Deutschlands EM-Rekordspieler

von Redaktion

Vier heimische Fußballer haben es bislang in den deutschen Auswahlkader bei den Fußball-Europameisterschaften geschafft, drei sind dort auch zu Einsätzen gekommen. Die OVB-Sportredaktion erzählt deren EM-Geschichte: Tore, Tränen und Triumphe. Teil 3: Bastian Schweinsteiger.

Rosenheim – Er liegt vorne. Bastian Schweinsteiger ist Deutschlands Rekordspieler. Der Oberaudorfer hat die meisten Einsätze für die deutsche Nationalmannschaft bei Europameisterschafts-Endrunden. Vier Teilnahmen stehen für den Weltmeister von 2014 zu Buche – mit 18 Partien liegt er vor Philipp Lahm (16). In der europaweiten Rangliste nimmt er gemeinsam mit dem Italiener Leonardo Bonucci den vierten Rang ein, davor stehen drei Portugiesen: Cristiano Ronaldo (25), Pepe und Joao Moutinho (je 19). Die beiden Letzteren hätte der gebürtige Kolbermoorer durchaus überrunden können, allerdings meinte es so manche EM-Endrunde bezüglich Verletzzungen nicht unbedingt gut mit Schweinsteiger. Seine beeindruckende Europameisterschafts-Historie war eine Achterbahnfahrt der Gefühle:

2004: Gerade noch mit der U21 in der EM-Vorrunde im eigenen Land ausgeschieden, ging es für Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski (beide 19) zur „großen“ Europameisterschaft nach Portugal. Der Oberaudorfer kam gleich zum Auftakt gegen die Niederlande zum Einsatz, er wurde für Bernd Schneider eingewechselt. Laut Spielerkritik im OVB trumpfte er „frech auf und sorgte für einigen Wirbel“. EM-Reporter Günter Klein schrieb: „Wie Bastian Schweinsteiger spielte, das hat gut ausgesehen.“ Doch dem guten Auftakt folgten zwei weniger gute Spiele: Deutschland war früh raus und Teamchef Rudi Völler nahm seinen Hut.

2008: Bastian Schweinsteiger hat deutlich Erfahrung gewonnen. Er geht mit über 50 Länderspielen ins Turnier, das in Österreich und der Schweiz ausgetragen wird, und ist eine Stammkraft in der DFB-Auswahl. Zum ersten Spiel gegen Polen nur eingewechselt, leistete er die Vorarbeit zum 2:0 für Kumpel Podolski. Auch im zweiten Spiel kommt er von der Bank und sorgt für Belebung. Die 1:2-Niederlage gegen Kroatien kann er aber nicht verhindern. Noch schlimmer: In der Nachspielzeit sieht er die rote Karte und wird für ein Spiel gesperrt. Im Viertelfinale war der Oberaudorfer dann wieder spielberechtigt, gegen Portugal entlud sich sein Frust in einer exzellenten Leistung: Ein Tor und zwei Vorlagen von Schweinsteiger waren die Glanzlichter beim 3:2-Erfolg über Portugal. Und auch im Halbfinale traf der Bayern-Spieler, sorgte für den wichtigen Ausgleich gegen die Türkei – und zwar erneut in bester Mittelstürmer-Manier. Im Endspiel war dann Spanien die Endstation, auch wenn sich Schweinsteiger nach allen Kräften mühte. „Neben Michael Ballack die treibende Kraft bei der glücklosen Aufholjagd“, stand im OVB in der Final-Einzelkritik.

2012: Angeschlagen angereist, schaffte es der Oberaudorfer doch rechtzeitig fürs erste Turnierspiel bei den Bewerben in Polen und der Ukraine. Und lieferte beim 1:0 über Portugal gleich ab. „Er lieferte in der ersten Halbzeit das größte Laufpensum aller Spieler. Kämpferisch stark“, lautete das Urteil in der Einzelkritik. Auch am 2:1-Erfolg über die Niederlande war er maßgeblich beteiligt: „Sein millimetergenauer Pass vor dem 1:0 war schon eine Attraktion, sein Zuspiel auf Gomez vor dem 2:0 rundete die erste Halbzeit ab“, schrieb Günter Klein. Es folgten Siege über Dänemark und im Viertelfinale über Griechenland, ehe man sich im Halbfinale von Italien düpieren ließ. Der große Titeltraum mit der Nationalmannschaft musste noch warten.

2016: Als Weltmeister reisten Schweinsteiger und die deutsche Auswahl zur EM-Endrunde nach Frankreich – der gebürtige Kolbermoorer aber wieder angeschlagen. Diesmal machte ihm das Knie zu schaffen. Dabei war Schweinsteiger der Kapitän, hatte aber erst einmal damit zu kämpfen, wieder in Form zu kommen. Beim ersten Spiel gegen die Ukraine wurde er in der 90. Minute eingewechselt – und traf zwei Minuten später zum 2:0-Endstand. Das OVB urteilte: „Sprint, Volleyschuss, Tor. Riesengeschichte.“ Im dritten Gruppenspiel gegen Nordirland waren es dann schon mehr Minuten Spielzeit, auch im Achtelfinale gegen die Slowakei. Im Viertelfinale gegen Italien war Schweinsteiger früh gefragt, nach einer guten Viertelstunde musste er für den verletzten Sami Khedira ran. Und diesmal sogar länger als 90 Minuten, denn die Partie ging in die Verlängerung und ins Elferschießen. Dort setzte der Profi von Manchester United die Kugel übers Kreuzeck, Deutschland kam aber dennoch weiter. Im Halbfinale gegen Gastgeber Frankreich hatte Schweinsteiger seinen ersten Einsatz von Beginn an. Und er lieferte ein ordentliches Spiel ab, wie die gesamte deutsche Elf. Am Ende hieß es dennoch 0:2, und der Oberaudorfer war im Pech, dass sein Handspiel in der Nachspielzeit der ersten Hälfte zum Elfmeter für Frankreich und zum Führungstreffer führte. „Und wieder hat er es vollbracht, aus schwieriger Lage eine Rolle zu finden. Beachtliche Steigerung seit dem ersten Mannschaftstraining“, fand Günter Klein in seiner Turnierbeurteilung über den Kapitän in dessen letztem EM-Turnier. Es ist der einzige große Pokal im Weltfußball, den Bastian Schweinsteiger nicht gewonnen hat.

Seine Rolle als deutscher EM-Rekordspieler könnte er übrigens bald los sein. Mit jeweils 15 Einsätzen sind ihm Thomas Müller und Manuel Neuer auf den Fersen und könnten nach der Vorrunde schon gleichgezogen haben. Toni Kroos weist aktuell 14 EM-Spiele auf, auch er könnte noch überholen. Bastian Schweinsteiger wird es hautnah miterleben, schließlich kann er als ARD-Experte eine weitere EM-Teilnahme für sich verbuchen.

Das ist Bastian Schweinsteiger

Bastian Schweinsteigers EM-Endrundenspiele

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