Gewicht ans Gewehr – schon läuft‘s

von Redaktion

Positive Bilanz der Stützpunkt-Biathleten nach der Nachwuchs-Weltmeisterschaft

Otepää/Ruhpolding – „Wir sind sehr zufrieden und haben eine super WM abgeliefert, vor allem bei den Mädels mit vier Goldmedaillen“, so Andreas Birnbacher, einer der verantwortlichen Trainer bei der Biathlon-Junioren-Weltmeisterschaft in Estland. Das deutsche Team eroberte insgesamt fünf Gold-, zwei Silber- und zwei Bronzemedaillen. Das brachte dem Team den zweiten Platz im Medaillenspiegel hinter Norwegen. „Wir haben die Erwartungen erfüllt und das Maximum erreicht. Wir hatten die Besten nominiert und die haben alles gegeben“, so der ehemalige Weltklasse-Biathlet.

Die einzige Goldmedaille für die Junioren eroberte Leonhard Pfund vom SC Bad Tölz. Der am Stützpunkt Ruhpolding trainierende 20-jährige Landespolizist gewann das Einzel über 15 Kilometer trotz eines Schießfehlers vor dem mit 20 Treffern ins Ziel kommenden Franzosen Lejeune. „Ich bin sehr zufrieden mit meiner ersten JWM. Wir haben als Team top zusammengehalten und gearbeitet, um all diese Medaillen zu holen. Mit dem Einzel-Titel bin ich unfassbar glücklich, weil ich genau an diesem Tag ein perfektes Rennen gemacht habe“, erinnert sich Pfund. Im Sprint danach lief es mit dem 40. Platz weniger gut, fünf Schießfehler handelte er sich ein. Immerhin gelang ihm mit dem zehnten Platz im Massenstart ein ordentliches Rennen. „Die Staffel habe ich als Schlussläufer als Vierter beendet, leider ist dabei kein Podestplatz herausgekommen“, so Pfund traurig.

Zwei Goldmedaillen gab es für Julia Kink vom WSV Aschau, genau wie vor einem Jahr – dort aber noch in der Jugend mit noch drei Silbernen dazu. „Die Leistungsdichte bei den Juniorinnen ist deutlich höher. Trotzdem ist so eine WM ein besonderes Erlebnis“, so die 20-Jährige. Bis zuletzt wird getüftelt und gefeilt. So wurde ihr Gewehr vor dem ersten Rennen mit einem leichten Gewicht etwas optimiert. „Das, so glaube ich, war der Schlüssel für mein Stehendschießen“, sagt Kink, die über eine instabile Schießleistung vor der JWM klagte. Nach dem elften Rang im Einzel und dem fünften Platz im Sprint legte sie alles in den Massenstart und holte dort auf der letzten Runde noch die Goldmedaille. „Im Sprint habe ich mir am Schießstand zu lange Zeit gelassen“, so Kink, die zum Abschluss der WM zwei Goldmedaillen erreichte. „Der schönste Moment war, als ich beim Massenstart als Erste ins Ziel gelaufen bin.“ In der Staffel schickte Kink Schlussläuferin Marlene Fichtner (SC Traunstein) auf die Schlussrunde zu Gold. Zuvor waren für das deutsche Team Alina Nussbicker (SV Tambach-Dietharz) und Julia Tannheimer (DAV Ulm) im Rennen. Am Ende hatte das deutsche Quartett fast 28 Sekunden Vorsprung vor Norwegen im Ziel. „Bei der Staffel war sehr viel Taktik dabei“, verriet Birnbacher.

Julia Kink ist nun für das Weltcup-Team nominiert worden und darf mit nach Nordamerika. „Meine Gefühlslage ist eine Mischung. Einerseits bin ich voller Vorfreude, andererseits schon ein bisschen nervös“, so die 20-Jährige.

Mit einer Gold- und einer Silbermedaille im Gepäck ist Marlene Fichtner vom SC Traunstein aus Estland zurückgekehrt. Die „Goldene“ erreichte sie als Schlussläuferin bei den Juniorinnen. „Es war eine große Ehre für mich, dass mir die Trainer immer das Vertrauen geschenkt haben, als Letzte in die Spur zu gehen“, so die bald 21-Jährige. Vor allem in der Mixed-Staffel eroberte sie in ihrem Schlussspurt noch den zweiten Platz und hätte beinahe noch die Norwegerinnen abgefangen. „Insgesamt sind es positive Gefühle aus der JWM. Ich bin sehr happy, bei dieser tollen Teamleistung dabei gewesen zu sein. Da sind so viele verantwortlich dafür“, erklärt die Hobbyfotografin. Allerdings hat sie ihr Ziel, eine Einzelmedaille, verpasst. Nach dem 23. Platz beim Sieg von Julia Tannheimer im Einzel kam Fichtner im Sprint auf den siebten Platz und Tannheimer gewann Silber. „Ein Fehler weniger, und das Podest wäre möglich gewesen“, ärgerte sich die Traunsteinerin. „Sie hat sich über die Jahre immer weiter gesteigert. Vor einem Jahr konnte sie noch nicht um die Medaillen laufen, jetzt ist sie konkurrenzfähig“, gibt ihr Trainer Birnbacher mit auf den Weg.

Unter der Rubrik „Ärgerlich“ folgt die Bilanz von Korbinian Kübler vom SC Hammer. Statt in der Jugend-Mixed-Staffel zusammen mit Mannschaftskollegin Sophie Patz zu starten, wurde der 17-Jährige krank. „Das ist natürlich sehr ärgerlich. Letztendlich bin ich froh, dass ich überhaupt drei von fünf Rennen laufen konnte. Läuferisch konnte ich dann leider nicht mit der Weltspitze mithalten. Dafür bin ich mit meiner Trefferleistung und mit meiner Schießzeit sehr zufrieden“, so Kübler. So blieben in den Einzelrennen die Plätze 31 und 38 sowie der elfte Rang mit der Staffel.

Sophie Patz vom SC Hammer war mit ihren persönlichen Leistungen nicht ganz zufrieden. „Das Laufen muss noch besser werden. Dazu kommt, dass dann leider manchmal ein paar Scheiben zu viel stehen geblieben sind. Nichtsdestotrotz konnte ich bei den Wettkämpfen viele Erfahrungen sammeln und für die kommenden Jahre und Aufgaben dazulernen“, so die Landespolizistin. Ihr blieben die Plätze zehn, 27 und 18 sowie der fünfte Rang in der Staffel.

Erwähnenswert bleibt noch die Goldmedaille der Jugend im Einzel für Alma Siegismund, die 18-Jährige vom SSV Altenberg. Nachwuchstrainer Florian Graf vom Stützpunkt Ruhpolding meinte: „Dass wir noch einmal so abräumen wie im letzten Jahr, war eher nicht zu erwarten. Mit der Bilanz heuer sind wir trotzdem sehr zufrieden. Es fällt auf, dass die Jungs nach wie vor hinter den Mädels herhinken. Und dass wir gegen das Material der Norweger kaum eine Chance haben.“

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