser Spieler da.“

Weil die Kaderstruktur noch nicht so gegeben ist und die jungen Spieler auch noch Entwicklungszeit brauchen, geht Wimmer mit großer Leidenschaft, aber auch viel Demut ans Werk. „Wir müssen kurzfristig damit leben, dass wir jetzt erst einmal den Spielbetrieb gesichert haben. Wir identifizieren uns nun mit der Landesliga und haben davor höchsten Respekt. Das ist eine gute Liga, sie wird unsere Spieler sehr schnell weiterentwickeln.“ Die Entwicklung soll aber vor allem im Verein vorangetrieben werden. „Wir wollen mit einer schlagkräftigen Trainer- und Ausbildungskompetenz die Voraussetzungen schaffen, um denjenigen Spielern, die talentiert und willens sind, die Möglichkeit zu geben, sich zu verbessern“, sagt Wimmer, der ja in den 1990er-Jahren schon maßgeblich dafür verantwortlich war, dass der Nachwuchsbereich von 1860 Rosenheim zu einer herausragenden Nummer im bayerischen Fußball wurde. Das 1860-Lebensmitglied ist optimistisch, dass sein Vorhaben auch diesmal klappt: „Das dauert, wird aber funktionieren.“ Nun gilt es, das Konzept mit Leben zu füllen. Aber: Im freien Fall des TSV 1860 Rosenheim sind zwei Fallschirme aufgegangen!

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