Neuer Zahn und keine Entschuldigung

von Redaktion

Gefühlsachterbahn bei Antonia Niedermaier: Zuerst Etappensieg, dann Giro-Abbruch

Bruckmühl – Eine wahre Achterbahn der Gefühle hat Antonia Niedermaier beim diesjährigen Giro d‘Italia für Frauen erlebt – und das binnen 24 Stunden. Zuerst gewann die 20-jährige Bruckmühlerin, die auch im Winter beim Skibergsteigen Spitzenleistungen erzielt, mit einer beherzten Solofahrt sensationell die 105,6 km lange „Königsetappe“ von Salassa nach Ceres und arbeitete sich dadurch auf den zweiten Platz des Gesamtklassements vor. Am nächsten Tag kam dann die Ernüchterung: Rund 33 km vor dem Etappenziel in Canelli krachte Urska Zigart, die Verlobte des zweifachen Tour-de-France-Siegers Tadej Pogacar, in ihr Rad und räumte sie ab. Aufgrund ihrer dabei erlittenen Verletzungen musste sie die Rundfahrt abbrechen (wir berichteten). Niedermaier ist inzwischen wieder in ihre Heimat zurückgekehrt und sprach dann auch mit den OVB-Heimatzeitungen.

Wie geht es Ihnen inzwischen, welche Verletzungen haben Sie erlitten?

Es geht schon wieder aufwärts. Ich habe mir Schürfwunden am Knie, an der Schulter und im Gesicht zugezogen. Der komplett ausgeschlagene Zahn wurde mir umgehend wieder eingepflanzt und der zweite beschädigte Zahn wurde repariert.

Zurück zu Ihrem überraschenden Etappensieg und dem Sturz tags darauf: Was ist da alles passiert?

Kurz vor dem vorletzten Gipfel des Tages habe ich es einfach probiert und das ist aufgegangen. Ich war total überwältigt. Am nächsten Tag kam dann das Kontrastprogramm. Urska ist plötzlich gestürzt, auf meine Seite der Straße direkt vor mich geflogen und in mich reingekracht. Da kann man nichts machen. Ich wollte erst weiterfahren, aber mit dem ausgeschlagenen Zahn in der Hand war das keine gute Idee. Ich wurde stattdessen mit dem Hubschrauber in das Krankenhaus in Moreno geflogen, weil man Brüche befürchtete.

Das hat sich aber nicht bestätigt!

Nein, ich hatte Glück im Unglück. Es hätte viel mehr passieren können, denn der Randstein war nur zehn Zentimeter weg.

Hat sich die Unfallverursacherin bei Ihnen entschuldigt?

In solchen Fällen ist eine Entschuldigung schon üblich. Sie hat sich aber nicht entschuldigt, vielleicht hatte sie ein schlechtes Gewissen. Ich bin sehr enttäuscht, dass mein erster Giro für mich so geendet hat.

Was sind Ihre nächsten Pläne?

Am kommenden Freitag habe ich einen Arzttermin, bis dahin muss ich mich noch „staad halten“. Am Wochenende möchte ich dann das Training wieder aufnehmen. In vier Wochen findet in Glasgow (Schottland) die Straßen-WM der Frauen statt und da möchte ich mitfahren. In zwei Wochen wird das Team benannt und bis dahin bin ich wieder fit. Im September möchte ich noch bei den Rundfahrten in den Niederlanden und in der Schweiz starten. Danach mache ich etwas Urlaub und bereite mich dann wieder aufs Skibergsteigen vor.

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