„Für so etwas spielst du Fußball“

von Redaktion

INTERVIEW Der Ex-Rosenheimer Philipp Maier mischt mit Aufsteiger Ulm die 3. Liga auf

Ulm – Lange hat Philipp Maier kämpfen müssen, jetzt ist er mittendrin im Profibereich. Der Mittelfeldspieler aus Kienberg, der die Jugend beim TSV 1860 Rosenheim verbrachte und auch im Herrenbereich lange Zeit für die Sechziger spielte, gehört zu den Akteuren von Drittliga-Überraschung SSV Ulm 1846. Der 29-Jährige, der in den freien Tagen auch beim Hallenfußball-Sparkassenpokal in Rosenheim und beim DEL2-Eishockey bei den Starbulls Rosenheim vorbeischaute, steht zum Start der Frühjahrsrunde mit dem Aufsteiger auf dem dritten Rang und hat selbst durch starke Leistungen seinen Beitrag dazu geleistet. Im exklusiven Interview mit der OVB-Sportredaktion spricht Maier über die bisherige Saison, persönliche Auszeichnungen und die Zielsetzung für den weiteren Saisonverlauf.

Haben Sie über den Jahreswechsel mittlerweile alles realisiert, was 2023 so passiert ist?

Weihnachten war ja die stade Zeit, da konnte man sich mal ein paar Gedanken machen. Und als Fazit lässt sich sagen, dass ich mit dem Sportjahr 2023 sehr zufrieden sein kann. Einerseits ist das große Ziel Profifußball endlich in Erfüllung gegangen. Zuletzt hat es ja zweimal nicht geklappt, als wir mit Schweinfurt die Relegation verloren hatten und mit Ulm Vizemeister wurden. Und dann sind wir in die 3. Liga mit einem nur leicht veränderten Kader gegangen und stehen jetzt auf dem dritten Platz. Wir haben ein, zwei Spiele gebracht, dann gab es den Heimsieg gegen Bielefeld – und dann waren wir drin in der Liga!

Fast wären Sie wohl die „Mannschaft des Jahres“ in Ulm geworden – wenn da nicht die Basketballer gewesen wären, die den deutschen Meistertitel geholt haben. Spüren Sie die Konkurrenz?

Wir haben es den Basketballern sehr gegönnt, denn sie haben lange darauf hingearbeitet. Das war schon eine sehr starke Leistung. Aber wir brauchen uns nicht zu verstecken, immerhin waren wir in dieser Saison schon zweimal ausverkauft.

Sie haben lange in der Regionalliga Bayern gespielt und zuletzt in der Regionalliga Südwest. Lassen sich die beiden Ligen miteinander vergleichen?

Die Regionalliga Südwest ist sicherlich professioneller, weil es hier mehr Teams gibt, die unter professionellen Bedingungen arbeiten. Es sind mehr Traditionsvereine und dadurch ist auch mehr Geld im Spiel. Und es gibt den direkten Aufstiegsplatz, das ist nicht zu unterschätzen. Du kannst viel besser planen. Das kann ich beurteilen, nachdem ich die Relegation mit Schweinfurt selbst erlebt habe.

Sie sind seit 2021 in Ulm. Hätten Sie damals bei der Unterschrift geglaubt, dass sie nun auf dem dritten Rang in der 3. Liga stehen?

Das hätte ich mir nie so vorstellen können, ich habe, ehrlich gesagt, aber auch nie darüber nachgedacht. Man sagt ja immer, dass es im Fußball oft ganz schnell gehen kann – und ich habe mich dann immer gefragt, wann es denn bei mir so weit ist. Aber wir sind in einem Flow gekommen und haben eine eingespielte Mannschaft, so ist das dann zustande gekommen.

Sie stehen in der kicker-Rangliste der 3. Liga auf dem sechsten Rang in der Kategorie „Mittelfeld defensiv“. Was bedeutet Ihnen das?

Das zeigt, dass ich im letzten halben Jahr nicht ganz so viel verkehrt gemacht habe. Ich habe mir einen Stammplatz erkämpft und auch immer wieder mal durch ein Tor auf mich aufmerksam gemacht. Und dazu kommt dann noch der Erfolg mit dem gesamten Team.

Wie haben Sie den Sprung von der Regionalliga auf die 3. Liga erlebt? War es eine große Umstellung?

In Ulm hat es schon in der Regionalliga Vollprofitum gegeben, in der 3. Liga haben wir dann noch eine Trainingseinheit mehr pro Woche draufgelegt. Die 3. Liga ist ein Tick körperlicher. Da gibt es nur Profiteams. Der größte Unterschied ist aber, dass das Fernsehen mit dabei ist. Da bekommst du viel mehr Aufmerksamkeit und ziehst mehr Fans an. Wir haben in Ulm 9000 Zuschauer im Schnitt, das war in der Regionalliga lange nicht so. Und dann gibt es da die Spiele gegen Traditionsclubs wie Dresden, 1860 München oder Essen. Das ist dann so, wie du es dir als Kind vorgestellt hast.

Was konnten Sie aus Ihrer Zeit in Rosenheim und Burghausen mitnehmen können?

Ich habe sowohl in Rosenheim als auch in Burghausen eine super Zeit gehabt. Das war einfach Heimat. Und ich habe mir mein zweites Standbein aufgebaut, ein Studium als Bachelor in Wirtschaft an der LMU in München abgeschlossen. Für mich war aber klar: Wenn ich die Chance bekomme, um den Aufstieg mitzuspielen, dann will ich das mitnehmen.

Sie waren schon zu Ihrer Rosenheimer Zeit sehr ehrgeizig, manchmal auch ungeduldig. Können Sie jetzt das Erreichte auch mal genießen?

Ja, absolut. Ich genieße jedes Spiel. Wenn du ins mit 17000 Zuschauern ausverkaufte Donaustadion einläufst, dann nach links und rechts schaust – für so etwas spielst du Fußball, für so etwas bin ich so lange drangeblieben. Oder wenn du an einem Dienstagabend unter Flutlicht das 1:0-Siegtor gegen Bielefeld machst – da denkst du schon daran, dass es sich gelohnt hat. Und wir haben jetzt auch noch etliche coole Auswärtsspiele in Dresden, Essen oder bei 1860 München vor uns.

Wie ist die Zielsetzung für Ulm für die restlichen Spiele?

Unser Ziel war der Klassenerhalt. Mit 40 Punkten bist du da relativ weit, und die wollen wir so schnell wie möglich erreichen. Deshalb wollen wir uns erst einmal auf dieses Ziel fokussieren. Uns muss schon bewusst sein, dass wir Aufsteiger sind, da kommen schon noch andere Mannschaft wie Ingolstadt oder Sandhausen, die aktuell noch hinter uns sind. Und die Liga ist extrem eng beisammen. Aber wir wollen das Maximale rausholen – mal schauen, wo es uns hinführt!

Und wie geht es mit Philipp Maier weiter?

Ich habe im Sommer einen Zwei-Jahres-Vertrag unterschrieben und fühle mich damit sehr wohl. Ich habe mir etwas erarbeitet, das ich in der Rückrunde bestätigen will. Und ich glaube, dass ich in Ulm aktuell gut aufgehoben bin.

Das ist Philipp Maier

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