Die Eliteliga verliert ihren Glanz

von Redaktion

Hohe Auflagen: Warum aus der Bayernliga Süd kein Verein in die Regionalliga will

München/Erlbach/Augsburg – Höchst wahrscheinlich muss der Bayerische Fußball-Verband (BFV) die Regularien zum Auf- und Abstieg zu seiner Eliteliga Regionalliga Bayern in den nächsten Tagen anpassen. Denn üblicherweise ist es so, dass die beiden Meister der Bayernligen Nord und Süd direkt aufsteigen und die beiden Vizemeister jeweils die Relegation spielen. Das wäre in diesem Jahr insofern leicht, denn für den Fall, dass sich der Regionalliga-Meister Kickers Würzburg in der Relegation gegen den Meister der Regionalliga Nord durchsetzt, würden sich von den vier Releganten (Platz 15 und 16 der Regionalliga Bayern plus die beiden Bayernliga-Vizemeister) drei Mannschaften für die Regionalliga-Saison 2024/25 qualifizieren. Doch jetzt könnte es ganz anders kommen.

In der Bayernliga Süd stellt sich die Lage aktuell so dar: Ex-Regionalligist SV Heimstetten und der TSV Landsberg haben beide überraschend auf einen Lizenzantrag verzichtet. Anträge gestellt hatten der TSV Schwaben Augsburg, der SV Erlbach, der FC Deisenhofen und der TSV Nördlingen – von denen haben nun drei Vereine bereits ihren Verzicht für die bayerische Eliteklasse erklärt. Und Spitzenreiter Schwaben Augsburg überlegt noch. Gut möglich also, dass es überhaupt keinen Aufsteiger aus der Bayernliga Süd gibt!

Am vergangenen Sonntag zog der SV Erlbach seine Kandidatur zurück. „Der Verzicht ist zwar sportlich äußerst schade, aber finanziell leider alternativlos: Für eine Kapazitätserweiterung des Stadions auf 2500 Zuschauer sowie für Sicherheitsmaßnahmen, insbesondere bei den eingestuften Risikospielen in der Regionalliga, hätte der Verein kurzfristig bis zu 250000 Euro investieren müssen“, heißt es aus Erlbach. Das sei für den Dorfverein aber nicht machbar.

Am Montagabend verkündete der FC Deisenhofen seinen Rückzug und begründete diesen nach dem Worten der Sportlichen Leiters Thomas Werth so: „Trotz einer zumindest vorläufig erteilten, aber mit vielen Auflagen versehenen Regionalligazulassung, verzichtet der FC Deisenhofen auf das mögliche Startrecht in der Regionalliga 2024/25. Im ,Coronaspieljahr 2019/2021‘ nahm der FC Deisenhofen letztmalig am Lizenzierungsverfahren für die Regionalliga Bayern teil. Bis zum Frühjahr 2024 wurden trotz der widrigen Umstände viele der damaligen Mängel in Eigenleistung behoben, notwendige Verbesserungen wurden mithilfe vieler Sponsoren realisiert. So wurden 350 Sitzplätze geschaffen und die seinerzeit geforderte teilweise Einfriedung des Geländes konnte umgesetzt werden. Der für Sicherheitsspiele notwendige Gästekäfig wurde vorbereitet, geforderte Genehmigungen wurden eingeholt und den Regularien entsprechend umgesetzt.“ Doch neuerdings liegt die Messlatte des BFV deutlich höher, wie Werth berichtet: „Bei der im Frühjahr 2024 gestarteten Lizenzierung wurden nun zu den damals bereits sehr hohen Hürden für Breitensportvereine vonseiten des BFV weitere Punkte vorgetragen, für deren Umsetzung ein Budget von circa 300 000 Euro kurzfristig nötig wäre. Die Höhe der Investitionen sowie die dafür zur Verfügung stehende Zeit lassen zum momentanen Zeitpunkt eine seriöse Planung und somit eine gesicherte Startberechtigung für die Regionalliga Bayern, die vorausgesetzt einer sportlichen Qualifikation, auch über Jahre Bestand haben kann, nicht zu.“ Und weiter: „Der ganze Sportbetrieb könnte durch finanzielle Risiken gefährdet werden. Natürlich sind Spieler und Trainerteam enttäuscht, gerade vor dem Hintergrund, dass der Verzicht von drei vor uns platzierten Mannschaften den Sprung auf einen Relegationsplatz vielleicht möglich gemacht hätte.“

Der TSV Nördlingen hatte am Sonntagabend laut Abteilungsleiter Andreas Langer den BFV davon in Kenntnis gesetzt, dass auch die Nord-Schwaben einen Rückzieher machen. Das Gerd-Müller-Stadion, Eigentümer ist die Stadt, könne kurzfristig nicht für die Regionalliga tauglich gemacht werden. Man wisse nun aber, was zu tun ist und damit sei die Absage nicht auf immer und ewig, aber für dieses Jahr gültig.

Bleibt noch Spitzenreiter TSV Schwaben Augsburg, der ja eine lange Bayernliga-Tradition hat. Der will sich im Verlauf dieser Woche äußern, ob er aufsteigt, das hat Sportchef Max Wuschek verlauten lassen. Die Zeichen seien allerdings eher negativer Natur.

Die Zulassungskommission unter Vorsitz von BFV-Schatzmeister Jürgen Faltenbacher, der im Präsidium auch den Spielbetrieb im Freistaat verantwortet, hat nach Prüfung der Unterlagen 15 Vereinen die Zulassung ohne jedwede Einwände erteilt, fünf Klubs haben noch Auflagen zu erfüllen, für sieben Vereine ist die Regionalliga-Zulassung an Bedingungen und Auflagen geknüpft. „Die eingereichten Unterlagen sprechen nahezu durch die Bank von hoher Qualität und unterstreichen so die Tatsache, dass sich die Verantwortlichen allesamt bewusst sind, was es bedeutet, in der höchsten bayerischen Liga an den Start zu gehen“, erklärte Faltenbacher.

Der BFV muss schnellstens über eine Änderung der Auf- und Abstiegsregelung beziehungsweise über eine Anpassung der Relegation zur Regionalliga Bayern nachdenken, denn spätestens vor dem letzten Spieltag am Pfingstwochenende, muss diese Regelung stehen. Um auf zwei Direkt-Aufsteiger und zwei Releganten zur Regionalliga zu kommen, so, wie es seit Jahren üblich ist, könnte es sein, dass die Bayernliga Nord zwei direkte Aufsteiger stellt und zwei weitere Vereine – vorausgesetzt, dass eine Lizenz beantragt worden ist – an der Relegation teilnehmen. Mögliche Kandidaten sind die SpVgg Hankofen-Hailing, der SC Eltersdorf, VfB Eichstätt und die SpVgg Bayern Hof. Auch da gibt es übrigens eine Mannschaft, die nicht aufsteigen darf: Die zweite Mannschaft des FC Ingolstadt 04, aktuell auf dem vierten Rang, muss aufgrund des Verbleibs der Ingolstädter Profis in der 3. Liga in der Bayernliga verweilen.

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