Mühldorf – Zweites Gruppenspiel. Alles weiß-blau, den Farben der Flaggen des Gastgeber aus Griechenland entsprechend. Geschätzte 200 Schlachtenbummler auf der Seite der griechischen U18-Mädchen. Knappe 20 Fans auf deutscher Seite. Und doch auch dort ein kleines bisschen weiß-blau. Denn Lena Olliges ist die einzige bayerische Spielerin, die mit der deutschen U18-Nationalmannschaft zur Volleyball-Europameisterschaft nach Kreta gereist ist. Und das mit einer Riesen-Verantwortung. Denn sie hat sich als Zuspielerin mittlerweile einen Stammplatz im Team der Deutschen erkämpft.
Und diesem Vertrauen, das ihr der Bundestrainer Justin Wolff geschenkt hat, wird sie durchaus gerecht. Die deutsche Auswahl hat in der Gruppenphase bereits drei Spiele hinter sich. Gegen Bulgarien waren die deutschen Volleyball-Mädchen schlecht aus den Startlöchern gekommen, verloren mit 0:3. Einen Tag später durften sie aber gegen Gastgeber Griechenland jubeln (3:1), bevor es in einem packenden Match gegen die letztjährigen Vize-Europameister aus der Türkei am Ende ein knapper 3:2-Sieg für die Deutschen wurde. Olliges spielte ohne Unterbrechung.
Die Nominierung von Lena Olliges als einzige bayerische Vertreterin ist umso bemerkenswerter, da sie mit ihren 16 Jahren nicht nur eine der Jüngsten im Team ist, sondern, anders als die meisten ihrer Teamkolleginnen, aus der Provinz kommt. Bei der Volleyballabteilung des TSV Mühldorf, die bekannt ist für ihre hervorragende Jugendarbeit, besonders im männlichen Bereich, hat die Mühldorferin ihr Handwerk gelernt. Kaum dass Lena Olliges, die als Kind auch im Tennis große Erfolge gefeiert hatte, das Volleyballspielen angefangen hatte, feierte sie auch schon bayerisches Silber mit ihren Freundinnen Lisa Voderhuber und Ricarda Fellner. Sie trainierte fleißig weiter, bekam das Zweitspielrecht im Nachwuchsteam des TB München, wo sie auch im Kader der 2. Bundesliga-Mannschaft stand. Nach einem Jahr in München wechselte sie aber nach Ende dieser Saison zum VCO Dresden, um weiter an ihrer Volleyball-Karriere zu feilen. Mit Erfolg, wie die Nominierung nun zeigt.
Der Tross um Bundestrainer Justin Wolff war voller Vorfreude zur EM nach Griechenland gereist. Drei intensive Lehrgangswochen lagen hinter dem Team, „in denen wir uns Schritt für Schritt an die Turnierform herangearbeitet haben“. Mit sechs Trainingsspielen, drei Spiele gegen Polen (1:3, 2:3, 2:3), zwei gegen die Niederlande (3:1, 3:0) und eines gegen die U20-Auswahl des DVV (3:1) hat sich die U18 den spielerischen Feinschliff geholt. „Wenn wir unser Spiel aufs Feld bringen, dann sind wir eine Wucht im Angriff und Block,“ sagt Justin Wolff. „Die Stimmung im Team ist hervorragend, alle sind fokussiert und fleißig, verlieren dabei aber nie die Freude am Spiel.“ Das schafft Zuversicht beim Trainer. Testspiele und die Leistungssteigerung im Verlauf des Lehrgangs haben laut Wolff gezeigt, dass alle die richtigen Schritte gegangen seien. Wolffs Marschrichtung: „Wir bevorzugen als Team offensiven Volleyball. Das macht Lust auf mehr!“
Bei der Europameisterschaft spielt in der Gruppe zunächst Jeder gegen Jeden, die besten Zwei ziehen am Ende ins Halbfinale ein. Nach einem Tag Pause steht nun am Freitag die nächste Partie an. Um 16.30 Uhr trifft das deutsche Nationalteam auf Polen. Danach folgen Spiele gegen Ungarn, Finnland und Litauen. Weitere Informationen auf der Homepage des Deutschen Volleyballverbandes.enk